Bambergs Pokal-Sensation: Wie die Baskets selbst Bayern-Trainer Pesic überraschten
Im ausverkauften SAP Garden in München flossen im Bamberger Block sogar Freudentränen, während die Profis des FC Bayern Basketball mit versteinerten Mienen ihren eigenen Fans applaudierten und dann trotzig in die Kabine trotteten. Die Überraschung beim „BMW Top Four“ war perfekt: Der Meister aus München ist zum zweiten Mal in Folge im Halbfinale des BBL-Pokals ausgeschieden. Vor einem Jahr war für die Euroleague-Truppe sensationell gegen den Syntainics MBC Schluss, jetzt kam das Aus vor 11.500 Zuschauern im eigenen Wohnzimmer mit 97:103 nach Verlängerung gegen die BMA365 Bamberg Baskets.
Pesics ehrliche Analyse nach der Niederlage
Bayern-Trainer Svetislav Pešić (76), der mit Alba Berlin 1997 und 1999 den BBL-Pokal gewann, zeigte sich entsprechend bedient: „Natürlich können wir besser spielen, in der Defense, was unsere Energie angeht, schließlich haben wir zu Hause gespielt, aber wie heißt die alte Weisheit: Du spielst nur so gut, wie die andere Mannschaft es zulässt. Bamberg hat das Spiel bestimmt, wir waren fast immer hintendran.“ Besonders beeindruckt zeigte sich der erfahrene Coach von der Leistung des Bamberger Teams unter Anton Gavel: „Anton Gavel hat als Spieler immer 100 Prozent gegeben und seine Mannschaft hat das heute genauso getan.“
Bambergs defensiver Masterplan gegen Obst
Bambergs defensiv denkender Chefcoach Anton Gavel hatte einen klaren Plan: Welt- und Europameister Andreas Obst (29) aus dem Spiel nehmen. Dyn-Experte Patrick Femerling (50) analysierte: „Die Bayern hatten das ganze Spiel nicht wirklich Lösungen für den Druck, den die Bamberger insbesondere auf Andi Obst gemacht haben. Sie haben immer ein, zwei Leute mehr geschickt, um ihm das Leben schwer zu machen, damit er keinen freien Wurf bekommt, damit er keinen Rhythmus hat. Da fehlte so ein bisschen die Variabilität.“ Obst verwandelte nur 3 von 11 Versuchen von jenseits der 6,75-Meter-Linie, während die gesamte Bayern-Mannschaft lediglich 10 von 36 Dreiern traf – das entspricht einer miserablen Quote von 28 Prozent.
Die statistische Überlegenheit der Bamberger
Im krassen Gegensatz dazu stand die Leistung der Bamberger, die auf beeindruckende 39 Prozent bei ihren Dreierwürfen kamen (16 von 41 Versuchen). Diese statistische Überlegenheit machte auch in der Verlängerung den entscheidenden Unterschied. Pešić gestand: „Und dann haben sie 20 Punkte in der Overtime gemacht, das habe ich so noch nicht erlebt.“ Weil Obst lange kaltgestellt war, übernahm Nenad Dimitrievic (27) die Offensive der Bayern und stellte mit 24 Punkten sogar eine Saisonbestleistung auf. Doch selbst diese individuelle Glanzleistung reichte nicht aus, um die Niederlage abzuwenden.
Dimitrievics Einschätzung der Niederlage
Der serbische Spieler sagte im Dyn-Interview: „Im Pokal gibt es keine Favoriten. Es ist eine harte Niederlage für uns, denn wir sind zurückgekommen, haben erneut Charakter gezeigt – wie in vielen Spielen in dieser Saison. Aber in der Verlängerung haben sie einige schwere Würfe getroffen. Glückwunsch an sie. Sie haben gute Spieler, sind ein gutes Team. Wir haben uns ein wenig gegen ihre aggressive Verteidigung schwergetan und sie haben ein paar entscheidende Offensiv-Rebounds geholt.“
Konsequenzen für die Bayern-Saison
Den fünften und bislang letzten Pokal-Erfolg hatte der FC Bayern Basketball vor zwei Jahren gefeiert. Nach dem enttäuschenden Aus hat die Münchner Millionentruppe diese Saison realistisch nun nur noch die Chance auf einen Titel – die Meisterschaft. Denn in der Königsklasse, der Euroleague, benötigen die Bayern ein mittleres Basketball-Wunder, um noch die Play-offs zu erreichen. Die Bamberger Baskets hingegen haben mit diesem Sieg bewiesen, dass sie zu den ernstzunehmenden Kontrahenten in der BBL gehören und selbst den großen FC Bayern in dessen eigener Halle bezwingen können.



