Arantxa Sánchez Vicario, die in den 1980er und 1990er Jahren zu den erfolgreichsten Tennisspielerinnen der Welt zählte, ist einem massiven Betrug zum Opfer gefallen. Die 54-jährige Spanierin, die einst die große Rivalin von Steffi Graf war, verlor nach eigenen Angaben ihr gesamtes Vermögen von rund 36 Millionen Euro durch ihren Ex-Mann Josep Santacana. In einem emotionalen TV-Interview mit der spanischen Sendung „Universo Calleja“ sprach die vierfache Grand-Slam-Siegerin unter Tränen über ihre finanzielle Misere und die juristischen Konsequenzen.
Vertrauen in den Ehemann als fatale Fehleinschätzung
Die ehemalige Weltranglistenerste erklärte, sie habe sich während ihrer aktiven Karriere nie um finanzielle Angelegenheiten gekümmert. „Ich habe mich ganz dem Tennisspielen gewidmet. Ich habe mich nie um diese Angelegenheiten gekümmert, weil ich nicht wusste, wie“, sagte sie. Ihr gesamtes Vermögen habe sie in die Hände ihres damaligen Partners Josep Santacana gegeben, den sie 2008 heiratete und der Vater ihrer Kinder ist. „Ich habe meinem Mann vertraut, weil er der Vater meiner Kinder war. Ich habe mich blind verliebt. Doch er ist wirklich nicht der Mensch, für den ich ihn gehalten habe.“ Das Vertrauen endete in einem finanziellen Desaster: „Mein ganzes Geld ist verschwunden“, so die 54-Jährige.
36 Millionen Euro verschwunden – Haftstrafe nur knapp vermieden
Der Verlust von 36 Millionen Euro, die Vicario im Laufe ihrer Karriere durch Preisgelder und Werbeeinnahmen erzielt hatte, führte zu jahrelangen Rechtsstreitigkeiten und einer Scheidung im Jahr 2019. Im Jahr 2023 stand die frühere Tennis-Legende selbst wegen Vermögensverschleierung vor Gericht und entging nur knapp einer Haftstrafe. „Ich bin nicht ins Gefängnis gekommen, weil ich 50 Prozent meines Einkommens an die Bank abzahle“, erklärte sie. Im Rahmen eines Deals mit der Staatsanwaltschaft musste sie jedoch Taten einräumen und Schuld auf sich nehmen. Ihr Ex-Mann Josep Santacana wurde 2024 zu drei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt, da er als „cerebro“ (Kopf) der Vermögensverschiebung galt.
Hoffnung auf Rückkehr des Geldes aufgegeben
Die Hoffnung, das verlorene Vermögen jemals wiederzuerlangen, hat Sánchez Vicario nach eigenen Angaben aufgegeben. Eine Therapie habe ihr geholfen, die schwere Zeit zu verarbeiten. Die einstige Nummer 1 der Welt wirkt gebrochen, als sie sagt: „Ich habe mich damit abgefunden. Es ist, als würde ich ganz von vorn anfangen, als hätte ich nie eine Tenniskarriere gehabt.“
Karriere mit 29 Turniersiegen und Millionenpreisgeldern
Arantxa Sánchez Vicario war in den 1990er Jahren eine der dominierenden Figuren im Damentennis. Sie gewann insgesamt 29 Turniersiege, darunter viermal Grand-Slam-Titel: die French Open 1989, 1994 und 1998 sowie die US Open 1994. Sie stand in sieben Grand-Slam-Finals gegen Steffi Graf und konnte zwei davon für sich entscheiden. In ihrer Karriere spielte sie knapp 17 Millionen Dollar an Preisgeldern ein, hinzu kamen Millionen aus Werbeverträgen. Im Jahr 1995 führte sie für zwölf Wochen die Einzel-Weltrangliste der Damen an. Heute ist die einstige Sportlerin gezeichnet von den finanziellen und emotionalen Folgen des Betrugs.



