Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat die Nachfolge von Julian Nagelsmann geregelt und Jürgen Klopp als neuen Bundestrainer verpflichtet. Der 59-Jährige war von Beginn an der Wunschkandidat des Verbandes und soll die Nationalmannschaft nach dem enttäuschenden WM-Aus wieder auf Erfolgskurs bringen. Offizieller Vertragsbeginn ist der 15. August. „Es ist ein sehr, sehr besonderer Tag für mich“, sagte Klopp bei seiner Vorstellung in Frankfurt.
Vertrag bis 2030 – erstes Ziel EM 2028
Nach intensiven Verhandlungen in den vergangenen drei Wochen hat der DFB sein Ziel erreicht, Klopp bis zur nächsten Weltmeisterschaft 2030 an sich zu binden. Der viermalige Weltmeister und dreimalige Europameister soll unter seiner Regie wieder zu alter Stärke finden. Erster großer Prüfstein ist die Europameisterschaft 2028 in England, Schottland, Wales und Irland. Dafür muss sich die DFB-Elf jedoch erst qualifizieren – die EM-Qualifikation findet im kommenden Jahr statt.
„Die Nationalmannschaft kann uns Deutsche verbinden wie kaum etwas anderes. Genau das macht diese Aufgabe für mich so besonders. Ich bin dankbar für alles, was ich in den letzten eineinhalb Jahren bei Red Bull erleben und lernen durfte, und für die Offenheit, die diese Einigung erst möglich gemacht hat“, erklärte Klopp in einer DFB-Mitteilung.
Premiere gegen Niederlande – Assistenten stehen fest
Seine ersten Länderspiele absolviert Klopp bereits Ende September. Dann startet die DFB-Auswahl mit vier Partien gegen die Niederlande, Serbien und zweimal Griechenland in die nächste Auflage der Nations League. Als Co-Trainer stehen ihm seine langjährigen Assistenten Peter Krawietz und Pepijn Lijnders sowie sein Dortmunder Ex-Spieler Sven Bender zur Seite.
„Jetzt freue ich mich auf diese besondere Aufgabe im deutschen Fußball, die wir gemeinsam mit Demut und Geduld angehen werden: eine Mannschaft zu entwickeln, die füreinander kämpft, die Freude am Fußball hat und hinter der sich die Menschen in unserem Land mit voller Überzeugung versammeln können“, sagte Klopp.
DFB-Präsident: „Klopp war Wunschlösung“
DFB-Präsident Bernd Neuendorf betonte: „Er war von Anfang an unsere Wunschlösung. Da waren wir uns im Verband einig, dass wir diese Lösung verfolgen müssen.“ Die Verpflichtung sei angesichts anderer Verträge – insbesondere mit Klopps bisherigem Arbeitgeber Red Bull – eine „komplexe Thematik“ gewesen. Neuendorf und DFB-Vizepräsident Hans-Joachim Watzke waren eigens während der WM nach New York gereist, um mit Klopp und dessen Berater Marc Kosicke zu verhandeln. Dort konnte eine „Verständigung über wesentliche Eckpunkte eines potenziellen Vertrages erzielt“ werden.
Ein Hindernis war anfangs Klopps Anstellung als Head of Global Soccer bis 2029 bei Red Bull. Auch hier fand die DFB-Spitze bei einem Treffen mit Red-Bull-Boss Oliver Mintzlaff in München eine kreative Lösung. Neuendorf bedankte sich ausdrücklich bei Red Bull für die Freigabe und bestätigte eine Zahlung von einer Million Euro an die Stiftung des Getränkeunternehmens. Zudem wird es in Leipzig bis 2030 drei Länderspiele geben.
Per Mertesacker wird DFB-Geschäftsführer
Mit der Verkündung der Klopp-Personalie gab der DFB auch bekannt, dass Per Mertesacker ab Januar 2027 die Position des DFB-Geschäftsführers übernehmen wird. Der Ex-Weltmeister soll künftig die operativen Geschäfte des Verbandes leiten.
Klopps große Erfolge als Vereinstrainer
Der Job des Nationaltrainers ist neu für Klopp, doch der gebürtige Stuttgarter zählt seit Jahren zu den erfolgreichsten Vereinstrainern Europas. Er führte den FSV Mainz 05 in die Bundesliga (2004), holte mit Borussia Dortmund zweimal die deutsche Meisterschaft (2011, 2012) und einmal den DFB-Pokal (2012). Mit dem FC Liverpool gewann er 2019 die Champions League, 2020 die englische Meisterschaft und 2022 den FA Cup.
Nach neun Jahren in der Premier League hatte Klopp bei seinem Abschied von Liverpool erklärt, ihm sei die Energie ausgegangen. Doch vor seiner Zusage beim DFB stellte er klar: „Ich bin mehr als aufgetankt, ich bin bereit.“ Jetzt kann er loslegen.



