Pforzheim – Sie hat mit Mariah Carey, Chaka Khan, den Jacksons, Jessie J und Leona Lewis auf der Bühne gestanden. Doch Kavila (48, bürgerlich Anita Kavila Wiener) hat ein neues Ziel: Sie will die Schlagerwelt erobern. Zehn Jahre lang trat die gebürtige Kenianerin mit ihrer Band bei den exklusiven VIP-Aftershow-Partys der weltberühmten Show „Art on Ice“ auf. Und trotzdem sagt sie heute zu BILD: „Mein größter Traum ist es, eine erfolgreiche Schlagersängerin zu werden! Es ist nie zu spät für einen Neuanfang und dafür, seine Träume zu leben.“
Schlager als Herzensangelegenheit
Kavila ist sich bewusst, dass ihre Herkunft bei vielen Menschen bestimmte Erwartungen weckt. „Viele denken wegen meiner Herkunft automatisch, dass ich Soul oder Rap singe. Wenn ich dann Deutsch singe, ist das Publikum erst einmal verblüfft und danach meistens begeistert.“ Für sie ist Schlager keine Frage von Klischees, sondern von Ehrlichkeit. „Schlager erlaubt mir, echt zu sein. Es geht um Gefühle, um Hoffnung, um Liebe, Verlust und Neuanfang. Genau darüber möchte ich singen. Ich habe einfach das Gefühl, dass jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen ist für mich, die Schlager-Bühne zu erobern.“
Traum von Silbereisen und Zarrella
Die Sängerin träumt von großen Fernsehshows. Vor allem von Florian Silbereisen und Giovanni Zarrella. Auf die Frage, warum sie sicher ist, dass Silbereisen sie unbedingt in seine ARD-Shows einladen sollte, antwortet sie lächelnd: „Es gibt nicht so viele Exoten im Schlager. Die Menschen sagen mir, ich hätte eine positive Ausstrahlung und würde Freude bringen. Genau das möchte ich auf die Bühne zaubern. Außerdem möchte ich möglichst viele Menschen mit meiner Musik erreichen. Seine Sendungen schauen Millionen Schlager-Fans. Genau dorthin gehöre ich.“
Von Mombasa nach Pforzheim
Geboren wurde Kavila in Mombasa, Kenia. Doch schon mit zweieinhalb Jahren kam sie nach Deutschland. Aufgewachsen ist sie in Pforzheim – mit badischem Dialekt, deutscher Kultur und einer großen Leidenschaft, die ihr ihre Eltern mitgegeben haben: Schlager. „Meine Eltern haben Roland Kaiser, Udo Jürgens, Marianne Rosenberg oder Vicky Leandros gehört. Wir haben immer die Musiksendungen im Fernsehen angeschaut. Schlager war bei uns ganz selbstverständlich. Meine Mutter singt den ganzen Tag.“
Schon als kleines Mädchen sang Kavila im Kindergarten, später im Kirchenchor und in der Schule. Lehrer erkannten früh ihr Talent und sagten ihr immer wieder, sie müsse etwas aus ihrer Stimme machen. Doch zunächst entschied sie sich für den vermeintlich sicheren Weg. „Ich machte eine Ausbildung zur Rechtsanwaltsfachangestellten. Es war mir aber zu langweilig. Ich bin nicht der Typ, der den ganzen Tag am Schreibtisch sitzt.“
Der Anruf von Mariah Carey
Kavila sang in Bands, tanzte Hip-Hop und Streetdance, rappte zeitweise sogar. „Am Anfang war das alles nur Hobby. Irgendwann war die Leidenschaft so groß, dass ich wusste: Ich möchte das beruflich machen.“ Dieser Weg führte sie in eine Profiband mit bis zu 16 Musikern. Als die Frontsängerin schwanger wurde, sprang Kavila ein. „2005 klingelte mein Telefon. Eine Kollegin fragte mich, ob ich Lust hätte, Background für Mariah Carey zu singen. Ich dachte zuerst, sie macht einen Witz. Ich habe nur gelacht. Dann sagte sie: ‚Wenn du nicht willst, frage ich jemand anderen.‘ Da wusste ich: Das ist ernst.“
Wenig später stand Kavila mit ihrem größten Idol auf der Bühne. „Das war surreal. Mariah Carey, Whitney Houston und Janet Jackson waren immer meine größten Vorbilder. Und plötzlich stehe ich mit Mariah auf einer Bühne.“ Trotzdem ließ sie der Traum von eigenen Liedern nie los. „Eigene Musik aus meinen Geschichten schreiben“, sagt sie. „Es erfüllt mich noch viel mehr, Menschen mit meinen eigenen Liedern zu erreichen, als andere Künstler zu covern.“ So entstanden unter anderem Songs wie „I Don’t Wanna Be So Sad“, das sie in einer schwierigen Lebensphase schrieb.
Familie und Musik
Während sie versuchte, sich als Sängerin zu etablieren, gründete sie eine Familie. Mit 25 wurde Kavila Mutter einer Tochter, später kam ihr Sohn zur Welt. Seit inzwischen 16 Jahren ist sie mit ihrem Mann Andreas Wiener (46) verheiratet. Kennengelernt haben sich die beiden dort, wo ihre gemeinsame Leidenschaft begann: in der Band. Sie strahlt, wenn sie von ihrem Mann redet: „Ich habe mich als Sängerin beworben. Er war Keyboarder. Ich habe mich sofort verliebt.“ Er brauchte etwas länger. Heute produziert Andreas ihre Musik, und sie schreiben Songs gemeinsam.
Kavila hat Höhen und Krisen erlebt. Heute geht es ihr nicht mehr darum, perfekt zu sein, sondern darum, mit ihrer Musik Menschen zu berühren. Vielleicht liest Florian Silbereisen (44) ja diesen BILD-Artikel und lädt sie im Oktober in seinen „Schlagerbooom“ (ARD) nach Dortmund ein. Die 48-Jährige wäre bereit – und ihr Traum wäre zum Greifen nah.



