SpaceSail, ein staatlich unterstütztes chinesisches Satellitenprojekt, will Elon Musks Starlink herausfordern. Mit rund 200 Satelliten und Gesprächen mit 30 Ländern startet der kommerzielle Betrieb.
Elon Musks Starlink dominiert derzeit den Markt für Satelliteninternet mit über 10.000 Satelliten im Erdorbit. Doch aus China kommt ein ehrgeiziger Herausforderer: SpaceSail. Das Projekt, offiziell „SpaceSail Constellation“ und in China auch „Qianfan“ (Tausend Segel) genannt, wurde 2023 von der staatlich unterstützten Firma Shanghai Spacecom Satellite Technology gestartet. Ziel ist es, weltweit schnelles und stabiles Internet bereitzustellen und unabhängig von westlicher Infrastruktur zu werden.
Status und Ausbau des Satellitennetzes
Der Aufbau des Satellitennetzes von SpaceSail begann erst 2024 mit dem Start der ersten 18 Satelliten. Seitdem wurden in kurzen Abständen weitere Satelliten ins All gebracht; mittlerweile sind rund 200 Satelliten aktiv. Die Betreiber sprechen bereits von einem ersten funktionierenden System für maritime Anwendungen, etwa zur Verfolgung von Schiffen auf hoher See. Bis Ende 2026 soll der Ausbau so weit fortgeschritten sein, dass ein breiter kommerzieller Start möglich wird – dann könnten rund 648 Satelliten im Orbit sein. Langfristig ist das Ziel deutlich größer: Mehr als 15.000 Satelliten sollen ein weltweites Netz bilden, und bis 2030 plant SpaceSail, über 10.000 Satelliten in Betrieb zu haben.
Internationale Strategie und Partnerschaften
Beobachter sehen in SpaceSail eine klare Strategie. Der Gründer der Beratungsfirma Orbital Gateway Consulting, Blaine Curcio, beschreibt das Vorgehen laut The Guardian als gezielt: Das Unternehmen richte sich bewusst an Staaten, in denen Starlink mit politischen oder regulatorischen Hürden konfrontiert sei. Ähnlich wie chinesische Elektroautohersteller auf dem globalen Markt habe SpaceSail dabei Unterstützung aus staatlichen Strukturen im Rücken, so seine Einschätzung. SpaceSail führt Berichten zufolge Gespräche mit rund 30 Staaten. In Brasilien konnte bereits ein Vertrag geschlossen werden, nachdem es dort zuvor Spannungen mit Starlink gegeben hatte. Auch in Kasachstan ist SpaceSail aktiv und hat eine Tochterfirma gegründet. Zudem gibt es Kooperationen mit dem europäischen Flugzeughersteller Airbus, der das System künftig als Internetoption an Bord von Flugzeugen nutzen will.
Finanzierung und strategische Bedeutung
Finanziert wird das Vorhaben vollständig in China, unter anderem durch staatliche Forschungseinrichtungen und die Stadt Shanghai. Angaben zur Unternehmensgröße schwanken, deuten aber auf einige Hundert Beschäftigte hin. In chinesischen Medien wird betont, dass das System künftig unabhängig von westlicher Infrastruktur funktionieren soll. Damit könnten etwa internationale Handelsrouten, diplomatische Missionen oder maritime Projekte besser abgesichert werden. Der Ausbau der Satelliteninternet-Netze ist längst Teil eines globalen Wettbewerbs geworden. Neben den USA und China arbeiten auch Europa und andere Länder an eigenen Systemen. Es geht dabei nicht nur um Technik und Internetzugang, sondern auch um strategische Unabhängigkeit und wirtschaftlichen Einfluss im All.
Wettbewerbssituation und Ausblick
Im Vergleich zu Starlink bleibt SpaceSail noch deutlich zurück. Starlink von SpaceX versorgt bereits Millionen Nutzer in mehr als 160 Ländern und Regionen und plant, die Satellitenzahl auf über 40.000 zu erhöhen. Trotzdem wächst der Wettbewerb. Experten halten den Erfolg von SpaceSail zwar für offen, sehen aber eine zunehmende Dynamik im globalen Markt für Satelliteninternet. SpaceSail versucht zugleich, früh internationale Partner zu gewinnen und politische Lücken zu nutzen, die Starlink offen lässt.



