Unesco-Welterbeliste: D-Day-Strände und Sidi Bou Saïd aufgenommen
Unesco-Welterbeliste: D-Day-Strände und Sidi Bou Saïd

Die Kulturorganisation der Vereinten Nationen, Unesco, hat am 26. Juli 2026 im südkoreanischen Busan ihre Welterbeliste um 24 neue Stätten erweitert. Darunter befinden sich die D-Day-Landungsstrände in der Normandie, die tunesische Küstenstadt Sidi Bou Saïd sowie eine Erweiterung der Berliner Siedlungen der Moderne um die Waldsiedlung Zehlendorf. Insgesamt wurden 21 Kultur- und drei Naturerbestätten neu eingetragen.

Waldsiedlung Zehlendorf als Erweiterung der Berliner Moderne

Die Waldsiedlung Zehlendorf im Südwesten Berlins ist nicht als eigenständige Stätte, sondern als Erweiterung des bereits 2008 anerkannten Welterbes „Siedlungen der Berliner Moderne“ aufgenommen worden. Die deutsche Unesco-Botschafterin Kerstin Pürschel betonte: „Mit ihrer einzigartigen Verbindung von Architektur, Waldlandschaft und urbaner Infrastruktur erweitert die Waldsiedlung Zehlendorf das bestehende Welterbe um eine ganz eigene Facette.“ Die Siedlung ergänzt damit die sechs zuvor gelisteten Wohnsiedlungen der Moderne.

D-Day-Landungsstrände: Gedenkstätte der Befreiung

Erstmals wurden mit den D-Day-Landungsstränden in der Normandie auch Stätten des Zweiten Weltkriegs in die Welterbeliste aufgenommen. Die insgesamt fünf historischen Strände – Utah, Omaha, Gold, Juno und Sword Beach – sowie zugehörige Erinnerungsorte erinnern an die alliierte Landung am 6. Juni 1944, die den Auftakt zur Befreiung Europas vom Nationalsozialismus markierte. Rund 3100 Landungsboote mit mehr als 150.000 Soldaten – vor allem US-Amerikaner, Briten, Kanadier, Polen und Franzosen – setzten damals nach Frankreich über. Tausende kamen bei den folgenden Gefechten ums Leben. Mit dieser Aufnahme besitzt Frankreich nun 55 Welterbestätten, gleich viele wie Deutschland. Nur China und Italien haben mit je 60 Stätten weltweit die Nase vorn.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Königliche Festungen der Kapetinger im Languedoc

Ebenfalls neu auf der Liste sind mehrere mittelalterliche Festungen im südfranzösischen Languedoc (Region Okzitanien). Die Burgen entstanden im 13. und 14. Jahrhundert und dienten zunächst den Anhängern der Katharerbewegung als Zuflucht während des Albigenserkreuzzugs (1209–1229). Später übernahm die französische Krone unter der Dynastie der Kapetinger die Kontrolle und nutzte die auf steilen Berggipfeln gelegenen Wehranlagen zur Sicherung eroberter Gebiete, Kontrolle von Verkehrswegen und Machtdemonstration.

Bauwerke von Alvar Aalto in Finnland

Die Unesco würdigt mit dreizehn Gebäuden und Ensembles des finnischen Architekten Alvar Aalto (1898–1976) dessen visionäre Moderne. Aalto, in Skandinavien als „Vater des Modernismus“ verehrt, verband mit seinen Ehefrauen Aino und Elissa moderne Ideen mit lokalen Traditionen. Die zwischen den späten 1920er- und 1970er-Jahren entstandenen Werke prägen das finnische Architekturerbe maßgeblich; in Helsinki ist eine Universität nach ihm benannt.

Condominio-Theater: Bürgerliche Theaterkultur in Italien

In Mittelitalien wurden die sogenannten Condominio-Theater aus dem 18. und 19. Jahrhundert ins Welterbe aufgenommen. Sie dokumentieren den Wandel von der höfischen zur bürgerlichen Theaterkultur. Ermöglicht wurde dieser durch ein gemeinschaftliches Eigentumsmodell: Öffentliche Institutionen und wohlhabende Privatleute finanzierten Bau und Betrieb gemeinsam. So konnten auch kleinere Städte eigene Theater errichten, die zu Zentren kulturellen Austauschs und gesellschaftlicher Begegnung wurden. Viele dieser Häuser prägen noch heute das kulturelle Leben ihrer Region.

Sidi Bou Saïd: Blau-weiße Küstenstadt in Tunesien

Die tunesische Küstenstadt Sidi Bou Saïd, bekannt für ihre malerischen blau-weißen Häuser, wurde ebenfalls zum Welterbe erklärt. Der Ort entstand rund um das Mausoleum des gleichnamigen Sufi-Heiligen, der sich dort im Jahr 1207 niederließ. Heute ist Sidi Bou Saïd ein beliebtes Touristenziel und liegt auf einem Felsen nahe dem antiken Karthago.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration

Boma-Badingilo-Savannen: Erster Welterbe-Eintrag für Südsudan

Der Südsudan feiert seinen allerersten Eintrag auf der Welterbeliste: Die Boma-Badingilo-Savannen umfassen weite Savannen, Überschwemmungs- und Feuchtgebiete, darunter eines der größten Sumpfgebiete der Welt. Die Region ist Schauplatz der weltgrößten Landtierwanderung: Jährlich ziehen rund sechs Millionen Antilopen durch das Gebiet – mehr als bei der berühmten Gnuwanderung („Great Migration“) in Ostafrika. Die Savannen bieten Lebensraum für Elefanten, Löwen, Leoparden, Wildhunde und zahlreiche weitere Arten.