Die Waldbrände im Südwesten Frankreichs haben die Vororte von Bordeaux erreicht. Die Feuerwalze ist inzwischen nur noch 15 Kilometer von den Außenquartieren der 274.000-Einwohner-Stadt entfernt. Bereits 167.000 Menschen mussten ihre Häuser verlassen, die Zufahrtsstraßen und Teile der Autobahnen sind gesperrt. Auch der Bahnverkehr nach Bordeaux wurde eingestellt. Die Behörden haben die Armee angefordert: 1.000 Soldaten sollen die Feuerwehrleute unterstützen.
Kampf gegen die Flammen: Großangriff mit Bulldozern
„Das Feuer breitet sich völlig willkürlich und richtungslos aus“, warnt Guillaume Millet von der Feuerwehr des Départements Gironde gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. „Wir können es nicht vorhersehen.“ Um die Ausbreitung zu stoppen, setzen die Einsatzkräfte auf eine aggressive Taktik. Regionalpräfekt Gilles Clavreul erklärte auf einer Pressekonferenz: „Etwa zehn Kilometer des 47 Kilometer langen Umkreises um das Brandgebiet sind rot markiert. Dort werden wir heute mit Bodentruppen und Bulldozern einen Großangriff starten, damit das Feuer nicht erneut aufflammt.“
Die Kleinstadt Marcheprime wurde bereits komplett geräumt. Sie liegt auf der Hauptachse zwischen den Brandherden und Bordeaux. Unermüdlich schlagen Feuerwehrleute mit Bulldozern Schneisen in die trockenen Kiefernwälder, während Löschflugzeuge am Himmel kreisen. Dennoch bleibt die Lage kritisch: 42.000 Hektar Wald – eine Fläche so groß wie 59.000 Fußballfelder – sind bereits vernichtet.
Hitzewelle verschärft die Krise
Doch die Flammen sind nicht der einzige Gegner. Ab morgen droht der Region die inzwischen vierte große Hitzewelle mit Temperaturen bis zu 40 Grad. „Das Auftreten dieser neuen, heftigen Hitzewelle ist angesichts der Dürre und der Rekord-Waldbrände eine sehr schlechte Nachricht“, warnen die Experten des nationalen TV-Wetterkanals La Chaîne Météo. Die Kombination aus extremer Trockenheit und neuerlicher Hitze könnte die Löscharbeiten massiv erschweren.
Die Regierung in Paris hat die Lieferung von 1,5 Millionen FFP2-Masken angekündigt. In vielen Apotheken der Stadt sind Atemschutzmasken bereits ausverkauft, berichtet die Regionalzeitung „SudOuest“. Wer auf den Straßen unterwegs ist, bedeckt Mund und Nase, um sich vor dem beißenden Rauch zu schützen, der vom Westen herüberzieht.
Einsatzkräfte an der Grenze der Belastbarkeit
Feuerwehr-Oberstleutnant David Annotel warnte gegenüber dem Sender France Inter: „Wir stoßen an die Grenzen unserer Leistungsfähigkeit und stehen kurz vor einer operativen Unmöglichkeit.“ Die Sorge der Einsatzkräfte und der BILD-Reporter vor Ort ist groß: „Wenn die letzten Vororte fallen, dann fällt auch Bordeaux.“ Noch stehe die Evakuierung der Stadt selbst nicht auf dem Programm, sagt Bürgermeister Thomas Cazenave. Doch der Kampf um Bordeaux hat längst begonnen.
Die verheerenden Brände im Westen der Metropole sind weiterhin nicht unter Kontrolle. Schwer beladene Autos quälen sich über die verstopften Ausfallstraßen, dazwischen immer wieder Krankenwagen mit Blaulicht. Wer kann, verlässt die Vororte der französischen Metropole – nur weg, bevor das Feuer kommt. Die Rettungskräfte arbeiten unter Hochdruck, doch die Lage bleibt angespannt. Mit der neuen Hitzewelle könnte sich die Katastrophe noch weiter verschärfen.



