Südfrankreich kann aufatmen: Die Waldbrände, die in den vergangenen Tagen weite Teile der Mittelmeerregion in Atem gehalten hatten, gelten als unter Kontrolle. Die Behörden hoben am Mittwoch die Evakuierungsanordnungen in den betroffenen Gebieten auf. Tausende Bewohner und Urlauber kehrten in ihre Häuser und Unterkünfte zurück, während die Feuerwehr weiterhin mit der Bekämpfung letzter Glutnester beschäftigt war.
Besonders heftig hatte es den Südosten des Landes in der Region Okzitanien an der Grenze zu Spanien getroffen. Dort war in einem dicht bewachsenen Pinienwald ein Feuer ausgebrochen, das sich wegen des starken Windes rasend schnell ausbreitete. Nach Angaben der regionalen Feuerwehr wurden bei dem Großbrand rund 500 Hektar Land zerstört. Zwischenzeitlich mussten mehr als 600 Menschen ihre Wohnungen und Campingplätze verlassen. Sie wurden in Turnhallen und Notunterkünften untergebracht.
Lage in Südfrankreich entspannt sich
Mehrere hundert Feuerwehrleute waren im Dauereinsatz, unterstützt von Löschflugzeugen vom Typ Canadair, die immer wieder Wasser aus dem Mittelmeer aufnahmen. Tagsüber hatten die Einsatzkräfte gegen die Flammen gekämpft, nachts suchten sie mit Wärmebildkameras nach versteckten Glutnestern. In der Nacht zum Mittwoch gelang es, die Feuerfront einzudämmen. Am Morgen gab die Präfektur die Straßen in die betroffenen Dörfer wieder frei.
Die Rückkehr der Menschen verlief nach Behördenangaben ohne Zwischenfälle. Viele Bewohner zeigten sich erleichtert, doch der Anblick der zerstörten Landschaft schockierte: Verkohlte Bäume, schwarzgebrannte Hügel und Aschefelder säumten die Straßen. In den Dörfern halfen sich Nachbarn gegenseitig, um die Schäden zu erfassen. Einige Gärten und Obstplantagen wurden durch die Flammen vernichtet, auch mehrere Fahrzeuge und Gartenhütten verbrannten.
Brandursache weiter unklar
Die Polizei hat Ermittlungen zur Brandursache aufgenommen. Nach ersten Erkenntnissen könnte das Feuer durch Funkenflug einer landwirtschaftlichen Maschine oder durch Fahrlässigkeit ausgelöst worden sein. Brandstiftung könne ebenfalls nicht ausgeschlossen werden, hieß es aus Ermittlerkreisen. Zeugen werden gebeten, sich zu melden. Die Ermittler sicherten vor Ort Spuren und befragen Anwohner.
Bereits seit Wochen herrscht in der Region eine ungewöhnlich hohe Waldbrandgefahr. Die Präfektur wies darauf hin, dass die anhaltende Trockenheit und die hohen Temperaturen die Vegetation ausgetrocknet hätten. Für die kommenden Tage wurden erneut Temperaturen von bis zu 40 Grad Celsius vorhergesagt. Die Behörden warnten, dass die Gefahr neuer Brände weiterhin bestehe. In mehreren Departements gilt weiterhin die höchste Waldbrandwarnstufe.
Klimawandel erhöht Risiko deutlich
Experten sehen in den Bränden ein weiteres Symptom des Klimawandels. Die Mittelmeerregion zählt zu den am stärksten betroffenen Gebieten Europas. Untersuchungen zeigen, dass die Zahl der Waldbrände in den letzten Jahren deutlich zugenommen hat. Die Feuerwehrsaison beginnt immer früher und endet immer später. Frankreich hatte erst im vergangenen Jahr verheerende Brände erlebt, bei denen mehr als 20.000 Hektar Land in Flammen aufgingen.
Um das Risiko künftig zu senken, kündigten mehrere Kommunen Schutzmaßnahmen an. Dazu gehören die Anlage von Brandschneisen, die Wiederaufforstung mit weniger brennbaren Baumarten und der verstärkte Einsatz von Drohnen zur Überwachung der Wälder. Auch die Ausrüstung der Feuerwehr soll modernisiert und ihre personelle Aufstockung geprüft werden.
Die Behörden appellierten an die Bevölkerung, in den Wäldern strikt auf offenes Feuer zu verzichten. Zigarettenstummel dürften nicht achtlos weggeworfen werden, auch das Parken auf trockenem Gras sei gefährlich, da heiße Katalysatoren Brände auslösen können. Wer ein Feuer entdeckt, soll sofort die europäische Notrufnummer 112 wählen. Die Feuerwehr steht nach eigenen Angaben weiterhin in erhöhter Alarmbereitschaft.



