In der Debatte über den Umgang der Tour de France mit extremer Hitze hat Radsportstar Tadej Pogačar radikale Veränderungen gefordert. Der Träger des Gelben Trikots schlug eine vollständige Umstellung des Rennkalenders vor, um Fahrer und Fans vor gesundheitlichen Risiken zu schützen. „Wenn ich die Macht hätte, würde ich den gesamten Kalender umstellen und im Juli und August nicht an heißen Orten fahren“, sagte der Slowene nach der neunten Etappe in Ussel. Er betonte: „Ich würde einen völlig anderen Kalender aufstellen, aber das liegt nicht in meiner Macht.“
Historische Streckenverkürzung wegen Hitzewelle
Das Teilstück im Zentralmassiv war zum ersten Mal in der Geschichte der Tour de France wegen der anhaltenden Hitzewelle in Frankreich um 30 Kilometer verkürzt worden. Die Temperaturen erreichten rund 40 Grad Celsius, was die Organisatoren dazu veranlasste, die Strecke zu reduzieren, um die Gesundheit der Fahrer und der Zuschauer an der Straße zu schützen. Diese Maßnahme verdeutlicht die zunehmenden Herausforderungen, denen sich die Rundfahrt aufgrund des Klimawandels stellen muss.
Frühere Startzeiten als mögliche Lösung
Pogačar schlug vor, die Etappen künftig deutlich früher zu starten, um die größte Hitze am Nachmittag zu vermeiden. „Vielleicht besteht der nächste Schritt darin, die Etappen früher zu starten. Gestern gab es einen Vorschlag, um 10 Uhr zu starten, aber das ändert nichts, denn dann kommt man immer noch in der Hitze ins Ziel“, erklärte er. „Man muss um 8 oder 9 Uhr starten, oder sogar noch früher.“ Trotz der extremen Bedingungen hätten sich die Teams gut auf die Temperaturen eingestellt, so der slowenische Fahrer.
Eisbäder und Kühlwesten als akute Maßnahmen
Hinter der Ziellinie in Ussel, die der Niederländer Mathieu van der Poel zuerst überquerte, ließen viele Fahrer ihre Räder noch in Rennschuhen auf der Straße stehen und stiegen in Eisbäder. Einige Teams nutzten Planschbecken und Zinkwannen, um die Körpertemperatur nach dem Rennen zu senken. Zahlreiche Fahrer trugen Kühlwesten oder packten sich Eis ins Trikot, um der Hitze entgegenzuwirken. Diese Maßnahmen zeigen, wie akut die Belastung für die Athleten ist.
Gewerkschaft der Radrennfahrer fordert Anpassungen
Die Radrennfahrergewerkschaft Cyclistes Professionnels Associés (CPA) mahnte ebenfalls Änderungen an. „Die Startzeiten der Sommerrennen müssen angepasst werden, um die Gesundheit der Athleten zu schützen“, teilte sie mit. Für den Winter seien „Gespräche mit allen Beteiligten“ geplant, um vor dem Sommer 2027 eine Lösung zu finden. Die Gewerkschaft unterstrich die Dringlichkeit, die Rennbedingungen an die zunehmende Hitze anzupassen.
Tour-Direktor verweist auf logistische Hürden
Tour-Direktor Christian Prudhomme erklärte, ein früherer Start der Etappe nach Ussel sei aus logistischen Gründen nicht möglich gewesen. „Die Fahrer um 5 Uhr morgens zu wecken, ist selbst dann ziemlich schwierig, wenn das ohnehin schon üblich ist, wegen der Dopingkontrollen“, sagte er. Diese Aussage verdeutlicht die Herausforderungen, einen Kompromiss zwischen Gesundheitsschutz und praktischen Zwängen zu finden. Die Debatte über die Zukunft der Tour de France im Angesicht des Klimawandels wird damit weiter an Fahrt gewinnen.



