Mehrere heftige Waldbrände halten die Einsatzkräfte in Süditalien in Atem. Auf Sardinien musste ein Seniorenheim evakuiert werden, während in Kalabrien ein Großbrand im Pollino-Nationalpark den Bahnverkehr lahmlegte und Hunderte Urlauber strandeten. Auch im Norden, in der Lombardei, löste ein Feuer einen Erdrutsch aus, der 18 Menschen vorübergehend von der Außenwelt abschnitt. Papst Leo XIV. bekundete beim Angelus-Gebet seine Besorgnis und rief zu Gebeten für die Opfer und Einsatzkräfte auf.
Evakuierung eines Seniorenheims auf Sardinien
In der Nähe von Sardiniens Hauptstadt Cagliari wurde ein von Ordensschwestern geführtes Seniorenheim vorsorglich geräumt. Laut Feuerwehr wurden insgesamt zehn Menschen in Sicherheit gebracht: Bewohner, Ordensschwestern sowie Mitglieder einer bereits zuvor evakuierten Familie. Das Feuer hatte sich gefährlich nahe an den Wohnhäusern ausgebreitet, dichter Rauch zog über das Gebiet. Zur Brandbekämpfung waren zwei Löschflugzeuge vom Typ Canadair, ein Super-Puma-Hubschrauber, ein Hubschrauber der italienischen Luftwaffe sowie zwei weitere Löschhubschrauber der Regionalflotte im Einsatz.
Großbrand im Pollino-Nationalpark
Im beliebten Nationalpark Pollino in der Region Kalabrien kämpfen die Einsatzkräfte seit mehr als zwei Tagen gegen einen großflächigen Waldbrand, wie die Feuerwehr mitteilte. Das Feuer erfasst schwer zugängliches Berggelände mit dichter Vegetation und hohem Baumbestand. Nach Angaben von Anwohnern kommt es in der gesamten Bergregion bis in die benachbarte Basilikata bereits seit rund fünf Tagen immer wieder zu Bränden. Die Löscharbeiten werden durch trockene Vegetation und die anhaltend hohen Temperaturen erschwert. Unterstützt werden die Einsatzkräfte von Polizei und lokalen Helfern.
Bahnverkehr unterbrochen: Hunderte Urlauber gestrandet
Ein Waldbrand hatte am Sonntag den Zugverkehr auf einer Nebenstrecke der tyrrhenischen Bahnlinie in der Provinz Vibo Valentia in Kalabrien unterbrochen, Hunderte Reisende strandeten. Das Feuer beschädigte Stromkabel in der Nähe des Bahnhofs, wie die Bahngesellschaft mitteilte. Betroffen waren vor allem Reisende auf dem Weg zu den bekannten Urlaubsorten an der Küste. Besonders angespannt war die Lage im beliebten Urlaubsort Tropea im Herzen Kalabriens: Dort blieb ein Zug im Bahnhof stecken, während zahlreiche Passagiere auf dem Bahnsteig und vor dem Bahnhof auf Informationen über die Wiederaufnahme des Verkehrs warteten.
Erdrutsch in der Lombardei
Auch in der norditalienischen Lombardei hatte ein Vegetationsbrand Folgen: In Premana in der Provinz Lecco am Comer See löste ein Feuer einen Erdrutsch aus, der die Zufahrtsstraße zum Ortsteil Faina blockierte und die Bewohner von der Außenwelt abschnitt. Ein Hubschrauber der Feuerwehr brachte 18 Menschen in Sicherheit, darunter 15 Urlauber und drei Einsatzkräfte, die wegen der Straßensperre eingeschlossen waren, so die Feuerwehr.
Papst zeigt sich besorgt
Papst Leo XIV. beobachtet mit Sorge die Entwicklung der schweren Brände in ganz Europa. Beim Angelus-Gebet am Sonntag bekundete er seine Nähe zu den betroffenen Menschen und rief die Gläubigen dazu auf, für die Opfer sowie für die Einsatzkräfte zu beten, die bei der Bekämpfung der Feuer helfen.
Verschärfte Strafen für Brandstiftung
Sommerbrände sind seit Jahren eine Plage in Italien. Die Regierung in Rom hatte 2023 die Mindeststrafe für vorsätzliche Brandstiftung von vier auf sechs Jahre erhöht. Wer aus Fahrlässigkeit einen Brand verursacht, muss mit zwei Jahren Haft rechnen. Die aktuellen Brände zeigen erneut die Verwundbarkeit des Landes während der sommerlichen Hitzewelle.



