Das Oberlandesgericht (OLG) München hat am Montag ein irakisches Ehepaar wegen der Versklavung jesidischer Mädchen und Mitgliedschaft in der Terrorvereinigung Islamischer Staat (IS) verurteilt. Gegen den Mann Twana H. S. wurde eine lebenslange Freiheitsstrafe verhängt, gegen die Frau Asia R. A. eine Jugendstrafe von neuneinhalb Jahren. Die Urteile ergingen unter anderem wegen Völkermordes, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Das Paar war im April 2024 in Bayern festgenommen worden.
Erschütternde Details des Prozesses
Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die beiden 2015 zwei jesidische Mädchen auf einem Basar im Irak als Sklavinnen kauften und ausbeuteten. Der Mann, der vor seiner Radikalisierung in einer Münchner Moschee als Friseur arbeitete, missbrauchte die Kinder sexuell. Die Frau soll sich eines der Kinder als Brautgabe gewünscht haben. Beide Mädchen wurden zur Hausarbeit gezwungen und misshandelt. Sie mussten islamische Gebete lernen. Ein Mädchen wurde mit heißem Wasser verbrüht, als es nicht gehorchte. Ende 2017 gab das Paar die Mädchen an andere IS-Kämpfer weiter. Das ältere Mädchen wurde 2018 von seiner Familie befreit und sagte im Prozess als Zeugin aus. Von dem anderen Mädchen fehlt bis heute jede Spur.
Anklägerin spricht von „monströser Gewalt“
Die Vertreterin des Generalbundesanwalts erklärte: „Die monströse Gewalt liegt so fern jeglicher Menschlichkeit, dass sie unwirklich erscheint.“ Alles habe dem Ziel des IS gedient, den jesidischen Glauben zu vernichten. Die heute 30-jährige Ehefrau entschuldigte sich im Prozess und sagte in ihrem letzten Wort: „Es tut mir leid.“ Ihr Ehemann äußerte sich vor Gericht nicht.
Hintergrund: Verfolgung der Jesiden
Jesiden sind eine religiöse Minderheit unter den Kurden. Sie leben vor allem im nördlichen Irak, viele sind jedoch vor dem IS geflohen. Auch in Nordsyrien, dem Nordwestiran und der südöstlichen Türkei gibt es jesidische Gemeinden. In Westeuropa, insbesondere in Deutschland, lebt die weltweit größte jesidische Diaspora mit schätzungsweise bis zu 250.000 Personen. Jesiden wurden im Laufe der Jahrhunderte immer wieder verfolgt, sowohl religiös als auch ethnisch. Fundamentalistische Muslime betrachten sie als „ungläubig“.



