Staatsanwaltschaft fordert Höchststrafe
Im Verfahren um die tödliche Amokfahrt über den Magdeburger Weihnachtsmarkt hat die Generalstaatsanwaltschaft eine lebenslange Freiheitsstrafe für den Angeklagten Taleb al-Abdulmohsen (51) beantragt. Der Arzt aus Saudi-Arabien soll am 20. Dezember 2024 mit seinem BMW sechs Menschen getötet und mehr als 300 weitere verletzt haben.
Geplante Tat und grausame Details
Nach Überzeugung der Anklagebehörde plante der 51-Jährige die Tat über einen längeren Zeitraum. Im Fahrzeug fanden Ermittler ein Testament. Oberstaatsanwalt Matthias Böttcher erklärte, die nur etwa eine Minute dauernde Amokfahrt habe „jede menschlich begreifbare Dimension gesprengt“. Das Leid für die Opfer und ihre Familien sei kaum in Worte zu fassen.
Kurz nach 19 Uhr fuhr der Angeklagte am Tattag durch eine Lücke in den Betonabsperrungen auf den Weihnachtsmarkt. Mit seinem BMW raste er teils in Schlangenlinien durch die Menschenmenge und erreichte laut Anklage Geschwindigkeiten von bis zu 48 km/h. Die Besucher seien arg- und wehrlos gewesen und hätten keine Chance gehabt, sich in Sicherheit zu bringen. Allein im ersten Fahrtabschnitt sieht die Staatsanwaltschaft 24 Fälle des versuchten Mordes in Tateinheit mit schwerer Körperverletzung. Im weiteren Verlauf der Fahrt geht die Anklage von insgesamt sechs vollendeten Morden sowie zahlreichen weiteren Fällen von versuchtem Mord und schwerer Körperverletzung aus.
Motiv: Narzisstische Persönlichkeitsstörung
Nach Auffassung der Anklage verfolgte Taleb A. keine ernsthaften ideologischen Ziele. „Es ging und geht dem Angeklagten nur um sich selbst“, sagte Böttcher. Der ehemalige Psychiater habe vor allem Aufmerksamkeit und Anerkennung gesucht. Der psychiatrische Sachverständige attestierte ihm eine narzisstische Persönlichkeitsstörung und stufte ihn weiterhin als gefährlich ein.
Opfer leiden bis heute
Immer wieder erinnerte die Staatsanwaltschaft an das Schicksal der Opfer. Viele leiden bis heute unter schweren körperlichen Verletzungen, Angstzuständen, Panikattacken und Schlafstörungen. Zahlreiche Betroffene meiden noch immer Menschenmengen und kämpfen mit den Folgen des Anschlags.



