Nach Hai-Angriff: Debatte über Keulungen in Australien neu entfacht
Nach Hai-Angriff: Debatte über Keulungen in Australien

Nach einem schweren Hai-Angriff am Coogee Beach in Sydney ist in Australien eine alte Debatte neu entflammt: Sollen Haie gezielt getötet werden, um die Sicherheit von Badegästen zu erhöhen? Eine 35-jährige Frau wurde am Wochenende mutmaßlich von einem Weißen Hai attackiert und lebensgefährlich verletzt. Ihr Bein wurde schwer verletzt, ein Arm musste amputiert werden. Die junge Mutter überlebte, wird aber laut ABC umfassende Pflege und Rehabilitation benötigen.

Häufung von Hai-Angriffen in New South Wales

Der Vorfall ist kein Einzelfall. In den vergangenen Monaten nahm die Zahl der Hai-Angriffe im Bundesstaat New South Wales deutlich zu. Bereits im Januar registrierten die Behörden vier Vorfälle innerhalb von 48 Stunden, was Medien als „außergewöhnliche“ Häufung bezeichneten. Die Regierung steht zunehmend unter Druck, Rufe nach Hai-Keulungen werden wieder lauter.

Regierung schließt Keulungen nicht aus

Landwirtschaftsministerin Tara Moriarty, die auch für das Hai-Management zuständig ist, wollte sich nicht auf ein grundsätzliches Nein zu Keulungen festlegen. „Wir schließen nichts aus“, sagte sie. Diese Aussage entfachte die Debatte neu. Befürworter argumentieren, jeder verhinderte Angriff rechtfertige drastische Maßnahmen. Wissenschaftler und Naturschützer halten dagegen: Haie seien hochmobile Wanderer, getötete Tiere würden rasch durch andere ersetzt. Ein Nachweis, dass Abschuss- oder Fangprogramme Attacken dauerhaft reduzieren, fehle.

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Weißer Hai steht unter strengem Schutz

Die Debatte hat einen Haken: Fachleute gehen davon aus, dass es sich bei dem Angreifer um einen Weißen Hai handelte – und diese Art steht in Australien unter strengem Schutz. Der Regierungschef von New South Wales, Chris Minns, stellte klar, dass eine Keulung nicht infrage komme. Anders verhält es sich bei Bullenhaien, die ebenfalls für Angriffe verantwortlich gemacht werden. Hier schloss Minns Maßnahmen nicht grundsätzlich aus.

Überwachungssystem mit Lücken

New South Wales setzt bislang auf einen Mix aus Hainetzen, SMART-Drumlines, elektronischer Überwachung und Drohnen. Rund 30 Millionen australische Dollar (18,3 Millionen Euro) investiert der Bundesstaat jährlich in den Schutz von Badegästen. Doch der jüngste Angriff wirft Fragen auf: Über Coogee waren am Wochenende keine Überwachungsdrohnen im Einsatz – wegen Flugbeschränkungen durch die Nähe zum Flughafen Sydney. Insgesamt werden rund 80 Strände aus der Luft überwacht, aber oft sind jene in der Anflugschneise ausgenommen.

Drohnen als Zukunft der Strandüberwachung

Steven Pearce, Chef von Surf Life Saving NSW, sieht in Drohnen die Zukunft. „Kristallklares Wasser, kein Surf, kaum Menschen im Wasser. Wenn Drohnen geflogen wären, hätten wir wahrscheinlich viele Meeresbewohner sehen können“, sagte er. Drohnen seien „deutlich besser als Hainetze“, um Tiere früh zu erkennen und Badegäste zu warnen. Seine Organisation betreibt das größte Drohnenüberwachungsprogramm der Welt mit jährlich über 100.000 Flügen.

Veränderte Bedingungen an der Küste

Experten warnen, dass sich die Bedingungen entlang der australischen Küsten verändern. Wärmere Gewässer und veränderte Wanderbewegungen könnten dazu führen, dass Menschen und große Raubfische häufiger aufeinandertreffen. Die Regierung hat zusätzliche Millionen in Haiabwehr investiert, unter anderem in Drohnen, Forschung und Überwachung. Ministerin Moriarty betonte: „Wir teilen den Ozean mit wilden Tieren. Eine perfekte Lösung gibt es nicht.“

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