Der aufgeblähte Kadaver des Buckelwals „Timmy“ wird am Donnerstagnachmittag am Strand der dänischen Insel Anholt obduziert. Zahlreiche Schaulustige und Pressevertreter haben sich bereits eingefunden, um das Geschehen aus sicherer Entfernung zu verfolgen. Die Videonachrichtenagentur News5 überträgt die Arbeiten live.
Vorbereitungen für die Obduktion
Kurz vor dem geplanten Start um 16 Uhr traf ein Traktor mit Anhänger am Obduktionsplatz ein. Auf dem Anhänger befanden sich Leitern, Gummistiefel, Schutzanzüge und eingeschweißte Warnhinweise, die noch am Strand angebracht werden sollen. Zwei große Frontlader mit Baggerschaufeln und schwerem Gerät positionierten sich neben dem Wal. Die Obduktion ist öffentlich zugänglich, Zuschauer müssen jedoch einen ausreichenden Sicherheitsabstand einhalten.
Ablauf der Obduktion
Die Obduktion soll etwa sechs Stunden dauern und spätestens um 22 Uhr beendet sein. Für die Entnahme von Proben ist nur eine Stunde vorgesehen. Der späte Start ergibt sich aus der Ankunft der Transportfähre um 15 Uhr, die die Wal-Experten und Beteiligten auf die Insel bringt. Nach der Untersuchung wird der Kadaver zerteilt und auf die am Strand befindlichen Container verteilt. Der Abtransport der Container wurde jedoch auf unbestimmte Zeit verschoben.
Gefahren durch den aufgeblähten Kadaver
Der durch Faulgase stark aufgeblähte Kadaver birgt Explosionsgefahr. Eine Sprecherin des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund erklärte, dass der Körper bei der Nekropsie kontrolliert entgast wird. Geübte Beteiligte können einen vorsichtigen Schnitt entlang des Rückens oder an der Zunge machen, damit die Gase entweichen können. Das Risiko einer Explosion steigt jedoch mit fortschreitender Verwesung. Zuschauer sollten einen Abstand von mindestens 100 Metern einhalten, da bei einer Explosion Fleischbrocken umherfliegen könnten. Zudem geht von dem Kadaver eine Infektionsgefahr aus, weshalb die Obduktionsteilnehmer Schutzkleidung tragen.
Greenpeace fordert Konsequenzen
Kurz vor der Obduktion äußerte sich die Tieraktivistin Daniela von Schaper von Greenpeace in einem Interview mit News5. Sie betonte, dass die Naturschutzorganisation die Obduktion via Livestream verfolgen werde, insbesondere um die Todesursache zu klären. Von Schaper erklärte: „Diese Geschichte ist etwas, das so nicht mehr passieren darf.“ Sie hofft, dass die Obduktion Aufschluss darüber gibt, ob ein Fischernetz im Magen oder Maul des Wals zu dessen Tod geführt hat. Greenpeace fordert ein Stellnetzverbot in der Ostsee.
Politische Verantwortung
Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) sieht sein Land nicht in der Verantwortung für den Tod des Wals. Er betonte, dass das Land eine Haftungsfreistellung von der privaten Initiative erhalten habe, die den Rettungsversuch durchführte. „Die volle Verantwortung hat diese Initiative übernommen“, sagte Backhaus. Das Land habe die Aktion nur geduldet. Auf dem Hoheitsgebiet Mecklenburg-Vorpommerns sei dem Wal kein Schaden zugefügt worden, was in den Gewässern Schleswig-Holsteins und Dänemarks passiert sei, entziehe sich der Kenntnis des Landes.
Staatsanwaltschaft mit vielen Vorgängen
Der Fall des Buckelwals beschäftigt auch die Staatsanwaltschaft Schwerin. Laut Sprecher Jonas Krüger gibt es inzwischen eine dreistellige Anzahl von Vorgängen mit Wal-Bezug. Darunter sind Anzeigen wegen unterlassener Hilfeleistung sowie Vorwürfe der Tierquälerei im Zusammenhang mit dem Transport. Anzeigen richten sich gegen verschiedene Personen, darunter auch Umweltminister Backhaus und Mitarbeiter des Deutschen Meeresmuseums.
Tracker-Daten und Todesursache
Der US-amerikanische Walexperte Jeffrey Foster, der an der Rettungsaktion beteiligt war, gab bekannt, dass der GPS-Tracker des Wals fast eine Woche lang Signale gesendet habe. Demnach sei der Wal mehr als 150 Meilen (241 Kilometer) vom Freilassungsort gereist und bis zu 150 Meter tief getaucht. Die Daten sollen nun ausgewertet werden, um zu erfahren, wie lange der Wal nach der Freilassung gelebt hat. Die Obduktion soll klären, ob Fischernetze oder andere Faktoren zum Tod des Tieres geführt haben.



