Teppich von Bayeux: Transport nach London sorgt für Besorgnis
Teppich von Bayeux: Transport nach London umstritten

Der berühmte Teppich von Bayeux, ein über 900 Jahre altes Kunstwerk, wird erstmals seit Jahrhunderten wieder in Großbritannien ausgestellt. Die Reise von Frankreich nach London ist jedoch nicht nur logistisch anspruchsvoll, sondern auch umstritten. Das französische Kulturministerium hat nun Details zum Transport bekannt gegeben, der das fragile Werk unbeschadet ins British Museum bringen soll. Dennoch bleiben Fachleute besorgt.

Ein Kunstwerk von unschätzbarem Wert

Der rund 1000 Jahre alte Bildteppich zeigt die Eroberung Englands durch Wilhelm den Eroberer und die Schlacht von Hastings im Jahr 1066. Die UNESCO listet ihn als bedeutendes Objekt der europäischen Geschichte. Normalerweise wird der Teppich im Museum von Bayeux in Frankreich ausgestellt. Während das Museum renoviert wird, ist die Tapisserie ab September im British Museum zu sehen.

Spezialkiste für den Transport

Das Kunstwerk soll in einer eigens konstruierten schwarzen Transportkiste nach London gebracht werden, teilte das Kulturministerium mit. Die Hightech-Box sitzt auf Federn, um Erschütterungen abzufangen, und hält Temperatur und Luftfeuchtigkeit konstant. Zuvor wurden mehrere Probefahrten mit einer detailgetreuen Kopie durchgeführt. Sensoren zeichneten dabei jede Bodenunebenheit, jede Kurve und jeden Bremsvorgang exakt auf, um die Route zu optimieren.

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„Nichts, absolut nichts ist dem Zufall überlassen worden“, sagte Kulturministerin Catherine Pégard laut der französischen Nachrichtenseite „ici“. In der speziell gedämpften Halterung im Inneren des Containers würden alle Vibrationen abgefangen. Der Transport soll im Juli per Lkw durch den Eurotunnel erfolgen. Das genaue Datum bleibt jedoch aus Sicherheitsgründen geheim.

Kritik an der Leihgabe

Unter Fachleuten wächst die Nervosität. Textilrestauratoren und Mitglieder von Kulturvereinen erinnern daran, dass es sich um 1000 Jahre alte Leinen- und Wollfasern handelt, die bereits stark geschwächt seien. Eine Petition gegen den Transport sammelte in Frankreich Zehntausende Unterschriften. Kritiker sprechen von einem unnötigen Risiko für das Kunstwerk.

„Es handelt sich um Textilfasern, die 1000 Jahre alt und äußerst fragil sind“, sagt Julien Lacaze, Pressesprecher des Vereins „Sites et Monuments“, am Donnerstag dem Radiosender Franceinfo. „Es gibt nichts Zerbrechlicheres als ein 1000 Jahre altes Textil. Man hat den Eindruck, es sei in gutem Zustand, aber es ist durchlöchert, abgenutzt, ermüdet. All das ist von allen Restauratoren sehr genau beschrieben worden.“

Schon jetzt ist das Ende des Teppichs beschädigt. Er ist mit großer Wahrscheinlichkeit unvollständig. Einige Wissenschaftler gehen davon aus, dass das Kunstwerk ursprünglich mit einer gestickten Darstellung von Wilhelms Krönung in der Westminster Abbey endete, die am Weihnachtstag des Jahres 1066 stattfand.

Versicherung und Kartenverkauf

Trotz der Kritik bleibt der Zeitplan für die Leihgabe vorerst unverändert. Paris und London verweisen auf umfangreiche Sicherungsmaßnahmen. Die britische Regierung versicherte den Teppich für einen geschätzten Wert von 800 Millionen britischen Pfund, umgerechnet etwa 925 Millionen Euro. Die Police gilt sowohl für den Transport als auch für die Zeit der Präsentation im British Museum, wie die BBC im Dezember 2025 berichtete.

Zahlen und Fakten zum Teppich

  • Der fast 1000 Jahre alte Teppich ist heute etwa 68 Meter lang und schwankt in der Höhe zwischen etwa 50 und 70 Zentimetern.
  • Er besteht aus neun Leinenbahnen, verwendet wurden vier Farbstoffe und fünf Sticksticharten.
  • Dargestellt sind: die Jahre 1065 bis 1066, 627 Figuren, 6 Frauen, 737 Tiere, 23 Bäume und 416 Pflanzen, 37 Schiffe und 33 Gebäude.

Vom 10. September 2026 bis zum 11. Juli 2027 soll der Teppich im British Museum zu sehen sein. Die Tapisserie wird flach ausgebreitet und in einer eigens konzipierten Vitrine ausgestellt – nicht wie bisher vertikal hängend. Der Kartenverkauf beginnt am 1. Juli. Die Preise für Erwachsene liegen zwischen 25 und 33 britischen Pfund (rund 28 bis 38 Euro).

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Digitaler Zugang

Wer nicht so lange warten will, kann das Kunstwerk auf einer Webseite des Musée de la Tapisserie de Bayeux digital erkunden. Einzelne Szenen lassen sich über Nummern auswählen, Betrachter können hinein- und herauszoomen und sich Übersetzungen der lateinischen Inschriften einblenden lassen.

Herkunft und Auftraggeber

Wo der Teppich einst angefertigt wurde, ist nicht abschließend geklärt. Historiker haben diverse Orte auf beiden Seiten des Ärmelkanals vorgeschlagen. Die meisten Fachleute gehen heute davon aus, dass der Teppich in England entstanden ist, vermutlich in oder um Canterbury. Dafür spricht der Einfluss bestimmter Handschriften auf das Design, die in den Klosterbibliotheken von Canterbury hergestellt wurden oder sich dort befanden.

Auch die Auftraggeber sind unbekannt. Mögliche Kandidaten sind Mathilda, die Ehefrau Wilhelms des Eroberers, Edith, die Königin des englischen Königs Eduard, sowie die Mönche des Augustinerklosters in Canterbury. Die meisten Historiker gehen jedoch davon aus, dass Wilhelms Halbbruder, Bischof Odo von Bayeux, beteiligt war – „vor allem, weil er in der Bildsprache des Teppichs so prominent erscheint“, wie es auf der Website des British Museum heißt.