Die US-Einwanderungsbehörde ICE hat Mitte Juli den äthiopischstämmigen Dozenten Berhanu Kibret am Flughafen Dallas Fort Worth in Texas festgenommen. Der Pharmazieprofessor der Universität Maryland (UMD) war auf dem Rückweg von einer Fachkonferenz, wo er als „Lehrer des Jahres“ ausgezeichnet worden war. Die Hochschule zeigt sich „zutiefst besorgt“ über die Inhaftierung.
Festnahme nach Auszeichnung
Laut einem Bericht von „CBS News“ wurde Kibret am 21. Juli festgenommen, als er von der Jahrestagung des Amerikanischen Verbandes der Pharmaziehochschulen zurückkehrte. Die Universität Maryland bestätigte, dass Kibret dort die Ehrung „Lehrer des Jahres“ erhalten hatte. Die Festnahme erfolgte, obwohl der Dozent laut UMD über eine gültige Arbeitserlaubnis verfügt.
Die Hochschule hofft, „dass alle Probleme im Zusammenhang mit seinem Status schnell gelöst werden und dass ihm gestattet wird, seine Arbeit an der University of Maryland School of Pharmacy fortzusetzen“. Man sei „zutiefst besorgt“ über die Situation des geschätzten Kollegen.
Vorwürfe des Heimatschutzministeriums
Das US-Heimatschutzministerium (DHS) wirft Kibret vor, sich illegal in den USA aufzuhalten. Demnach reiste er am 21. Juni 2021 mit einem Visum ein, das am 31. Mai 2024 ablief. „Entgegen den Gesetzen unseres Landes hielt er sich über die Gültigkeitsdauer seines Visums hinaus im Land auf und reiste nicht aus“, teilte das DHS dem US-Sender mit.
Der Dozent soll „bis zum Abschluss seines Einwanderungsverfahrens in ICE-Gewahrsam“ bleiben. Da er bereits am 21. Juli festgenommen wurde, befindet sich Kibret seit etwa zwei Wochen in Haft. Unklar ist, wo er inhaftiert ist, da die Datenbank der Einwanderungsbehörde ICE bei einer Suche des Tagesspiegels keine Ergebnisse zu ihm lieferte.
Forschung zu Suchterkrankungen
Laut Hochschule ist der Dozent seit 2023 ein „hochgeschätztes Mitglied der Universitätsgemeinschaft“ sowie ein „engagierter und beliebter Dozent und ein hoch angesehener Kollege“. Die Inhaftierung Kibrets habe „nicht nur großes Mitgefühl für seine Situation hervorgerufen, sondern auch eine erhöhte Besorgnis hier auf dem Campus“.
Die Forschung Kibrets befasse sich der Erklärung der Uni zufolge mit den Ursachen und der Behandlung von Suchterkrankungen. Seine Arbeit sei von großer Bedeutung für die pharmazeutische Wissenschaft.
ICE-Einsatz an Flughäfen
US-Präsident Donald Trump hatte Mitte März 2026 den Einsatz von ICE-Beamten an US-Flughäfen angekündigt. Ursprünglich sollten sie Sicherheitskontrollen von Passagieren durch die Transportation Security Administration (TSA) unterstützen. Die TSA-Beamten wurden wegen einer zeitweisen Haushaltsperre des DHS seit Mitte Februar nicht bezahlt.
Viele von ihnen meldeten sich daraufhin krank, was zu massiven Problemen bei den Kontrollen und stundenlangen Wartezeiten führte. Unklar blieb, wie lange der Einsatz der ICE-Beamten an den US-Flughäfen dauern soll. Ende März unterschrieb Trump eine Anordnung, die TSA-Beamten trotz der Haushaltsperre zu bezahlen.
Kritik an Festnahmen
Ende April 2026 endete der teilweise Shutdown. Beendet ist der Einsatz von ICE-Beamten aber offenbar nicht. CBS berichtete erst kürzlich von einer verstärkten Zusammenarbeit zwischen ICE und TSA. Die gemeinnützige Rechtsschutzorganisation Amica Center for Immigrant Rights sieht laut dem CBS-Bericht ein Muster bei Festnahmen von Einwanderern an US-Flughäfen.
„Sie sind leichte Beute für ICE“, wird die Anwältin Kelly Rojas zitiert. Diese Aussage verdeutlicht die Kritik an der Praxis, Einwanderer an Flughäfen festzunehmen, selbst wenn sie wie Kibret eine gültige Arbeitserlaubnis besitzen.



