Hafenverbot für LGBTQ-Kreuzfahrtschiff in der Türkei
Die Türkei hat einem Kreuzfahrtschiff mit überwiegend LGBTQ-Passagieren das Anlegen im Hafen von Kuşadası verboten. Das Schiff „Odyssey“ der Reederei Atlantis Events sollte am 25. Juni 2024 in der ägäischen Hafenstadt anlegen, wurde jedoch von den lokalen Behörden abgewiesen. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf das Unternehmen.
Die Reederei bestätigte, dass das Schiff umgeleitet wurde und stattdessen im griechischen Hafen von Piräus bei Athen anlegen wird. Die Passagiere wurden über die Änderung informiert. Die genauen Gründe für das Verbot nannten die türkischen Behörden zunächst nicht, jedoch wird ein Zusammenhang mit der LGBTQ-feindlichen Haltung der türkischen Regierung vermutet.
Hintergrund: LGBTQ-Rechte in der Türkei
In der Türkei sind Homosexualität und LGBTQ-Rechte ein sensibles Thema. Die Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat wiederholt LGBTQ-Veranstaltungen verboten oder erschwert. So wurden Pride-Paraden in Istanbul und anderen Städten in den letzten Jahren regelmäßig untersagt, oft unter Berufung auf Sicherheitsbedenken. Die Regierung bezeichnet LGBTQ-Lebensweisen wiederholt als „unvereinbar mit den Werten der türkischen Gesellschaft“.
Erst im vergangenen Jahr hatte die türkische Rundfunkbehörde RTÜK eine Sendung eines privaten Senders wegen „Verstoßes gegen die öffentliche Moral“ sanktioniert, in der queere Personen zu Wort kamen. Auch die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtet kaum über LGBTQ-Themen oder nur in negativem Kontext.
Auswirkungen für Reisende
Für Reisende, die mit dem Schiff unterwegs sind, bedeutet das Verbot eine Umplanung. Die Reederei Atlantis Events betonte, dass die Sicherheit und das Wohlbefinden der Passagiere oberste Priorität hätten. Man habe sich entschlossen, den Hafen zu wechseln, um den Gästen eine unvergessliche Reise zu ermöglichen, ohne dass sie sich unwohl fühlen müssten.
Laut einer Sprecherin von Atlantis Events reagierte das Unternehmen „mit Bedauern“ auf die Entscheidung der türkischen Behörden. Man hoffe, dass solche Vorfälle in Zukunft vermieden werden könnten, indem man im Vorfeld klarer kommuniziere. Die Reederei bietet seit über 20 Jahren Kreuzfahrten speziell für LGBTQ-Passagiere an und hat in der Vergangenheit mehrfach Häfen im Mittelmeer angelaufen.
Rechtliche und politische Dimension
Das Verbot wirft auch rechtliche Fragen auf. Internationale Schifffahrtsabkommen garantieren in der Regel das Recht auf freie Durchfahrt und das Anlegen in Häfen, sofern keine Sicherheitsbedenken bestehen. Ob die Türkei mit ihrer Entscheidung gegen diese Abkommen verstößt, ist unklar. Die türkischen Behörden haben sich bislang nicht offiziell geäußert.
Politisch könnte der Vorfall die Beziehungen zwischen der Türkei und westlichen Ländern weiter belasten. Die EU und die USA haben die Türkei mehrfach wegen Menschenrechtsverletzungen kritisiert, insbesondere im Hinblick auf die Pressefreiheit und die Behandlung von Minderheiten. Die LGBTQ-Community sieht in dem Verbot ein weiteres Zeichen für die zunehmende Repression.
Reaktionen aus der LGBTQ-Community
LGBTQ-Aktivisten in der Türkei und international zeigten sich empört. „Es ist beschämend, dass die Türkei weiterhin Diskriminierung praktiziert“, sagte ein Sprecher der türkischen LGBTQ-Organisation KAOS GL. „Wir fordern die Regierung auf, das Verbot aufzuheben und die Rechte aller Bürger zu respektieren.“ Auch in den sozialen Medien wurde das Verbot scharf kritisiert. Viele Nutzer riefen zu Boykotten türkischer Urlaubsziele auf.
Die Reisebranche beobachtet die Entwicklungen mit Sorge. „Solche Vorfälle schaden dem Tourismusstandort Türkei“, erklärte ein Sprecher des Deutschen Reiseverbands (DRV). „Viele Reisende legen Wert auf Toleranz und Offenheit. Wenn sie das Gefühl haben, dass sie in einem Land nicht willkommen sind, wählen sie andere Ziele.“ Die Türkei ist ein beliebtes Urlaubsziel für Deutsche, insbesondere für Badeurlauber. Im Jahr 2023 besuchten rund 5,6 Millionen Deutsche das Land.
Zukunftsaussichten und Reisehinweise
Für Reisende, die eine Türkei-Reise planen, ist es ratsam, sich vorab über die aktuelle Situation zu informieren. Das Auswärtige Amt gibt in seinen Reisehinweisen keine spezifischen Warnungen für LGBTQ-Reisende heraus, weist aber allgemein auf die unterschiedlichen gesellschaftlichen Normen hin. Es empfiehlt, sich zurückhaltend zu verhalten und Menschenansammlungen zu meiden, die als politisch provokativ angesehen werden könnten.
Die Reederei Atlantis Events kündigte an, in Zukunft Häfen in Ländern zu meiden, in denen die Sicherheit von LGBTQ-Personen nicht gewährleistet sei. Man werde die Routen entsprechend anpassen. Das Verbot in der Türkei könnte damit langfristig wirtschaftliche Folgen haben, da Kreuzfahrtschiffe wichtige Einnahmequellen für Hafenstädte wie Kuşadası sind.
Bis zu einer Klärung der Lage bleibt die Situation angespannt. Die internationale Gemeinschaft wird die Entwicklung aufmerksam verfolgen, und es bleibt zu hoffen, dass die Türkei ihre Haltung überdenkt und den Dialog mit der LGBTQ-Community sucht. Für die betroffenen Passagiere der „Odyssey“ geht die Reise nun ohne den geplanten Stopp in der Türkei weiter – mit einem Ersatzhafen in Griechenland, der für seine weltoffene Atmosphäre bekannt ist.



