Die Spannungen zwischen den USA und Iran haben eine neue Eskalationsstufe erreicht. Nach einer weiteren Welle gegenseitiger Angriffe verbreiten beide Seiten völlig widersprüchliche Darstellungen zur aktuellen militärischen und politischen Situation. Während staatliche iranische Medien am Donnerstag meldeten, die strategisch wichtige Straße von Hormus sei gesperrt und US-Schiffe seien attackiert worden, dementierte das US-Militär umgehend. Es seien keine US-Kriegsschiffe getroffen worden, teilte das US-Zentralkommando (Centcom) mit. Auch die iranische Behauptung, die Meerenge sei gesperrt, wies das Centcom zurück und erklärte, Handelsschiffe passierten die Meerenge weiterhin.
Widersprüchliche Aussagen auf politischer Ebene
Auch auf politischer Ebene bleiben die Aussagen widersprüchlich: US-Präsident Donald Trump erklärte, er stehe in direktem Kontakt mit der Führung in Teheran und wolle die Angriffe bald stoppen, weil Iran ihn darum gebeten habe. Ein hochrangiger iranischer Regierungsvertreter wies dies als falsche Behauptung und Vorwand Trumps zurück, um einen Krieg zu vermeiden. Am Donnerstagmorgen erklärte das US-Militär, die erneuten Angriffe auf Ziele in Iran seien beendet. Man habe militärische Aufklärungsanlagen, Kommunikationssysteme und Luftverteidigungsstellungen im ganzen Land attackiert, teilte Centcom auf X mit. Sie hätten eine Bedrohung für die US-Streitkräfte und internationale Handelsschiffe dargestellt.
Hintergrund der Krise
Hintergrund der widersprüchlichen Angaben ist das offenbar erneute Scheitern einer brüchigen Waffenruhe, die Anfang April in dem seit vier Monaten andauernden Konflikt vereinbart worden war. Das US-Militär hatte in der Nacht eine neue Reihe von Angriffen auf Ziele in Iran gestartet und dies als „weitere Schläge der Selbstverteidigung“ bezeichnet. Dabei wurden nach Angaben eines Fox-News-Reporters Dutzende Tomahawk-Marschflugkörper abgefeuert. Das nächstgelegene Ziel zur iranischen Hauptstadt Teheran habe wenige Dutzend Kilometer außerhalb der Stadt gelegen.
Irans Drohungen und Gegenangriffe
Iran hatte nach Start der neuen US-Angriffe erklärt, man werde jedes Schiff angreifen, das versuche, die Straße von Hormus zu passieren. Zudem meldete Teheran Gegenattacken auf Ziele in den Golfstaaten Bahrain und Kuwait. Dort befinden sich Stützpunkte der amerikanischen Streitkräfte. Kuwait schloss wegen der iranischen Angriffe vorübergehend seinen Luftraum. Flüge würden umgeleitet, teilte die kuwaitische Zivilluftfahrtbehörde mit. Die Armee des Landes wehre feindliche Angriffe aus der Luft ab. In Bahrain heulten dem dortigen Innenministerium zufolge erneut Warnsirenen.
US-Strategie: „Mit Bomben verhandeln“
US-Verteidigungsminister Pete Hegseth machte die Strategie der Regierung in Washington deutlich: „Wenn wir mit Bomben verhandeln müssen, werden wir mit Bomben verhandeln.“ Es gehe bei den neuen Angriffen nicht darum, wieder mit dem Krieg anzufangen. Stattdessen wolle man dadurch die Bedingungen für eine Vereinbarung festlegen.
Geheime Mission zur Sicherung der Öltransporte
Offenbar um den weltweit angespannten Ölmarkt zu entlasten, hat US-Präsident Trump nach eigenen Angaben eine „geheime Mission“ in der Straße von Hormus gestartet. „Heute freue ich mich, bekannt zu geben, dass diese Bemühungen dazu geführt haben, dass mehr als 100 MILLIONEN Barrel Öl die Straße durchquert haben und auf den freien Markt gelangt sind“, berichtete er auf Truth Social. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) wurden im vergangenen Jahr im Schnitt 20 Millionen Barrel an Rohöl und Ölprodukten pro Tag durch die Meerenge transportiert. Trump schrieb weiter, dass mehr als 200 Handelsschiffe die Meerenge sicher durchquert hätten. Eine unabhängige Bestätigung für seine Angaben gab es zunächst nicht.
Hintergrundberichte zur Koordination
Die „New York Times“ hatte bereits vor etwa anderthalb Wochen unter Berufung auf US-Beamte berichtet, dass US-Streitkräfte dabei geholfen hätten, die Durchfahrt Dutzender Handelsschiffe durch die Straße von Hormus zu koordinieren. In dem Bericht war von etwa 70 Schiffen in den zum damaligen Zeitpunkt zurückliegenden drei Wochen die Rede. Die meisten Schiffe hätten ihre Transponder ausgeschaltet, um bei der Durchfahrt nicht entdeckt zu werden, zitierte die Zeitung US-Beamte.



