Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die Botschafterin in den USA, Olha Stefanischyna, von ihrem Amt entbunden. Das Präsidialamt in Kiew veröffentlichte den entsprechenden Erlass. Stefanischyna, die zuvor Vizeministerpräsidentin war, erklärte auf Facebook, sie habe selbst um ihre Entlassung gebeten. Diese Entscheidung fällt in einer Zeit, in der die Ukraine auf enge Beziehungen zu Washington angewiesen ist.
Hintergründe der Personalie
Bereits Mitte Juli hatte es Berichte über eine mögliche Ablösung gegeben, die mit Selenskyjs jüngster Regierungsumbildung in Verbindung standen. Als Nachfolgerin war die ehemalige Ministerpräsidentin Julia Swyrydenko im Gespräch, die den Posten jedoch Medienberichten zufolge ablehnte. Eine neue Nachfolgeregelung ist bislang nicht bekannt. Sowohl Stefanischyna in Washington als auch Swyrydenko in Kiew hatten einen guten Draht zur Führung von US-Präsident Donald Trump aufgebaut, trotz der wechselhaften Ukraine-Politik der USA. Zuletzt hatte Trump der Ukraine eine Lizenz zum Bau von Patriot-Flugabwehrraketen zugesagt, diese Zusage aber wenig später wieder infrage gestellt.
Selenskyj hofft auf Frieden bis Herbst
Bei einem Treffen mit ukrainischen Botschaftern in Kiew äußerte Selenskyj die Hoffnung, Russland bis zum Herbst so unter Druck zu setzen, dass es einem Ende des Krieges zustimmt. „Wir werden hart daran arbeiten, damit das bis zum Herbst passiert“, sagte er. Er setzt dabei auf eine Kombination aus militärischem Druck, Sanktionen und Diplomatie. Gleichzeitig bereitet sich die Ukraine auf einen weiteren Kriegswinter vor. Selenskyj beauftragte die Diplomaten, technische Unterstützung und Waffen bei ausländischen Partnern zu organisieren: „Jeder Botschafter muss Waffen für die Ukraine auftreiben.“ Als wichtiges Projekt nannte er die gemeinsame Entwicklung des Raketenabwehrsystems Freyja mit europäischen Partnern.
Selenskyj warf dem russischen Präsidenten Wladimir Putin vor, ein Kriegsende hinauszuzögern und eine weitere Mobilisierung vorzubereiten. Beobachter gehen davon aus, dass nach der Parlamentswahl in Russland Mitte September eine neue Mobilisierungswelle folgen könnte.
Drohnen-Technologie als diplomatisches Mittel
Die ukrainische Drohnen-Technologie hat nach Angaben Selenskyjs bereits Abkommen über militärische Zusammenarbeit mit neun Ländern ermöglicht. Mit 15 weiteren Ländern werde derzeit verhandelt, sagte er in seiner Rede vor den Diplomaten. Im Rahmen der geschlossenen Vereinbarungen erhält die Ukraine langfristige Finanzmittel für ihre Rüstungsindustrie, während die Partnerländer neue Verteidigungsfähigkeiten erlangen.
Angriffe und Gegenangriffe
Bei einem russischen Angriff auf eine Tankstelle in der Südostukraine sind mindestens drei Menschen getötet worden, darunter ein achtjähriger Junge. Sechs weitere Personen wurden verletzt, teilte der Chef der Militärverwaltung der Region Dnipropetrowsk, Olexander Hanscha, bei Telegram mit. Die Attacke ereignete sich im Kreis Krywyj Rih und löste ein Feuer aus.
In Südrussland starben drei Menschen durch herabstürzende Drohnen-Trümmer, 13 wurden verletzt. Auch auf der Krim gab es Tote. Die Ukraine griff unter anderem eine Ölraffinerie in Saratow und einen Militärflugplatz an. Russland meldete, 635 ukrainische Drohnen abgewehrt zu haben.
Internationale Reaktionen und Schattenflotte
Die russische Botschaft in Italien beschuldigte die Ukraine nach einem Sprengstoffanschlag in einem Moskauer Restaurant, einen Terrorakt geplant zu haben. Bisher hatte Moskau die Ukraine nicht offiziell beschuldigt. Bei dem Anschlag starben fünf Menschen, 19 wurden verletzt.
Italienische Marinesoldaten kontrollierten im Mittelmeer einen Tanker, der der russischen Schattenflotte zugerechnet wird. Die EU geht mit Sanktionen gegen solche Schiffe vor. Die Frachtraten für russisches Öl sind wegen Sicherheitsrisiken im Schwarzen Meer um etwa 50 Prozent gestiegen, was Moskaus Einnahmen schmälert.
Ausblick
Selenskyj will den Chefunterhändler Rustem Umjerow zum Chef des Auslandsgeheimdienstes ernennen. Der russische Oppositionspolitiker Boris Nadeschdin ist nach Paris geflohen. Die Lage bleibt angespannt, während die Ukraine auf weitere Unterstützung hofft.



