Nach einem russischen Angriff auf ein Warenlager im Osten der Ukraine sind am Wochenende ukrainischen Angaben zufolge Millionen Bücher verbrannt. „Mehr als acht Millionen Bücher wurden in dem Feuer zerstört, darunter Lehrbücher für Kinder“, teilte der Verlag Ranok am Montag in Onlinenetzwerken mit. Es handele sich um „den größten Verlust in der ukrainischen Buchinfrastruktur“ seit Beginn des russischen Angriffskriegs im Februar 2022. Der durch einen Drohnen- und Raketenangriff ausgelöste Brand loderte am Montag immer noch, erklärte der Verlag. „Der Feind versucht, unsere Bildung und Kultur zu verbrennen“, fügte er hinzu. Verlagsdirektor Viktor Kruglow sprach von einem „Angriff auf die ukrainische Bildung und Kultur“.
Feuerwehr im Einsatz in Charkiw
Ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP sah am Samstag, wie Feuerwehrleute versuchten, den Brand in dem Lagerhaus in Charkiw unter Kontrolle zu bringen. Im vergangenen Monat waren durch einen russischen Angriff bereits 800.000 Bücher in einem Warenlager nahe der Hauptstadt Kyjiw zerstört worden. Unter den Büchern waren den Angaben zufolge Werke von George Orwell und Barack Obama. Russland hat während seines Angriffskriegs bereits mehrfach Museen, Galerien, Filmstudios und andere für die Kultur bedeutende Ziele angegriffen.
Selenskyj: Russland bis Herbst unter Druck setzen
An der Front sieht es derweil nicht nach Entspannung aus. Wolodymyr Selenskyj hofft, Russland bis Herbst so unter Druck zu setzen, dass es einem Ende des Krieges zustimmt. Wann genau dies sein werde, lasse sich nicht vorhersagen, sagte er am Montag vor den versammelten Botschaftern der Ukraine in Kyjiw. Ukrainische Drohnenangriffe auf mittlere und lange Distanz, Sanktionen des Auslands und diplomatische Anstrengungen müssten zusammenwirken, „um Russland keine Alternative zu einem Frieden zu lassen“, sagte er. „Wir werden hart daran arbeiten, damit das bis zum Herbst passiert.“
Vorbereitung auf weiteren Kriegswinter
Gleichzeitig richtete sich Selenskyj aber auf einen weiteren Kriegswinter ein. Den Diplomaten seines Landes erteilte er den Auftrag, die notwendige technische Unterstützung und Waffen bei den ausländischen Partnern zu organisieren. „Jeder Botschafter muss Waffen für die Ukraine auftreiben.“ Als wichtiges internationales Projekt der Ukraine nannte er die gemeinsame Entwicklung des Raketenabwehrsystems Freyja mit europäischen Partnern.
Putin zögert Kriegsende hinaus
Selenskyj warf dem russischen Staatschef Wladimir Putin vor, ein Kriegsende hinauszuzögern und eine weitere Mobilisierung vorzubereiten. Ein Abrücken des Kremls von seinen Kriegszielen ist auch nach fast viereinhalb Jahren Großinvasion nicht erkennbar. Hingegen gehen viele Beobachter davon aus, dass auf die Parlamentswahl in Russland Mitte September eine weitere Mobilisierungswelle folgen könnte.
Geheimdienstaktionen laufen aus
Ende Juni hatte der ukrainische Präsident eine 40-tägige Phase von Geheimdienstaktionen angekündigt, um Russland in Richtung Frieden zu bewegen. In diese Zeit fielen unter anderem die spektakulären Angriffe auf Logistikzentren des russischen Onlinehändlers Wildberries. Die 40 Tage laufen an diesem Dienstag ab.



