Trump verkauft Echtzeit-Zugang zu Truth-Social-Posts
Trump verkauft Echtzeit-Zugang zu seinen Truth-Posts

Seit Samstag (Ortszeit) verkauft die Trump Media & Technology Group einen Expresszugang zu den Posts von US-Präsident Donald Trump auf Truth Social. Der Preis: bis zu 100.000 US-Dollar pro Monat. Das Angebot trägt den Namen „Truth API“ und richtet sich explizit an professionelle Marktteilnehmer, die Trumps Mitteilungen in Echtzeit auswerten wollen.

Hintergrund ist die wiederkehrende Marktwirkung von Trumps Beiträgen. Wenn der Präsident wirtschaftspolitische Maßnahmen ankündigt oder ein Unternehmen kommentiert, reagieren Kurse mitunter binnen Sekunden. Für Investoren bedeutet das: Wer die Information zuerst hat, kann daraus Kapital schlagen. Das neue Abo-Modell verspricht genau diesen Vorsprung.

Die Trump Media & Technology Group erklärte, zahlende Abonnenten bekämen „direkten, lizenzierten, Echtzeitzugriff auf die marktbewegenden Truths“. Wie genau die technische Anbindung aussieht, teilte das Unternehmen nicht mit. Offenbar sollen Nutzer über eine Schnittstelle automatisiert auf Inhalte zugreifen können, ohne Umwege über den regulären Feed.

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Kritik: Profit auf Kosten des Amtes?

Die demokratische Senatorin Elizabeth Warren hatte bereits im Vorfeld von einem „ungeheuerlichen Plan, um von der Präsidentschaft zu profitieren“ gesprochen. Sie und andere Kritiker sehen in dem Dienst eine weitere Vermischung von Amtspflichten und privaten Geschäftsinteressen. Trumps Geschäftspraktiken waren schon mehrfach Anlass für Untersuchungen und Aufsehen – auch weil er als Präsident keine Trennung zwischen Politik und eigenen Firmen vornimmt.

Diese Sorge begleitet Trump seit seinem Amtsantritt. Kritiker werfen ihm und seiner Familie vor, sich durch politische Entscheidungen seiner Regierung bereichern zu wollen. Ein Beispiel, das sie regelmäßig anführen, ist die jüngste Offenlegung seiner Finanzen: Dort meldete Trump für das vergangene Jahr Einnahmen von mehr als 1,4 Milliarden Dollar aus den Kryptogeschäften seiner Familie – nachdem diese von Richtlinien profitiert hatten, die er angekündigt hatte.

Truth Social: Trumps exklusives Sprachrohr

Truth Social ist de facto die persönliche Bühne des Präsidenten. Mit Abstand die meisten Follower in seinem eigenen Netzwerk hat Trump selbst: Knapp 13 Millionen Konten folgen ihm dort. Er nutzt die Plattform intensiv, um Ankündigungen zu machen oder seine Meinung zu aktuellen Ereignissen zu teilen – und erzeugt damit weltweit Schlagzeilen.

Für das neue Abo-Modell ist genau diese Exklusivität der Hebel. Je mehr marktrelevante Informationen zunächst über Truth Social und nicht über andere Kanäle verbreitet werden, desto wertvoller wird der direkte Zugang. Das Geschäftsmodell basiert also auf Trumps Fähigkeit, Aufmerksamkeit zu erzeugen – und auf seiner Bereitschaft, diese Aufmerksamkeit zu monetarisieren.

Keine Belege für Insiderhandel

Trumps persönliche Finanzgeschäfte sind indes seit Jahren Gegenstand von Kontroversen. Allein im vergangenen Jahr haben die Vermögensverwalter des US-Präsidenten mehr als 21.000 Börsendeals für ihn durchgeführt. Belege für einen kausalen Zusammenhang zwischen diesen Investmententscheidungen und Trumps Rolle als US-Präsident gibt es nach bisherigem Stand nicht.

Auch die „New York Times“ fand keine Hinweise, dass Trump die Investmententscheidungen seiner Broker beeinflusst habe oder dass diese Insiderinformationen genutzt hätten. Trump selbst bestreitet einen solchen Verdacht zudem. Das neue Abo-Angebot dürfte die Debatte über mögliche Interessenkonflikte jedoch neu anheizen – unabhängig davon, ob sich konkrete Verstöße nachweisen lassen.

Ob sich der Expresszugang tatsächlich durchsetzt, bleibt abzuwarten. Fest steht: Die Trump Media & Technology Group erschließt sich mit dem Modell eine Einnahmequelle, die zuvor Presseagenturen und Finanzdatenanbietern vorbehalten war. Dass ein amtierender US-Präsident seine eigenen Posts per Abo vermarktet, ist ohne Beispiel.

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