BDI warnt vor China-Schock 2.0 für deutsche Industrie
China-Schock 2.0: Deutsche Industrie in Gefahr

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hat in einer neuen Analyse die Lage der deutschen Exportwirtschaft als dramatisch bezeichnet. Der Verband warnt vor einem „China-Schock 2.0“: Chinesische Unternehmen drängen mit aller Macht in die Zukunftsmärkte der Industrie – von der Elektromobilität über die Digitalisierung bis hin zu erneuerbaren Energien. Deutschland drohe den Anschluss zu verlieren, warnt der BDI in seinem jüngsten Bericht.

Ein neues Kapitel der Globalisierung

China hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten von einem Niedriglohnland zu einer Hightech-Nation entwickelt. Die Volksrepublik ist heute nicht mehr nur der wichtigste Handelspartner Deutschlands, sondern zugleich schärfster Rivale. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes exportierte Deutschland im Jahr 2024 Waren im Wert von über 100 Milliarden Euro nach China – deutlich weniger als in den Boomjahren davor. Gleichzeitig steigen die Importe von High-Tech-Gütern aus chinesischer Fertigung, etwa bei Elektroautos oder Batteriezellen.

Der BDI sieht darin kein vorübergehendes Phänomen, sondern eine strukturelle Zäsur. In zahlreichen Branchen hätten chinesische Anbieter die technologische Lücke zu deutschen Herstellern geschlossen. In der Solartechnik sind deutsche Firmen bereits weitgehend verdrängt. Ähnliches drohe nun in der Automobil- und der Maschinenbauindustrie.

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Wachsende Abhängigkeiten und Risiken

Die deutsche Industrie ist in einem Dilemma. Einerseits kann sie auf den chinesischen Markt nicht verzichten, der für viele Unternehmen eine wichtige Absatzquelle darstellt. Andererseits machen die geopolitischen Spannungen und die zunehmende staatliche Einflussnahme in China die Geschäfte riskanter. Lieferketten sind fragiler geworden, und neuartige Exportkontrollen könnten die Rahmenbedingungen weiter verschärfen.

Der BDI fordert deshalb ein entschlossenes Handeln: Die Bundesregierung müsse die heimische Industrie in den Bereichen Forschung und Infrastruktur stärker fördern. Auch der Bürokratieabbau habe oberste Priorität, um Betriebe zu entlasten und Investitionen zu ermöglichen. Ohne eine solche Offensive, so der Verband, werde die deutsche Wirtschaft im globalen Wettbewerb zurückfallen.

Arbeitsplätze und Regionen unter Druck

Besonders hart trifft der Wandel die strukturschwachen Regionen, in denen die Industrie das Rückgrat der Wirtschaft bildet. Werkschließungen und Stellenstreichungen sind in mehreren Bundesländern bereits zu beobachten. Das ifo-Institut und andere Forschungsinstitute warnen vor einem Anstieg der Kurzarbeit, falls sich die Auftragslage weiter eintrübt. Die Exportquote der deutschen Industrie liegt bei über 50 Prozent – ein Rückgang der Ausfuhren hat also unmittelbare Folgen für den Arbeitsmarkt und die Sozialsysteme.

Der BDI verweist in diesem Zusammenhang auf das Potenzial kleiner und mittlerer Unternehmen, die häufig weltweit führend in ihren Nischen sind. Diese Betriebe bräuchten jedoch verlässliche Rahmenbedingungen und internationale Handelsabkommen, die fairen Wettbewerb garantieren. Die EU müsse dabei eine aktivere Rolle spielen, etwa durch strategische Partnerschaften mit anderen Industrienationen.

Was jetzt passieren muss

Der „China-Schock 2.0“ ist nach Einschätzung des BDI nicht allein durch protektionistische Maßnahmen abzuwenden. Stattdessen gelte es, die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Dazu gehörten:

  • Eine Investitionsoffensive für digitale und grüne Technologien
  • Eine Reform der Unternehmenssteuern, um Standortnachteile zu beseitigen
  • Der Ausbau der Forschungsförderung, insbesondere in der Schlüsseltechnologie Künstliche Intelligenz
  • Eine aktive Beschaffungspolitik, die heimische Innovationen honoriert

Gleichzeitig müssten die Handelsbeziehungen zu China auf eine neue Grundlage gestellt werden. Der BDI plädiert dafür, den Dialog fortzuführen, aber rote Linien klar zu benennen. Der Schutz geistigen Eigentums und die Einhaltung internationaler Standards seien notwendige Bedingungen für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit.

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Ein Weckruf für die Politik

Die Analyse des BDI ist in erster Linie ein Weckruf an die politisch Verantwortlichen. Es gehe nicht darum, den Anschluss an China zu suchen, sondern darum, die Zukunftsfähigkeit der deutschen Industrie zu sichern. Die Menschen erwarteten von der Politik konkrete Lösungen, so der Verband. Die Zeiten der einfachen Antworten seien vorbei – gefragt sei eine kluge Außenwirtschaftsstrategie, die Chancen nutzt und Risiken begrenzt.

Ob die Politik diese Botschaft hört, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Der BDI hat seine Erwartungen klar formuliert. Nun liegt es an der Bundesregierung, den Warnungen Taten folgen zu lassen. Die deutsche Industrie ist bereit, ihren Beitrag zu leisten – doch sie braucht die richtigen Rahmenbedingungen, um im globalen Wettbewerb zu bestehen.