Ergophobie: Wenn die Arbeit zur Qual wird – ADHS als Risikofaktor
Ergophobie: Arbeit als Qual – ADHS als Risikofaktor

Was ist Ergophobie?

Der Sonntagabend-Grauen kennt fast jeder: Der Magen zieht sich zusammen beim Gedanken an die neue Arbeitswoche. Meist verschwindet das Gefühl, sobald der Arbeitstag beginnt. Anders bei der Ergophobie, auch Arbeitsplatzphobie genannt. Sie ist ein krankhafter Zustand, der weit über normale Unlust hinausgeht. Betroffene entwickeln eine enorme, oft irrationale Angst, begleitet von körperlichen Reaktionen wie Herzrasen, Zittern, Magen-Darm-Beschwerden, Schweißausbrüchen, Verspannungen, starken Kopfschmerzen, Panikattacken oder Schlafstörungen. Oft reicht bereits der bloße Gedanke an die Arbeit aus, um diese Symptome auszulösen.

Die Folgen sind schwerwiegend: Menschen mit Ergophobie sind häufiger krankgeschrieben, verlieren häufiger ihren Arbeitsplatz und müssen manchmal vorzeitig in Rente gehen. Besonders betroffen sind Menschen mit ADHS, wie die ADHS-Expertin Dr. Astrid Neuy-Lobkowicz erklärt.

ADHS und Ergophobie: Eine häufige Kombination

„Kommt bei ADHSlern sehr häufig vor“, sagt Dr. Neuy-Lobkowicz. Die Reizüberflutung im Büro – ständige Geräusche, Unterbrechungen, Multitasking-Anforderungen – kann bei ADHS-Betroffenen extreme Stressreaktionen auslösen. Die chronische Angst vor der Arbeit entsteht oft aus wiederholten negativen Erfahrungen: Kritik wegen mangelnder Organisation, Konflikte mit Kollegen oder das Gefühl, den Anforderungen nicht gerecht zu werden.

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Die Expertin betont, dass nicht jeder Arbeitsplatz für ADHS-Betroffene geeignet ist. Homeoffice ist nicht immer die Lösung: Zwar entfallen Pendelstress und Bürolärm, dafür fehlt oft die externe Struktur, die viele ADHSler brauchen. „Ohne feste Rahmenbedingungen kann die Prokrastination überhandnehmen“, warnt die Ärztin.

Was Betroffene tun können

Dr. Neuy-Lobkowicz rät zu einer Kombination aus Psychotherapie, Medikation und Arbeitsplatzanpassung. Ergotherapie kann helfen, Strategien gegen Reizüberflutung zu entwickeln. Auch ein offenes Gespräch mit dem Arbeitgeber über die Erkrankung kann sinnvoll sein – etwa um flexible Arbeitszeiten oder einen ruhigeren Arbeitsplatz zu vereinbaren. „Viele Arbeitgeber zeigen sich verständnisvoll, wenn sie über ADHS aufgeklärt sind“, so die Expertin.

Wichtig sei zudem, die Ergophobie frühzeitig zu erkennen und zu behandeln, um Chronifizierung und Berufsunfähigkeit zu vermeiden. Bei anhaltenden Symptomen sollte ein Facharzt für Psychiatrie oder Psychotherapie aufgesucht werden.

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