Kommentar: Ohne Minijobs verlieren Unternehmen Personal und Flexibilität
Minijobs: Unternehmen verlieren Personal und Flexibilität

Kanzler Friedrich Merz (CDU) will mehr Menschen in Beschäftigung bringen. Arbeiten soll sich wieder lohnen – auch für die Rente. Doch mit dem faktischen Aus für Minijobs bewirkt die Regierung das Gegenteil. Von maximal 603 Euro Monatslohn blieben netto nur rund 475 Euro übrig – eine satte Gehaltskürzung von 21 Prozent. Denn Minijobber wären nicht mehr von Abgaben für Sozialversicherungen befreit. Und diese 475 Euro wären noch steuerpflichtig – je nach Familieneinkommen. Nur für Schülerjobs soll alles beim Alten bleiben.

Minijobs als Rückgrat ganzer Branchen

Damit macht die Regierung nicht nur das Arbeiten für knapp sieben Millionen Minijobber unattraktiv – und schürt Frust gegenüber der Politik. Sie gefährdet ganze Branchen, die ohnehin unter Personalnot leiden und in denen viele Betriebe schon insolvenzbedroht sind. Die Verlierer wären Gastgewerbe, Einzelhandel, Pflege und Landwirtschaft.

In der Pandemie sind viele sozialversicherungspflichtig Beschäftigte aus der Gastronomie in andere Branchen abgewandert. Dort lernten sie freie Abende und Wochenenden zu schätzen. Restaurants und Hotels behelfen sich mit immer mehr Minijobbern – diese stellen nun mehr als die Hälfte der Beschäftigten.

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Flexibilität statt Bürokratie

Minijobs bieten Arbeitgebern und Arbeitnehmern eine flexible Lösung: kurzfristige Einsätze, geringe Bürokratie und keine Sozialabgaben für den Arbeitnehmer. Gerade in Saisonbetrieben oder bei Spitzenauslastung sind sie unverzichtbar. Ohne Minijobs müssten viele Betriebe ihre Öffnungszeiten reduzieren oder schließen.

„Jeder Zweite im Gastgewerbe arbeitet als Minijobber“, erklärt Katrin Terpitz in ihrem Kommentar. Die geplanten Einschnitte würden diese Beschäftigten massiv belasten. Statt mehr Menschen in sozialversicherungspflichtige Jobs zu bringen, treibe die Regierung sie aus dem Arbeitsmarkt.

Ein Gewinner: die Schwarzarbeit

Einziger Gewinner der Reform wäre die Schwarzarbeit. Wenn legale Minijobs unattraktiv werden, weichen Arbeitnehmer und Arbeitgeber auf illegale Beschäftigung aus. Das schadet der Sozialkasse und dem Fiskus. Die Regierung sollte stattdessen Anreize für reguläre Beschäftigung schaffen, ohne flexible Arbeitsmodelle zu zerstören.

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