Der Autozulieferer ZF Friedrichshafen muss seinen Vorstand umbauen. Der Chef der Fahrwerkssparte, Peter Holdmann, verlässt das Unternehmen zum 31. August 2026 nach 26 Jahren. Für ihn rückt der 44-jährige Sebastian Schmitt, Leiter der sogenannten E-Division (Elektrifizierte Antriebstechnologien), in den Vorstand auf. Dies gab der Stiftungskonzern am Mittwochabend bekannt. Mit dem Wechsel ist eine neue Aufgabenverteilung verbunden, die die Führungsstruktur des Konzerns neu ordnet.
Neue Ressortverteilung: Schmitt übernimmt E-Division, Miedreich bekommt Fahrwerkstechnik
Sebastian Schmitt wird die E-Division, die in den vergangenen Jahren in schwere Turbulenzen geraten war, weiterhin leiten und künftig auch auf Vorstandsebene verantworten. Bislang war ZF-Gesamtchef Mathias Miedreich im Vorstand für die E-Division zuständig. Miedreich übernimmt nun von Holdmann die Verantwortung für die Fahrwerkstechnik sowie für das Konzernressort Forschung und Entwicklung. Zusätzlich erhält Schmitt die Marktregionen Nord- und Südamerika.
„Sebastian Schmitt kennt die Division Elektrifizierte Antriebstechnologien bestens und hat maßgeblich dazu beigetragen, dass die vereinbarten Restrukturierungsmaßnahmen erste Erfolge zeigen“, sagte Aufsichtsratschef Rolf Breidenbach. „Diesen Weg gelte es fortzusetzen.“
Hintergrund: Milliardenaufträge und tiefrote Zahlen
Die E-Division hatte vor einigen Jahren nicht kostendeckende Milliardenaufträge angenommen, was zu einer schweren Krise führte. In der Hochphase der Spartenkrise im vergangenen Jahr wurde sogar eine Ausgliederung erwogen. Der damalige Vorstandschef Holger Klein scheiterte jedoch am Widerstand der Belegschaft. Sein Nachfolger Mathias Miedreich schrieb 1,6 Milliarden Euro zur Bereinigung der Altlasten ab, was in der Bilanz für 2025 tiefrote Zahlen verursachte. Am Donnerstag legt ZF die aktuellen Halbjahreszahlen vor.
Holdmanns Abschied überrascht
Holdmann, der erst seit zwei Jahren im Vorstand war, strebt aus persönlichen Gründen keine Verlängerung seines Vorstandsvertrags an. Die Trennung geschehe einvernehmlich. Bei der Nachfolge von Holger Klein als ZF-Chef wurde ihm im vergangenen Herbst der deutlich jüngere Mathias Miedreich vorgezogen. Dennoch kommt der Abschied überraschend, weil Holdmann erst in diesem Jahr die Konzernverantwortung für Forschung und Entwicklung übernommen hatte und sein Vertrag noch nicht auslief.
Aufsichtsratschef Breidenbach dankte Holdmann ausdrücklich für dessen Engagement und umsichtige Führung bei der Integration und Weiterentwicklung der Fahrwerkstechnik. Holdmann selbst sagte: „Damit ist ein wichtiger Meilenstein erreicht, der mir die Gewissheit gibt, nach mehr als 26 Jahren bei ZF den richtigen Zeitpunkt für einen neuen beruflichen Abschnitt gewählt zu haben.“
Werdegang von Sebastian Schmitt
Der 1982 in Werneck geborene Schmitt ist Wirtschaftsingenieur (TU Ilmenau) und arbeitet seit rund zwei Jahrzehnten für ZF. Sein beruflicher Werdegang führte ihn in verschiedenen Managementpositionen unter anderem an den mexikanischen ZF-Standort Saltillo sowie als Geschäftsführer ins Getriebewerk Brandenburg. Zum 1. September 2026 steigt er in den Vorstand auf.
Der Umbau im ZF-Vorstand zeigt, wie der Konzern auf die Herausforderungen in der E-Mobilität und die finanzielle Schieflage reagiert. Die Halbjahreszahlen am Donnerstag werden weitere Aufschlüsse über die aktuelle Lage geben.



