Viele Deutsche glauben, dass man Millionen braucht, um von Banken als reich eingestuft zu werden. Doch die Realität sieht anders aus: Bereits ab einem Vermögen von rund 250.000 Euro gelten Kunden bei vielen Geldinstituten als wohlhabend und erhalten Zugang zu exklusiven Dienstleistungen. Das zeigt eine aktuelle Analyse von BILDplus, verfasst von Thomas Reichel und Claudia Mende.
Die Vermögensampel der Banken
Banken haben eine eigene Vermögensampel, die oft nicht mit der öffentlichen Wahrnehmung übereinstimmt. Während die Deutschen laut Umfragen im Durchschnitt ein Vermögen von mehr als einer Million Euro für den Status „reich“ voraussetzen, setzen Institute die Grenze deutlich niedriger an. „Die wenigsten Deutschen wissen, dass Banken bereits ab einem niedrigen sechsstelligen Betrag besondere Konditionen anbieten“, sagt Thomas Reichel im BILDplus-Artikel. So beginnt das Private Banking vielerorts schon bei einem Anlagevermögen von 250.000 Euro – ein Betrag, den beispielsweise viele Eigenheimbesitzer durch Immobilienvermögen oder Altersvorsorge erreichen.
Private Banking: Die exklusive Welt
Mit dem Zugang zum Private Banking eröffnen sich Vorteile, die über einfache Sparprodukte hinausgehen. Kunden erhalten persönliche Beratung, maßgeschneiderte Anlagestrategien und oft bessere Konditionen bei Krediten oder Wertpapiergeschäften. Laut der Studie des Portals besteht die Klientel dabei nicht nur aus Erben oder Spitzenverdienern, sondern zunehmend aus Fachkräften, Unternehmern und Selbstständigen, die über Jahre Vermögen aufgebaut haben. „Es ist ein Missverständnis, dass Private Banking nur für Multimillionäre zugänglich ist“, betont Claudia Mende.
Wie viel Geld ist wirklich nötig?
Die konkrete Schwelle variiert zwischen den Banken. Während traditionelle Häuser wie Deutsche Bank oder Commerzbank oft 500.000 Euro als Minimum ansetzen, locken kleinere Institute oder Online-Banken bereits mit niedrigeren Summen. Entscheidend ist das sogenannte anlagefähige Vermögen – also Bargeld, Aktien, Fonds, aber nicht die selbst genutzte Immobilie. „Wer über liquide Mittel von 250.000 bis 500.000 Euro verfügt, sollte sich bei seiner Bank nach dem Private-Banking-Angebot erkundigen“, rät Thomas Reichel. Oft genügt es, das Vermögen zu bündeln und bei einem Institut zu konzentrieren.
Doch wie steht es um die Deutschen insgesamt? Laut Bundesbank beträgt das durchschnittliche Nettovermögen (inklusive Immobilien) privater Haushalte in Deutschland rund 230.000 Euro. Das Medianvermögen liegt aufgrund der Vermögensungleichheit deutlich niedriger, bei etwa 60.000 Euro. Die oberen 10 Prozent der Haushalte besitzen hingegen ein Nettovermögen von durchschnittlich 1,3 Millionen Euro. „Viele Menschen unterschätzen, dass sie bereits zur vermögenden Mittelschicht gehören, weil sie ihre Ersparnisse, das Eigenheim oder die Betriebsrente nicht richtig bewerten“, erklärt Claudia Mende.
Die Realität der Deutschen
Die Kluft zwischen Wahrnehmung und Realität ist groß: Obwohl viele Bundesbürger sich selbst als Durchschnittsverdiener sehen, verfügen sie oft über mehr Vermögen als vermutet. Immobilienbesitz, betriebliche Altersvorsorge und Lebensversicherungen summieren sich häufig zu einem sechsstelligen Betrag. Die BILDplus-Analyse zeigt, dass bereits ein Kontostand von 100.000 Euro auf dem Tagesgeldkonto oder in Wertpapieren ausreicht, um in die erste Kategorie „vermögend“ aufzusteigen – vorausgesetzt, die Bank erkennt das Potenzial für Cross-Selling und langfristige Kundenbindung.
Abschließend raten die Autoren: Wer seine Finanzen im Blick behält und das Vermögen strategisch bündelt, kann schon mit einem unter Millionen liegenden Betrag von den Vorzügen des Private Banking profitieren. Der Schlüssel liegt darin, die eigenen finanziellen Mittel realistisch einzuschätzen und mit der Bank das Gespräch zu suchen.



