Die staatliche Förderung von Elektroautos hält den Automarkt in Deutschland weiter am Laufen. Im Mai stiegen die Neuzulassungen von Pkw laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) trotz weniger Arbeitstage um 0,1 Prozent auf knapp 240.000 Fahrzeuge. Besonders bemerkenswert: Fast 60.000 davon waren reine Elektroautos (BEV), ein Plus von 39 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Damit erreichten die E-Autos einen Marktanteil von 25 Prozent, wie die Unternehmensberatung EY mitteilte. Dies ist der dritthöchste Wert aller Zeiten.
Verbrenner weiter auf Talfahrt
Während die Elektromobilität boomt, bleibt der Absatz von Autos mit Verbrennungsmotoren rückläufig. Nur noch jeder fünfte Neuwagen fährt ausschließlich mit Benzin. Der Trend zur Elektromobilität wird maßgeblich durch die staatliche Kaufprämie gestützt, die seit Mitte Mai rückwirkend zum Januar beantragt werden kann. Private Käufer mit kleinen und mittleren Einkommen erhalten bis zu 6000 Euro Zuschuss beim Kauf oder Leasing eines elektrischen Neuwagens. Dafür stehen insgesamt drei Milliarden Euro bereit.
Experten warnen vor Strohfeuer
EY-Branchenexperte Constantin Gall sieht jedoch Schattenseiten beim Vormarsch der E-Autos. Der Kaufimpuls durch die Förderung komme vor allem ausländischen Marken zugute, da diese im niedrigeren Preissegment mehr zu bieten hätten als Volkswagen und andere deutsche Hersteller. Er warnte davor, dass die kostspielige Hilfe des Staates sich als Strohfeuer erweisen könnte. „Der Staat und damit die Steuerzahler geben mehrere Milliarden Euro für die Ankurbelung des E-Auto-Absatzes aus, das Ergebnis ist – wie schon bei früheren Förderprogrammen – ein starkes Absatzwachstum bei E-Autos, das genau so lang anhalten wird, wie die Prämie zur Verfügung steht“, so Gall. Sollte die Prämie wegfallen, drohe ein Einbruch der Neuzulassungen, was den gesamten Markt dämpfen würde.
Importeure zufrieden
Der Importeursverband VDIK zeigte sich hingegen mit dem Absatzwachstum zufrieden. Verbandschefin Imelda Labbé erklärte: „Die Nachfrageentwicklung stimmt optimistisch, die Auftragseingänge für BEV haben sich gegenüber dem Vorjahresmonat mehr als verdoppelt.“ Die Förderung scheint also ihre Wirkung zu entfalten, auch wenn die langfristige Nachhaltigkeit fraglich ist.
Tesla und chinesische Hersteller legen zu
Zu den Gewinnern der aktuellen Entwicklung gehört Tesla. Der US-Autobauer setzte im Mai mit gut 5000 Fahrzeugen mehr als dreimal so viele ab wie im Vorjahresmonat. Damit setzt sich die Erholung von der Krise des vergangenen Jahres fort, als das politische Engagement von Firmenchef Elon Musk an der Seite von US-Präsident Donald Trump viele Käufer verprellte. Auch die chinesischen Rivalen BYD und MG kommen beim Erschließen des deutschen Marktes voran. Marktführer VW sowie BMW und Mercedes-Benz erlitten hingegen einstellige Rückgänge. Die kriselnde Sportwagenschmiede Porsche verkaufte am Heimatmarkt sogar 14 Prozent weniger als im Vorjahresmonat.
Die Entwicklung zeigt, dass die staatliche Förderung den Absatz von E-Autos kurzfristig ankurbelt, aber auch strukturelle Probleme offenlegt. Während ausländische Hersteller profitieren, kämpfen deutsche Autobauer mit Rückgängen. Ob die Prämie nachhaltig den Markt verändern kann, bleibt abzuwarten.



