Ölpreise schießen nach Nahost-Eskalation in die Höhe
Die internationalen Ölmärkte reagieren mit heftigen Kursausschlägen auf die jüngste Eskalation des Konflikts im Nahen Osten. Nach Angriffen auf den Iran und Gegenangriffen der iranischen Streitkräfte haben die Preise für Rohöl zunächst kräftig zugelegt, bevor sie sich teilweise wieder beruhigten.
Starke Preissprünge in den frühen Handelsstunden
In der Nacht zum Montag schnellten die Notierungen für die Nordseesorte Brent und für US-Rohöl der Sorte West Texas Intermediate (WTI) in den ersten Handelsminuten jeweils um mehr als zehn Prozent nach oben. Dabei erreichte Brent-Öl mit 82,37 US-Dollar je Barrel den höchsten Stand seit Juli 2024, während US-Öl mit 75,33 Dollar den höchsten Wert seit Juni 2025 markierte.
Zuletzt beruhigten sich die Märkte etwas: Der Preis für Brent-Öl zur Lieferung im April lag nur noch um etwa 7,5 Prozent höher bei 78,05 Dollar je Barrel. US-Öl der Sorte WTI notierte mit einem Plus von mehr als 4 Dollar bei 71,52 Dollar.
Straße von Hormus als neuralgischer Punkt
Die jüngste Eskalation begann am Wochenende, als Israel und die USA den Iran angriffen und dabei unter anderem das Staatsoberhaupt und den Religionsführer Ajatollah Ali Chamenei töteten. Der Iran reagierte mit Gegenangriffen und schränkte außerdem den Schiffsverkehr durch die strategisch wichtige Straße von Hormus ein.
Diese Meerenge am Persischen Golf ist eine der wichtigsten Engstellen des weltweiten Energiehandels: Rund ein Fünftel der globalen Öltransporte passiert täglich diese Route. Jede Störung in dieser Region hat unmittelbare Auswirkungen auf die Energiepreise und kann internationale Märkte erheblich verunsichern.
Opec+ erhöht Produktion als Gegenmaßnahme
Die Staaten des Ölverbunds Opec+, zu dem neben den Opec-Mitgliedern auch wichtige Förderstaaten wie Russland gehören, haben auf einem planmäßigen Treffen am Sonntag beschlossen, die Tagesproduktion zu erhöhen. Damit wollen sie Engpässen und zu starken Preisanstiegen entgegenwirken.
Insgesamt plant Opec+ eine Steigerung der Tagesproduktion um 206.000 Barrel. In der offiziellen Mitteilung nach einer Online-Sitzung wurde der jüngste Krieg im Nahen und Mittleren Osten jedoch mit keinem Wort erwähnt. Stattdessen begründete die Gruppe die Produktionserhöhung mit dem stabilen Ausblick für die globale Wirtschaftsentwicklung und niedrigen Ölvorräten.
Experten warnen vor weiteren Preissteigerungen
Analysten der Deutschen Bank betonen, dass das Ausmaß und das Tempo der weiteren Eskalation in den kommenden Tagen von einer Vielzahl von Faktoren bestimmt werden. Interessanterweise könnten die bereits höheren Ölpreise selbst „eine Deeskalationsdynamik auslösen“, wie Experten vermuten.
Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, geht davon aus, dass der Preis für Brent-Öl im Fall einer längeren Schließung der Straße von Hormus weiter in Richtung der Marke von 100 Dollar steigen könnte. „Bliebe der Ölpreis mehrere Monate so hoch, würde das die Inflation im Euroraum rechnerisch um mehr als einen Prozentpunkt erhöhen und das Wirtschaftswachstum um einige Zehntel Prozentpunkte senken“, warnt Krämer.
Die internationale Gemeinschaft beobachtet die Entwicklung mit großer Sorge, da eine anhaltende Ölpreiskrise erhebliche wirtschaftliche Folgen für die globale Konjunktur haben könnte. Besonders kritisch ist die Lage an der Straße von Hormus, deren Bedeutung für den weltweiten Energiehandel kaum überschätzt werden kann.



