Opec+ beschließt deutliche Erhöhung der Ölförderung
Die Staaten des Ölkartells Opec+ haben in einer Online-Sitzung beschlossen, ihre tägliche Ölproduktion ab April deutlich stärker zu erhöhen als von Marktbeobachtern erwartet. Acht Förderländer, angeführt von Saudi-Arabien und Russland, werden ihre gemeinsame Tagesproduktion um 206.000 Barrel steigern. Jedes Barrel entspricht dabei 159 Litern Rohöl.
Überraschende Entscheidung trotz geopolitischer Spannungen
Interessanterweise erwähnte die Opec+-Kerngruppe in ihrer offiziellen Mitteilung den aktuellen Krieg im Nahen und Mittleren Osten mit keinem Wort. Stattdessen begründete sie die Produktionserhöhung mit dem stabilen Ausblick der globalen Wirtschaftslage und den derzeit niedrigen Ölvorräten in den Lagern der Verbraucherländer.
Diese Entscheidung überrascht Fachleute, denn Analysten der Commerzbank hatten lediglich eine Erhöhung von etwa 137.000 Barrel pro Tag erwartet. Zuletzt hatten dieselben acht Staaten ihr Förderziel im Dezember um genau diese Menge nach oben korrigiert. Ursprünglich war geplant, die Förderung im ersten Quartal 2026 nicht weiter auszuweiten.
Einordnung der Fördersteigerung
Zur Einordnung dieser Zahlen: Die globale Ölproduktion betrug nach aktuellen Angaben der Internationalen Energieagentur zu Jahresbeginn 106,6 Millionen Barrel pro Tag. Die nun beschlossene Erhöhung entspricht somit einem Zuwachs von etwa 0,2 Prozent der weltweiten Tagesproduktion.
Straße von Hormus bleibt kritischer Risikofaktor
Trotz der angekündigten Fördersteigerung bleibt die Lage an der strategisch wichtigen Straße von Hormus ein erhebliches Risiko für die Stabilität der Ölpreise. Durch diese Meeresenge zwischen dem Iran und dem Oman wird täglich rund ein Fünftel aller globalen Öltransporte verschifft.
Eskalation in der Region
Nach Angaben einer iranischen Nachrichtenagentur haben Irans Revolutionsgarden den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus nach Beginn der jüngsten Angriffe auf den Iran bereits eingeschränkt. Zudem meldeten staatliche Stellen aus dem Oman einen Angriff auf einen Öltanker im Bereich dieser lebenswichtigen Schifffahrtsroute.
Wegen der militärischen Auseinandersetzungen zwischen den Vereinigten Staaten, Israel und dem Iran könnten in naher Zukunft erhebliche Liefermengen aus der ölreichen Islamischen Republik wegfallen. Die Opec+-Staaten könnten solche Ausfälle zwar teilweise ausgleichen, doch sie verfügen nicht über genügend freie Produktionskapazitäten, um eine mögliche Blockade der Straße von Hormus vollständig zu kompensieren.
Warnungen der Analysten
Die Analysten der Commerzbank hatten bereits kurz vor Beginn der jüngsten Eskalation gewarnt, dass selbst eine gesteigerte Förderung der Opec+ nicht ausreichen würde, um die Folgen einer solchen Blockade aufzufangen. Diese Einschätzung hat sich durch die aktuellen Entwicklungen weiter verfestigt.
Die beschlossene Produktionserhöhung könnte daher zwar kurzfristig für etwas Entspannung an den Ölmärkten sorgen, langfristig bleibt die Abhängigkeit von der sicheren Passage durch die Straße von Hormus jedoch ein zentraler Unsicherheitsfaktor für die globale Energieversorgung und die Preisentwicklung.



