Nagel: Angemessenes Zinsniveau erreicht
Bundesbankpräsident Joachim Nagel hat sich für eine Zinspause der Europäischen Zentralbank (EZB) im Juli ausgesprochen. „Ich denke, dass wir mit den bisherigen Zinserhöhungen ein angemessenes Niveau erreicht haben“, sagte Nagel in einem Interview mit der „Börsen-Zeitung“. Die EZB hatte den Leitzins zuletzt im Juni um 0,25 Prozentpunkte auf 4,0 Prozent angehoben. Nun plädiert Nagel für eine Pause, um die Wirkung der bisherigen Maßnahmen zu beobachten.
Inflationsrate sinkt, aber Kerninflation bleibt hoch
Die Inflationsrate im Euroraum ist zuletzt auf 5,5 Prozent im Juni gesunken, nach 6,1 Prozent im Mai. Die Kerninflation, die schwankungsanfällige Preise für Energie und Lebensmittel ausklammert, lag bei 5,4 Prozent. Nagel betonte, dass die Geldpolitik weiterhin restriktiv bleiben müsse, um die Inflation nachhaltig zu senken. „Wir sind noch nicht am Ziel, aber die Maßnahmen zeigen Wirkung“, so Nagel.
EZB-Rat wird im Juli über weiteren Kurs entscheiden
Der EZB-Rat tagt am 27. Juli und wird über die weitere geldpolitische Ausrichtung entscheiden. Neben Nagel haben sich auch andere Ratsmitglieder wie der niederländische Notenbankchef Klaas Knot für eine Zinspause ausgesprochen. Allerdings gibt es auch Stimmen, die weitere Zinserhöhungen fordern, um die Inflation endgültig zu besiegen. Die EZB hatte die Zinsen seit Juli 2022 insgesamt achtmal angehoben, um die hohe Inflation zu bekämpfen.
Wirtschaftliche Auswirkungen der Zinspause
Eine Zinspause würde den Banken und Unternehmen eine Verschnaufpause verschaffen, da die Kreditkosten zuletzt stark gestiegen sind. Allerdings könnte eine Pause auch die Inflation wieder anheizen, wenn die Wirtschaft sich schneller erholt als erwartet. Nagel zeigte sich zuversichtlich, dass die EZB den richtigen Kurs findet: „Wir werden datenabhängig entscheiden und gegebenenfalls nachsteuern.“
Experten uneins über weiteren Zinspfad
Ökonomen sind sich uneins, ob die EZB die Zinsen weiter anheben sollte. Während einige eine Pause befürworten, um die Konjunktur nicht zu stark zu belasten, warnen andere vor einer zu frühen Lockerung. Die Inflation in Deutschland lag im Juni bei 6,4 Prozent, im Euroraum bei 5,5 Prozent. Die EZB strebt mittelfristig eine Inflationsrate von zwei Prozent an.



