Das EU-Wiederaufbauprogramm für Italien, das nach der Corona-Pandemie mit fast 200 Milliarden Euro aufgelegt wurde, ist ausgelaufen. Statt eines wirtschaftlichen Aufschwungs hinterlässt es im ganzen Land unvollendete Bauprojekte und Investitionsruinen. Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni steht vor dem Scherbenhaufen einer riskanten Milliardenwette.
Von der Hoffnung zur Enttäuschung
Das Programm, das ursprünglich die italienische Wirtschaft modernisieren und nach der Pandemie wiederbeleben sollte, endete im Juni 2026. Von den bereitgestellten Mitteln wurden laut offiziellen Angaben rund 180 Milliarden Euro abgerufen. Doch ein erheblicher Teil dieser Summe versickert in Projekten, die nie fertiggestellt wurden. In Sizilien, etwa in Raddusa, ragen halbfertige Brücken und verfallene Baustellen in die Landschaft. „Wir haben Geld gesehen, aber keine Ergebnisse“, klagt der örtliche Bürgermeister Giuseppe Ferro. „Die versprochene Modernisierung ist ausgeblieben.“
Systemische Schwächen offengelegt
Die Probleme sind tief in der italienischen Verwaltung verwurzelt. Bürokratische Hürden, Korruption und mangelnde Planung führten dazu, dass viele Projekte nie über die Grundsteinlegung hinauskamen. Ein Bericht des italienischen Rechnungshofs vom Mai 2026 stellte fest, dass bei über 40 Prozent der geförderten Vorhaben die Bauarbeiten eingestellt wurden. „Die EU-Milliarden haben die strukturellen Schwächen Italiens nicht behoben, sondern eher verschärft“, kommentiert der Wirtschaftswissenschaftler Carlo Cottarelli. „Statt nachhaltiger Investitionen entstanden oft nur Betonruinen.“
Politische Konsequenzen für Meloni
Die Regierung Meloni, die das Programm von ihrem Vorgänger übernommen hatte, steht nun unter Druck. Oppositionspolitiker werfen der Ministerpräsidentin vor, die Kontrolle verloren zu haben. „Meloni hat versprochen, die Gelder effizient einzusetzen, aber das Gegenteil ist eingetreten“, sagt Elly Schlein, Vorsitzende der Demokratischen Partei. Meloni selbst verteidigt sich: „Wir haben das Beste aus einer schwierigen Erbschaft gemacht. Viele Projekte waren von Anfang an zum Scheitern verurteilt.“ Die Regierung plant nun, die verbleibenden Mittel umzuleiten und die unvollendeten Baustellen zu liquidieren.
Blick in die Zukunft
Das Ende des Wiederaufbauprogramms hinterlässt eine Lücke von rund 20 Milliarden Euro, die nicht abgerufen wurden. Diese Gelder fließen zurück an die EU. Für Italien bedeutet dies eine verpasste Chance. Die Arbeitslosigkeit, insbesondere im Süden, bleibt hoch, und die Wirtschaft wächst nur schleppend. „Das Programm war gut gemeint, aber schlecht umgesetzt“, resümiert der EU-Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni. „Italien muss nun aus den Fehlern lernen und eigene Reformen vorantreiben.“



