Bürokratieabbau: Schwarz-rote Bilanz ist negativ
Bürokratieabbau: Schwarz-rote Bilanz negativ

Entlastungskabinett beschließt Maßnahmen – doch die Wirkung bleibt aus

Bürger und Unternehmen zu entlasten und die Wirtschaft dank weniger Bürokratie anzukurbeln – das war eines der Versprechen, mit denen die schwarz-rote Koalition angetreten ist. Nun verkündet die Regierung angebliche Milliarden-Entlastungen. Doch insgesamt ist die Bilanz negativ. Mit den Beschlüssen des sogenannten Entlastungskabinetts schreitet der versprochene Bürokratieabbau zwar voran, aber die Erfolgsmeldungen sind eine Illusion.

Im Alltag werden Bürger etwa an künftig fehlenden Aufklebern an Kaffeemaschinen und Elektroautos erkennen, dass Vorschriften wegfallen. So entfällt die Pflicht, alle Elektrogeräte in Betriebsstätten zu überprüfen und mit Prüfplaketten zu versehen. Auch Elektroautos müssen keine Umweltplaketten mehr tragen. Solche Regelungen zu streichen, ist sinnvoll, ebenso wie die Digitalisierung des Gesundheitswesens voranzutreiben und Berichtspflichten für Unternehmen einzuschränken. Jede Regel ohne Nutzen schadet durch den Frust, den das Befolgen sinnfreier Vorschriften erzeugt.

Entlastungen von 600 Millionen Euro pro Jahr – ein Tropfen auf den heißen Stein

Die nun beschlossenen Reformen sollen laut dem federführenden Digitalministerium Entlastungen von 600 Millionen Euro im Jahr bringen. Zum Vergleich: Die jährliche Wirtschaftsleistung Deutschlands belief sich 2025 auf knapp 4,5 Billionen Euro. Auf Deutschlands rund 3,5 Millionen Unternehmen verteilt bleiben nicht einmal 200 Euro pro Firma im Jahr – zumal auch die 84 Millionen Einwohner als Privatpersonen profitieren sollen.

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Digitalminister Carsten Wildberger weist zu Recht darauf hin, dass die heutigen Beschlüsse zu bereits umgesetzten Maßnahmen hinzukommen. Insgesamt, so rechnet er vor, summierten sich die Entlastungen nun auf etwas mehr als zehn Milliarden Euro. Eine auf den ersten Blick beeindruckende Zahl – wenn auch kein Gamechanger für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft.

Heizungsgesetz: Rechnung der Regierung ist fragwürdig

Auf den zweiten Blick offenbart sich jedoch, dass die Rechnung der Bundesregierung fragwürdig ist: Den mit Abstand größten Teil an der angeblichen Gesamtentlastung macht das neue Gebäudemodernisierungsgesetz aus. Der damit ermöglichte Weiterbetrieb und Neueinbau von Öl- und Gasheizungen soll Hausbesitzern Kosten von sieben Milliarden Euro für die Umrüstung ihrer Immobilien ersparen. Einfach weggelassen in seiner Bilanz hat das Ministerium allerdings die zu erwartenden Zusatzkosten. Denn das neue Gesetz sieht auch vor, dass entsprechende Heizungen künftig mit einem steigenden Anteil von Grüngas oder Bio-Öl betrieben werden müssen. Das könnte Experten zufolge teuer werden. Diese Kosten könnten allerdings „aufgrund der Unsicherheiten mit Blick auf die künftigen Preise biogener Brennstoffe aktuell nicht beziffert werden“, heißt es vom Ministerium.

Netto steigen die Belastungen – Rentenreform übertrumpft alle Entlastungen

Was noch schwerer wiegt: Netto steigt die finanzielle Belastung von Unternehmen und Bürgern unter Schwarz-Rot weiter. Selbst wenn man die Zahlen der Regierung zum Bürokratieabbau für bare Münze nimmt und andere Vorhaben wie die noch nicht in Gesetzesform gegossene Einkommenssteuerreform mit einer angestrebten Entlastung von zehn Milliarden Euro hinzurechnet, reicht das nicht, um die steigenden Belastungen an anderer Stelle insbesondere durch die Sozialversicherung auszugleichen. Allein die anvisierte Rentenreform wird den Beitragssatz um zwei Prozent erhöhen, was einer zusätzlichen Gesamtbelastung von mehr als 30 Milliarden Euro entspricht und alle möglichen Entbürokratisierungserfolge in den Schatten stellt.

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