Berlin erlebt einen nie dagewesenen Investitionsboom: Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Berlin Partner hat im ersten Halbjahr 2026 Rekordinvestitionen in Höhe von 2,3 Milliarden Euro in Start-ups und Technologieunternehmen vermittelt. Das teilte die landeseigene Gesellschaft am Mittwoch mit. „Unser Kurs wirkt“, sagte Geschäftsführer Stefan Franzke. Die Summe übertrifft den bisherigen Rekord aus dem gesamten Jahr 2023 um fast das Doppelte.
Höchster Wert in der Geschichte der Wirtschaftsförderung
Noch nie konnte Berlin Partner in einem Halbjahr so viel Kapital in die Stadt holen. Die Investitionen stammen sowohl von internationalen Konzernen als auch von Risikokapitalgebern. Ein herausragendes Beispiel ist der niederländische Chip-Ausrüster ASML, der seine Aktivitäten in Berlin massiv ausbaut. ASML investiert in eine neue Forschungs- und Entwicklungszentrale im Stadtteil Adlershof, wo rund 500 hochqualifizierte Arbeitsplätze entstehen sollen.
Neben ASML haben auch andere Technologieunternehmen wie der US-Cloud-Dienstleister Salesforce und das deutsche KI-Start-up Nyris größere Investitionszusagen gemacht. Insgesamt wurden 47 neue Ansiedlungen und Erweiterungen registriert, die zusammen rund 1.800 neue Arbeitsplätze versprechen. „Die Zahl der neuen Arbeitsplätze hält dabei nicht mit dem Investitionsvolumen Schritt“, räumte Franzke ein. Die durchschnittliche Investition pro neuem Arbeitsplatz liegt bei etwa 1,3 Millionen Euro.
Fokus auf Zukunftsbranchen
Berlin Partner konzentriert sich bei der Akquise auf sechs Zukunftsbranchen: Informations- und Kommunikationstechnologie, Gesundheitswirtschaft, Energietechnik, Mobilität, Optik und Photonik sowie Kreativwirtschaft. In diesen Bereichen seien die Investitionen besonders wachstumsstark, erklärte Franzke. Die Wirtschaftsförderung arbeitet dabei eng mit der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe zusammen, die zusätzliche Anreize wie beschleunigte Genehmigungsverfahren und günstige Gewerbeflächen bietet.
Der Erfolg der Wirtschaftsförderung ist auch ein Erfolg der Standortpolitik des rot-grün-roten Senats, der Berlin als Innovationsstandort profiliert hat. Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) zeigte sich erfreut: „Die Rekordinvestitionen zeigen, dass Berlin als Technologiestandort international immer attraktiver wird. Wir werden diesen Kurs fortsetzen und die Rahmenbedingungen weiter verbessern.“
Kritik an mangelnder Arbeitsplatzwirkung
Trotz der beeindruckenden Investitionssummen bleibt die Arbeitsplatzentwicklung hinter den Erwartungen zurück. Die oppositionelle CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus kritisierte, dass die Investitionen vor allem in kapitalintensive Anlagen und weniger in personalintensive Bereiche flössen. „Die Wirtschaftsförderung muss stärker darauf achten, dass die Investitionen auch zu mehr Beschäftigung führen“, forderte der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU, Christian Gräff. Berlin habe weiterhin eine der höchsten Arbeitslosenquoten im Bundesvergleich, und die neuen Arbeitsplätze reichten nicht aus, um dies zu ändern.
Franzke entgegnete, dass die Struktur der Investitionen der Spezialisierung Berlins auf forschungsintensive Branchen geschuldet sei. „Wir können nicht erwarten, dass ein Chip-Hersteller wie ASML Tausende einfache Arbeitsplätze schafft. Die Wertschöpfung liegt in der Forschung und Entwicklung, und diese Arbeitsplätze sind hochproduktiv und zukunftssicher.“ Zudem profitierten auch Zulieferer und Dienstleister von den Ansiedlungen, was indirekt weitere Jobs schaffe.
Ausblick auf zweites Halbjahr
Für das zweite Halbjahr 2026 erwartet Berlin Partner eine ähnlich hohe Investitionsdynamik. Mehrere Großprojekte seien in der Pipeline, darunter ein weiteres Forschungszentrum eines internationalen Pharmakonzerns und die Expansion eines US-amerikanischen Softwareunternehmens. Die Wirtschaftsförderung peilt für das Gesamtjahr ein Investitionsvolumen von über 4 Milliarden Euro an, was einen neuen Jahresrekord bedeuten würde.
Die Stadt profitiert dabei von ihrer internationalen Sichtbarkeit als Gründermetropole und der hohen Lebensqualität, die Fachkräfte anzieht. Allerdings mahnen Experten, dass die Infrastruktur – von Wohnraum über Verkehr bis zu Kitas – mit dem Wachstum Schritt halten müsse, um den Standort langfristig attraktiv zu halten.



