Die krisengebeutelte Deutsche Bahn hat im ersten Halbjahr 2026 überraschend schwarze Zahlen im Kernbereich geschrieben – zum ersten Mal seit sieben Jahren. Nach übereinstimmenden Medienberichten von „Bild“ und „Spiegel“ erzielte der bundeseigene Konzern von Januar bis Juni einen Gewinn im dreistelligen Millionenbereich. Offiziell bestätigt wird dies voraussichtlich am Vormittag, wenn Bahnchefin Evelyn Palla die Halbjahresbilanz vorstellt. Das Unternehmen selbst hielt sich auf Nachfrage noch bedeckt.
Fahrgastrekord dank stabiler Preise
Ein wesentlicher Treiber des Erfolgs ist die Entwicklung bei den Fahrgastzahlen. Im ersten Halbjahr 2026 zählte die Bahn rund 960 Millionen Fahrgäste – das sind 17 Millionen mehr als im Vorjahr und ein neuer Rekord. Als Hauptgrund nennt die Bahn die gestiegenen Kraftstoffpreise. Viele Pendler im Nahverkehr seien aufgrund der teureren Benzinpreise vom Auto auf die Bahn umgestiegen, so die Einschätzung des Unternehmens. Während Benzin in den vergangenen Monaten immer teurer wurde, blieben die Bahnpreise stabil. Auch im Fernverkehr legte die Nachfrage seit April deutlich zu.
Die neuen Rabattangebote der Bahn dürften die Nachfrage zusätzlich angekurbelt haben. Das Last-Minute-Ticket nutzten 600.000 Fahrgäste, das Familienticket 200.000 Reisende. Die kostenlose Jugend-Bahncard 25 wurde rund 50.000 Mal bestellt.
Vom Milliardenverlust zur Trendwende
Der positive Trend steht im Kontrast zur jüngeren Vergangenheit. 2025 hatte die Bahn unter dem Strich einen Milliardenverlust eingefahren. Neben schwacher Pünktlichkeitsquote und maroder Infrastruktur belasteten auch die schwachen Geschäftszahlen den Konzern. Bahnchefin Evelyn Palla leitete daraufhin einen umfangreichen Konzernumbau ein, der Sparmaßnahmen und Stellenstreichungen umfasst. Im Fernverkehr läuft ein eigenes Sanierungsprogramm. Der nun erzielte Gewinn im Kerngeschäft könnte ein Signal für eine Trendwende sein, auch wenn die Herausforderungen weiterhin groß bleiben.
Ausblick und offene Fragen
Mit der Vorlage der Halbjahreszahlen wird Palla heute auch einen Ausblick auf die zweite Jahreshälfte geben. Analysten erwarten, dass der Fahrgastrekord und die positive Ergebnisentwicklung anhalten könnten, sofern die Kraftstoffpreise hoch bleiben. Allerdings mahnen Kritiker, dass die strukturellen Probleme der Bahn – wie die Sanierung des Schienennetzes und die Pünktlichkeit – noch nicht gelöst seien. Der Gewinn im ersten Halbjahr sei ein erster Schritt, aber noch kein Garant für eine nachhaltige Erholung.



