Die großen US-Banken haben im zweiten Quartal 2024 überraschend hohe Gewinne eingefahren. Grund dafür sind sprudelnde Einnahmen aus Zinsen und dem Wertpapierhandel. Die größte US-Bank JPMorgan Chase erzielte dank einer Sonderbeteiligung am Kreditkartenanbieter Visa sogar den höchsten Quartalsgewinn ihrer Geschichte. Auch Goldman Sachs, Wells Fargo, Citigroup und Bank of America übertrafen die Erwartungen der Analysten deutlich.
JPMorgan Chase: Rekordgewinn durch Visa-Umtausch
JPMorgan profitierte im zweiten Quartal von starken Einnahmen in fast allen Geschäftsfeldern. Zusätzlich strich die Bank einen Sondergewinn aus ihrer jahrzehntealten Beteiligung an Visa ein. Durch den Umtausch ihrer bisherigen Papiere in andere Aktientypen des Zahlungskonzerns erzielte JPMorgan einen Gewinn von 4,6 Milliarden Dollar. Insgesamt sprang der Quartalsüberschuss im Jahresvergleich um 41 Prozent auf knapp 21,2 Milliarden US-Dollar (18,6 Milliarden Euro). Auch ohne diesen Sonderposten hätte die Bank die Analystenprognosen übertroffen.
Bankchef Jamie Dimon sieht zudem Effizienzgewinne durch den Einsatz Künstlicher Intelligenz: In einigen Positionen habe die Bank dank KI bis zu 40 Prozent der Arbeitsplätze abbauen können, sagte er vor Analysten.
Goldman Sachs: Gewinnsprung um 78 Prozent
Die Investmentbank Goldman Sachs verzeichnete einen Boom im Handel mit Aktien und Anleihen. Der Gewinn stieg im zweiten Quartal um 78 Prozent auf 6,6 Milliarden Dollar. Die gesamten Erträge der Bank wuchsen um 39 Prozent auf 20,3 Milliarden Dollar. Im Aktienhandel sprangen die Einnahmen um mehr als 70 Prozent, im Handel mit Anleihen, Währungen und Rohstoffen betrug der Anstieg knapp ein Drittel. Die Gebühreneinnahmen aus der Beratung bei Börsengängen und anderen Kapitalmaßnahmen stiegen um mehr als die Hälfte, der Zinsüberschuss legte um gut ein Viertel zu.
Citigroup: Sparkurs zahlt sich aus
Die Citigroup übertraf die Erwartungen deutlich. Bankchefin Jane Fraser hatte einen harten Sparkurs verordnet, der nun Früchte trägt. Die Erträge stiegen um 14 Prozent auf 24,8 Milliarden Dollar. Allein der Aktienhandel brachte rund 45 Prozent mehr Einnahmen als ein Jahr zuvor. Da die Kosten nur um 5 Prozent wuchsen und faule Kredite weniger teuer zu Buche schlugen, sprang der Überschuss um 45 Prozent auf 5,8 Milliarden Dollar.
Bank of America und Wells Fargo legen zu
Bei der Bank of America legten die Erträge um rund 15 Prozent auf 31,6 Milliarden Dollar zu. Im Aktienhandel wuchsen sie sogar um 70 Prozent. Die Bank legte weniger Geld für drohende Kreditausfälle zurück, der Überschuss wuchs um rund ein Viertel auf 9,1 Milliarden Dollar. Auch die Großbank Wells Fargo profitierte von ihrem Investmentbanking. Mit einem Gewinn von 6,4 Milliarden Dollar im zweiten Quartal verdiente sie rund 17 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Erträge wuchsen um neun Prozent auf 22,6 Milliarden Dollar. „Wir profitieren eindeutig von der breit angelegten wirtschaftlichen Stärke in den USA“, sagte Bankchef Charlie Scharf.



