AOK Hessen: Rekordverdächtige Hinweise auf Abrechnungsbetrug im Gesundheitswesen
AOK Hessen: Rekord bei Abrechnungsbetrug-Hinweisen

Höchststand an Betrugshinweisen bei der AOK Hessen

Die AOK Hessen hat in den Jahren 2024 und 2025 so viele Hinweise auf Abrechnungsbetrug erhalten wie nie zuvor. Insgesamt gingen 1.232 Meldungen ein, wie aus dem Tätigkeitsbericht der Stelle zur Bekämpfung von Fehlverhalten hervorgeht. Dies entspricht einem Anstieg von zehn Prozent im Vergleich zum vorherigen Zwei-Jahres-Zeitraum. Besonders häufig sind Betrugsfälle in der Pflegeversicherung und der häuslichen Krankenpflege.

Betrugsmethoden: Luftleistungen und Urkundenfälschung

Laut AOK Hessen haben sich die Betrugsmechaniken in den vergangenen Jahren kaum verändert. Am häufigsten kommen Luftleistungen und Doppelabrechnungen vor, aber auch Urkundenfälschung, etwa bei Rezepten, ist weit verbreitet. Neu ist jedoch das Ausmaß der Fälle. Die Zahl der Strafanzeigen stieg um 24 Prozent auf 195 Anzeigen. Die Kasse geht von gesicherten Forderungen in Höhe von rund 4,8 Millionen Euro aus – ein Plus von 45 Prozent gegenüber 2022/23.

Verhinderungspflege als Einfallstor für Betrug

Ein besonders anfälliger Bereich ist die sogenannte Verhinderungspflege, bei der pflegende Angehörige vertreten werden können. Da der Zugang bewusst niedrigschwellig gestaltet ist, wird sie häufig missbraucht. So rechnete eine bei einem Pflegedienst angestellte Frau in 33 Fällen Verhinderungspflege ab, ohne die Leistung erbracht zu haben. Dabei nutzte sie ihre Kontakte zu Pflegebedürftigen. Auch ihr Enkel, der beim gleichen Dienst arbeitete, war beteiligt. Die AOK fordert 72.000 Euro zurück. Die Frau wurde zu 22 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt und verlor ihren Job.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Weitere dreiste Fälle: Therapie nur auf dem Papier

Ein bundesweit tätiger Lieferant für Verbandmittel ließ blanko unterschriebene Rezepte nachträglich selbst bedrucken und löste damit Bestellungen aus. Die Fälschung fiel auf, weil die Verordnungen ein identisches Druckbild aufwiesen, obwohl sie von weit entfernten Praxen stammen sollten. Die AOK forderte 857.000 Euro allein für das Jahr 2025 zurück. In einem anderen Fall wurde Physiotherapie nur auf dem Papier erbracht, die Signaturen der Versicherten waren gefälscht. Hier fordert die Kasse fast 12.000 Euro zurück.

So arbeiten die Detektive der AOK

Von den 1.232 Hinweisen kamen 703 aus externen Quellen, darunter das Meldeportal im Internet, wo anonym Verdachtsfälle gemeldet werden können. Heike Degenhardt-Reinmold leitet das zehnköpfige Team, das die Hinweise prüft. „Solche Hinweise sind wichtig“, sagt sie. „Wir sind dankbar für aufmerksame Bürger. Letztlich zahlen wir doch alle die Rechnung.“ Ohne Tipps von außen hätten die Prüfer angesichts der enormen Zahl von Abrechnungen oft keine Chance, Luftbuchungen zu erkennen.

Künstliche Intelligenz als Zukunftshoffnung

Künftig könnte Künstliche Intelligenz helfen, Widersprüche aufzudecken, so Degenhardt-Reinmold. Noch setzt die AOK KI jedoch nicht systematisch ein. Stattdessen verlässt sich das Team auf langjährige Erfahrung. Erhärtet sich ein Verdacht, wird die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Die Verfahren können sich allerdings in die Länge ziehen. Dass es dennoch zu Verurteilungen kommt, freut die Leiterin: „Das sendet die Botschaft: Seid euch nicht so sicher.“

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration