Apothekerin klärt auf: Rezeptfrei heißt nicht harmlos
Apothekerin: Rezeptfrei heißt nicht harmlos

Viele Menschen verwechseln rezeptfreie und rezeptpflichtige Medikamente. Dr. Ina Lucas, Apothekerin aus Berlin, klärt in ihrer Kolumne „Der gute Rat der Apothekerin“ über die Unterschiede auf und warnt vor gefährlichen Irrtümern. Ein häufiger Fehler: die Annahme, dass rezeptpflichtige Arzneimittel immer stärker und rezeptfreie stets harmlos seien. Das Gegenteil ist oft der Fall.

Unterschied zwischen rezeptfrei und rezeptpflichtig

Die Einteilung in rezeptfreie und rezeptpflichtige Medikamente ist gesetzlich geregelt und bundesweit einheitlich. Sie dient vor allem der Patientensicherheit. Dr. Lucas erläutert: „Entscheidend ist, ob ein Medikament sicher in der Selbstmedikation ohne ärztliche Verordnung angewendet werden kann.“ Rezeptfreie Arzneimittel wie Schmerzmittel oder Allergiemedikamente sind apothekenpflichtig, aber nicht verschreibungspflichtig. Das bedeutet, sie werden nur in Apotheken abgegeben – bewusst nicht im Selbstbedienungsregal. Der Grund: Jedes Medikament erfordert eine ausführliche Beratung durch das Apothekenteam.

„Rezeptfrei heißt nicht harmlos. Es bedeutet vor allem: gut verträglich, sofern es richtig angewendet wird“, betont die Expertin. Ein typisches Beispiel ist Ibuprofen: In niedriger Dosierung ist es rezeptfrei erhältlich, höher dosierte Präparate sind verschreibungspflichtig, da sie ein höheres Risiko für Nebenwirkungen bergen. Auch Paracetamol kann in zu hohen Dosierungen die Leber schädigen, weshalb Packungen über zehn Gramm rezeptpflichtig sind.

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Risiken bei rezeptpflichtigen Medikamenten

Rezeptpflichtige Arzneimittel wie Medikamente gegen Bluthochdruck, Diabetes oder Antibiotika werden gegen schwerwiegendere Erkrankungen ärztlich verordnet. Die Rezeptpflicht ist kein bürokratisches Hindernis, sondern ein Schutzschild. Dr. Lucas warnt eindringlich davor, verschreibungspflichtige Medikamente ohne Rezept in dubiosen Online-Shops zu bestellen: „Oft ist völlig unklar, wo solche Medikamente herkommen, welchen Wirkstoffgehalt sie haben oder ob eventuell sogar schädliche Stoffe beigemengt sind.“

Die Apothekerin berichtet von Patientinnen und Patienten, die solche Einkäufe getätigt haben. „Davor kann ich nur warnen, denn das kann gefährlich werden“, sagt sie. Auch bei rezeptfreien Mitteln sei Vorsicht geboten: „Wenn mir eine Tablette nicht hilft, nehme ich eben zwei – das ist ein gefährlicher Irrglaube.“ Im Gespräch mit einer Patientin, die eine leere Schmerzmittelpackung vorlegte, stellte sich heraus, dass sie die Dosierung eigenmächtig erhöhte. Dr. Lucas nimmt sich Zeit für solche Beratungen: „Meine Aufgabe ist es, nicht nur ein Arzneimittel abzugeben, sondern dafür zu sorgen, dass es richtig wirkt und sicher ist.“

Beratung als Kern der Apotheke

Dr. Ina Lucas ist 42 Jahre alt, in Berlin geboren und aufgewachsen. Nach dem Pharmaziestudium an der Freien Universität Berlin promovierte sie in Kooperation mit dem Robert-Koch-Institut. Heute betreibt sie gemeinsam mit ihrer Kollegin Maria Zoschke vier Apotheken in Berlin mit rund 80 Angestellten. Sie ist Kammerpräsidentin der Apothekerkammer Berlin sowie Vizepräsidentin der ABDA, der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e. V.

In ihrer Kolumne klärt sie regelmäßig über Medikamentenirrtümer auf. „Viele denken: Rezeptpflichtig heißt automatisch stärker. Das stimmt so nicht“, erklärt sie. Die Einteilung richte sich nach dem Risiko-Nutzen-Verhältnis. Rezeptfreie Mittel seien bei richtiger Anwendung gut verträglich, aber keinesfalls harmlos. Die Beratung in der Apotheke sei daher unverzichtbar, um Wechselwirkungen, falsche Dosierungen oder Eigendiagnosen zu vermeiden.

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