Die Zahl der schweren E-Scooter-Unfälle ist im vergangenen Jahr drastisch gestiegen: Die Polizei registrierte rund 38 Prozent mehr Unfälle mit verletzten oder getöteten Menschen als im Vorjahr, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Insgesamt gab es 2025 etwa 16.500 E-Scooter-Unfälle mit Personenschaden. 38 Menschen kamen dabei ums Leben, 2024 waren es noch 27 gewesen. Rund 1.900 Personen wurden schwer und etwa 16.200 leicht verletzt.
Opferprofile und Unfallursachen
82,4 Prozent der Verunglückten waren selbst mit einem E-Scooter unterwegs, darunter 33 der 38 Todesopfer. 5,5 Prozent der Verunglückten auf E-Scootern waren Mitfahrer – obwohl das Fahren zu zweit oder zu dritt nicht erlaubt ist. Unter den fünf weiteren Getöteten waren drei Fußgänger, ein Radfahrer und ein Autofahrer. Besonders betroffen sind junge Menschen: 53,6 Prozent der Verunglückten waren jünger als 25 Jahre. In der Altersklasse null bis 13 Jahre gab es 874 verunglückte Kinder, darunter drei Tote.
Häufige Unfallursachen sind laut Polizei: falsche Fahrbahn- oder Gehwegnutzung (21,6 Prozent), Alkoholeinfluss (10,9 Prozent), nicht angepasste Geschwindigkeit (8,4 Prozent) sowie Fehler beim Abbiegen, Wenden oder Ein- und Anfahren (7,5 Prozent). 30,5 Prozent der Unfälle sind Alleinunfälle ohne Beteiligung anderer Verkehrsteilnehmer. Fast die Hälfte der tödlich Verunglückten auf E-Scootern (16 von 33) starb bei solchen Alleinunfällen. Bei Unfällen mit zwei Beteiligten trugen die E-Scooter-Fahrenden in 50,8 Prozent die Hauptschuld – bei Zusammenstößen mit Fußgängern sogar in 88,7 Prozent der Fälle.
Experten fordern Konsequenzen
Unfallforscher Siegfried Brockmann von der Björn Steiger Stiftung sieht vor allem die Leihroller in Großstädten als Problem: „Damit sind unerfahrene Gelegenheitsnutzer unterwegs.“ Er setzt sich für größere Räder ein, um Stürze an Bordsteinkanten zu vermeiden. Auch Alkoholfahrten seien mit Leihrollern wahrscheinlicher – „etwa, wenn der Scooter direkt vor dem Biergarten steht“. Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) fordert einen Befähigungsnachweis für alle Verkehrsteilnehmer ohne Führerschein. Brockmann unterstützt dies: „Damit würde der Staat klarmachen, dass es sich um ein Kraftfahrzeug handelt – und kein Spaßfahrzeug.“ Zudem müsse das Mindestalter von 14 auf 15 Jahre angehoben werden. Die jüngst beschlossenen Änderungen wie die Blinkerpflicht nennt Brockmann „ein echtes Armutszeugnis“. Einhellig fordern die Experten mehr Kontrollen.
Bundestag reguliert Haftung
Die Bundesregierung will die Haftung von E-Scooter-Haltern verschärfen. Künftig sollen Halter – meist Sharing-Anbieter – auch bei Unfällen mit Mietfahrzeugen haften, damit Geschädigte nicht leer ausgehen. Der Bundesrat muss dem Vorhaben noch zustimmen.



