Lena Habick (Name geändert) ist 47 Jahre alt, Mutter mehrerer Kinder und lebt in einem Haus mit Garten. Nach außen wirkt ihre Familie wie eine Vorzeigefamilie. Doch hinter der Fassade steckt eine unglückliche Ehe. „Ich überlege sehr ernsthaft, mich zu trennen“, sagt sie. „Aber ich weiß nicht, wie. Ich kann mir das Gehen einfach nicht leisten.“
Der Auslöser: Ein krankes Kind und ein gereizter Ehemann
Eine Szene verdeutlicht Lenas Situation: Ihr jüngster Sohn, vier Jahre alt, steht nachts im Flur, barfüßig, bleich, den Schlafanzug vollgespuckt. Lena reagiert sofort, holt Handtücher, stellt die Waschmaschine an, redet beruhigend auf das Kind ein. Ihr Mann kommt aus dem Schlafzimmer – nicht besorgt, sondern gereizt, als habe das kranke Kind absichtlich seine Nachtruhe gestört. „Am liebsten würde ich dich …“, sagt er und bricht ab. Lena erinnert sich an seinen verbissenen Blick.
Finanzielle Abhängigkeit als Trennungshürde
Lenas Fall ist kein Einzelfall. Viele Frauen bleiben in unglücklichen Beziehungen, weil sie sich eine Trennung finanziell nicht leisten können. Die Kosten für eine eigene Wohnung, den Lebensunterhalt der Kinder und die Altersvorsorge sind ohne das Einkommen des Partners oft nicht zu stemmen. Zwei Therapeutinnen erklären, welche Schritte in solchen Situationen sinnvoll sind.
Die Expertinnen raten betroffenen Frauen, sich zunächst einen Überblick über die eigene finanzielle Situation zu verschaffen. Dazu gehört die Aufstellung aller Einnahmen und Ausgaben, die Prüfung von Unterhaltsansprüchen und die Beratung bei einer Schuldnerberatung oder einem Anwalt für Familienrecht. Auch ein Trennungsjahr kann in Deutschland Voraussetzung für die Scheidung sein, in dem der Ehepartner unter Umständen Unterhalt zahlen muss.
Altersvorsorge und Immobilien als Streitpunkt
Ein häufiger Streitpunkt bei Trennungen ist die Altersvorsorge. Wenn ein Partner deutlich mehr verdient, kann der andere Ausgleichsansprüche haben. Experten raten, die Rentenansprüche frühzeitig zu klären. Auch bei Immobilien im gemeinsamen Besitz sind klare Regelungen nötig. Ein Kniff kann sein, dass junge Paare beim Immobilienkauf eine Eigentümergemeinschaft mit klaren Anteilen bilden, um spätere Konflikte zu vermeiden.
Immer mehr Paare stürzen sich zudem bei der Hochzeit in Unkosten, was später finanzielle Probleme verschärfen kann. Experten erklären dieses Phänomen mit dem Wunsch nach einer perfekten Feier, der oft über die Verhältnisse lebt. Lenas Geschichte zeigt: Wer finanziell abhängig ist, braucht einen Plan, um sich aus einer unglücklichen Ehe zu lösen. Die Therapeutinnen empfehlen, sich professionelle Hilfe zu suchen und Schritt für Schritt die eigene Unabhängigkeit aufzubauen.



