Die diesjährige Erdbeersaison in Rheinland-Pfalz steht unter dem Einfluss extremer Wetterbedingungen. Nach starken Regenfällen im Frühjahr sorgte eine langanhaltende Hitzeperiode mit Temperaturen über 25 Grad für Ernteeinbußen und Qualitätsverluste. Verbraucher müssen sich auf kleinere Früchte und steigende Preise einstellen, wie die Bauernverbände des Landes mitteilen.
Erntemenge regional unterschiedlich
Die Erntebilanz fällt je nach Region unterschiedlich aus. Während der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd für Rheinhessen und die Pfalz eine durchschnittliche Erntemenge meldet, verzeichnet der nördliche Verband Rheinland-Nassau Einbußen von rund 20 Prozent im Vergleich zum langjährigen Mittel. Eine endgültige Bilanz wird erst nach Saisonende im Oktober erwartet.
Der Erdbeer-Experte des Bauernverbandes Nassau erklärte: „Erdbeeren sind nicht für dauerhafte Temperaturen über 25 Grad ausgelegt. Die anhaltende Hitze hat zu einer verfrühten Reife geführt, was die Ernteplanung zusätzlich erschwert.“ Bei Temperaturen über 40 Grad könne zudem den Erntehelfern keine lange Arbeitszeit zugemutet werden, was die personellen Kapazitäten weiter einschränke.
Wetterextreme als Hauptursache
Übereinstimmend führen beide Bauernverbände die Ertragsrückgänge auf die außergewöhnliche Witterung zurück. Nach dem feuchten Frühjahr setzte vielerorts Trockenstress ein, der das Wachstum der Pflanzen hemmte. Die Früchte blieben kleiner und wiesen teils geringere Qualität auf. „Der Hitzestress hat dazu geführt, dass ein Teil der Erdbeeren gar nicht abgeerntet wurde“, so ein Sprecher des Bauernverbandes Süd.
Die Planbarkeit der Ernte sei durch die Extremwetter stark beeinträchtigt. Während man früher mit verlässlichen Wetterphasen rechnen konnte, seien die Abfolgen von Starkregen und Hitzeperioden heute schwer vorhersehbar. Dies zwinge die Landwirte zu flexiblen Anpassungsstrategien.
Anpassung durch hitzetolerante Sorten und geschützten Anbau
Als Reaktion auf die Klimaveränderungen setzen viele Erdbeerbauern verstärkt auf hitzetolerante Sorten. Diese versprechen auch bei hohen Temperaturen eine gute Fruchtqualität und Standfestigkeit, wie der Bauernverband Süd betont. Allerdings könne man nicht dauerhaft von einem Extrem ausgehen, ergänzt der Experte aus dem Norden: „Wir müssen uns breit aufstellen, um für verschiedene Wetterlagen gewappnet zu sein. Das erschwert die Planbarkeit jedoch weiter.“
Ein weiterer Trend ist der geschützte Anbau in erhöhten Pflanzkästen unter Planen. Diese Methode schützt die Pflanzen vor Regen, Hagel und übermäßiger Sonneneinstrahlung. Der Bauernverband Süd erklärte, dass diese Investitionen die Widerstandsfähigkeit der Kulturen erhöhen, aber auch die Kosten in die Höhe treiben.
Steigende Kosten und Preise
Die Umstellung auf geschützte Anbauverfahren erfordert hohe Investitionen. Hinzu kommen steigende Lohnkosten für Saisonarbeiter. „Diese Kosten können vielfach nicht über die Verkaufspreise ausgeglichen werden, sodass die Gewinnspanne der Betriebe weiter sinkt“, so der Bauernverband Süd. Daher müssen Verbraucher auch in Zukunft mit weiteren Preissteigerungen rechnen. Die Kombination aus geringeren Erträgen und höheren Produktionskosten dürfte die Preise für Erdbeeren aus regionalem Anbau in den kommenden Jahren tendenziell erhöhen.
Die Bauernverbände appellieren an die Politik, die Landwirtschaft bei der Anpassung an den Klimawandel stärker zu unterstützen. Ohne entsprechende Hilfen sei die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Erdbeerproduktion gefährdet.



