Die Zahl queerfeindlicher Vorfälle in Brandenburg ist im vergangenen Jahr weiter angestiegen. Die Fachstelle „Andersartig“ für Lesben, Schwule, Bisexuelle sowie Trans-, Inter- und queere Menschen hat für 2024 insgesamt 589 Vorfälle erfasst – nach rund 500 im Jahr davor. Die Zunahme bedeutet einen neuen Höchststand der dokumentierten Anfeindungen gegen queere Menschen im Land.
Die Fachstelle, die als zentrale Meldestelle für queerfeindliche Vorfälle in Brandenburg fungiert, differenziert bei der Einordnung der Zahlen. Einerseits seien sie „Ausdruck einer weiteren Verschärfung der Lage“, andererseits seien sie vor dem Hintergrund der seit 2024 erweiterten Datengrundlage zu interpretieren. Durch die systematische Einbeziehung zusätzlicher Meldewege hätten mehr Vorfälle erfasst werden können als in den Vorjahren.
Anstieg der registrierten Vorfälle
Die erfassten Vorfälle umfassen ein breites Spektrum: Beleidigungen, Sachbeschädigungen, Bedrohungen und Körperverletzungen. Mit 111 Fällen machten Beleidigungen den größten Anteil aus. Diese Form der Anfeindung ist für Betroffene alltäglich erlebbar – auf der Straße, in öffentlichen Verkehrsmitteln oder am Arbeitsplatz.
Die Fachstelle zählt in ihrer Statistik auch Sachbeschädigungen, Bedrohungen und Körperverletzungen. Letztere gehen mitunter über verbale Angriffe hinaus und können körperliche Narben hinterlassen. Die Dunkelziffer dürfte jedoch höher sein, da nicht alle Betroffenen Anzeige erstatten oder sich an die Meldestelle wenden.
Beleidigungen dominieren das Meldeaufkommen
Die Verteilung der Deliktarten zeigt, dass verbale Anfeindungen den Alltag vieler queerer Menschen prägen. Beleidigungen stellen mit 111 Fällen die häufigste erfasste Kategorie dar. Dahinter folgen Sachbeschädigungen, Bedrohungen und Körperverletzungen. Die Fachstelle nimmt diese Meldungen ernst und bietet Unterstützung an.
Ein großer Teil der Vorfälle wird einem rechten Tathintergrund zugeordnet. Konkret rechnet die Fachstelle 308 Fälle einer rechten Gesinnung zu. Das entspricht mehr als der Hälfte aller erfassten Vorfälle. Diese Zahlen verdeutlichen, dass Queerfeindlichkeit ein wesentlicher Bestandteil rechtsextremer Ideologien ist.
Rechter Tathintergrund in der Mehrheit
Neben rechtem Gedankengut spielen auch andere Motive eine Rolle. In 106 Fällen werden die Taten mit religiösen Einstellungen in Verbindung gebracht. Das zeigt, dass queerfeindliche Ressentiments in unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen existieren. In 54 Fällen sind familiäre Konflikte als Hintergrund anzunehmen. Diese Vorfälle betreffen oft junge Menschen, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität im engen familiären Umfeld Ablehnung erfahren.
Die Fachstelle „Andersartig“ weist darauf hin, dass die seit 2024 verbesserte Datenlage zu einer höheren Fallzahl beigetragen hat. Die systematische Einbeziehung zusätzlicher Meldewege – etwa über Beratungsangebote, Online-Formulare oder die Zusammenarbeit mit Polizei und Justiz – ermöglicht eine vollständigere Erfassung. Dennoch bleibt die Lage besorgniserregend.
Verbindung von Verschärfung und besserer Erfassung
Die Deutung der Zahlen ist daher zweigeteilt: Einerseits dokumentieren sie eine reale Zunahme queerfeindlicher Vorfälle. Andererseits sind sie ein Beleg dafür, dass die Erfassungsstrukturen greifen. Die Fachstelle betont, dass die Zahlen zum einen „Ausdruck einer weiteren Verschärfung der Lage“ seien, zum anderen aber auch vor dem Hintergrund der erweiterten Datengrundlage interpretiert werden müssten.
Für die Betroffenen bedeutet die Entwicklung eine Verunsicherung des Alltags. Queere Menschen müssen weiterhin damit rechnen, angefeindet, bedroht oder angegriffen zu werden. Die Fachstelle ruft Betroffene und Zeugen dazu auf, Vorfälle zu melden. Nur so lasse sich ein umfassendes Bild der Lage gewinnen und gezielte Maßnahmen ergreifen.
Die Statistik der Fachstelle „Andersartig“ ist ein wichtiger Indikator für die gesellschaftliche Stimmung gegenüber queeren Menschen in Brandenburg. Der Anstieg der erfassten Fälle macht deutlich, dass Aufklärungsarbeit und politisches Handeln notwendig sind, um Diskriminierung und Gewalt entgegenzuwirken.



