Berlin-Wahl 2026: Diese Kandidaten wollen in Neukölln regieren
Berlin-Wahl 2026: Diese Kandidaten wollen Neukölln regieren

Nach der Berlin-Wahl am 20. September 2026 könnte sich in Neukölln die politische Landschaft grundlegend verändern. Der amtierende Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) tritt nicht erneut an, was den Weg für neue Gesichter frei macht. Insgesamt fünf Parteien schicken Spitzenkandidaten ins Rennen um das Amt des Bezirksbürgermeisters. Die Berliner Morgenpost stellt die fünf Bewerber vor und gibt ihnen Gelegenheit, ihre Motivation und ihre Verbindung zum Bezirk darzulegen.

CDU: Gerrit Kringel – der „Neuköllner Junge“

Für die CDU geht Gerrit Kringel an den Start. Der 53-jährige Politiker wurde am 24. Juli 1973 in Berlin geboren und bezeichnet sich selbst als „Neuköllner Junge“. Nach seiner Ausbildung zum Physiotherapeuten arbeitete er über 20 Jahre in einer Neuköllner Praxis. Seit April 2023 ist er stellvertretender Bezirksbürgermeister und Bezirksstadtrat für Ordnung.

Auf die Frage, warum er kandidiert, antwortet Kringel: „Weil ich seit der Wiederholungswahl 2023 mit großer Leidenschaft mein Amt als stellvertretender Bezirksbürgermeister und Bezirksstadtrat für Ordnung in Neukölln erfolgreich ausgeübt habe. In dieser Zeit habe ich gezeigt, dass konsequentes Handeln und eine bürgernahe Politik etwas bewegen können. Als klassischem Bürgerlichem sind mir Sauberkeit, Ordnung und Sicherheit wichtig. Ich will verbinden statt spalten.“

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Seine persönliche Verankerung in Neukölln beschreibt er so: „Als echter ‚Neuköllner Junge‘, der hier aufgewachsen ist, kenne ich die Stärken, aber auch die Herausforderungen unseres Bezirks. Mein ganzes Leben spielt sich in Neukölln ab. Genau deshalb kandidiere ich in diesem Jahr für das Amt des Bezirksbürgermeisters. Mein Heimatbezirk ist für mich eine echte Herzensangelegenheit.“

Linke: Ahmed Abed – der umstrittene Anwalt

Die Neuköllner Linke schickt Ahmed Abed ins Rennen. Der 45-jährige Rechtsanwalt für Sozial- und Arbeitsrecht ist seit 2021 Mitglied der Bezirksverordnetenversammlung und Fraktionsvorsitzender der Linken. Abed ist jedoch nicht unumstritten: Die Opposition wirft ihm wiederholt israelfeindliche Ansichten vor. Unter anderem bezeichnete er den Bürgermeister von Neuköllns israelischer Partnerstadt Bat Yam, Tzvika Brot, öffentlich als „Völkermörder“.

Abed begründet seine Kandidatur wie folgt: „Ich will der Anwalt für die Belange der Neuköllnerinnen und Neuköllner sein. Ich möchte helfen, dass das Leben in Neukölln wieder bezahlbar, sauberer und solidarischer wird. Als Bürgermeister will ich dafür sorgen, dass Mietwucher effektiv bekämpft wird, und mich gegen Rassismus und Antisemitismus im Bezirk einsetzen. Ich finde, wir haben tolle Nachbarschaften und großartige Angebote, egal ob Tempelhofer Feld, Britzer Garten oder Kleingärten. Und statt Milliarden für Rüstung brauchen wir Milliarden für Schulen und soziale Einrichtungen.“

Zu seiner Verankerung sagt er: „Ich lebe in Neukölln und bin seit 14 Jahren als Anwalt für Sozial- und Arbeitsrecht tätig. Die individuellen Schicksale wie der Verlust von Arbeitsstellen oder Probleme mit Behörden landen deshalb jeden Tag auf meinem Tisch. Gemeinsam mit der Linksfraktion im Rathaus Neukölln versuche ich gleichzeitig, die strukturellen Ursachen dieser Probleme anzugehen, zum Beispiel, indem wir Mietabzocke anprangern oder Kürzungen in der Jugendarbeit und in Schulen verhindern. Außerdem bin ich Mitbegründer des Neuköllner Vereins Schule in Not e. V., der sich für Bildungsgerechtigkeit, faire Bezahlung und saubere Schulen einsetzt.“

SPD: Janine Wolter – die Nachfolgerin von Martin Hikel?

Janine Wolter ist seit 2007 SPD-Mitglied. Die 45-jährige Oberstudienrätin arbeitete als Lehrerin und war zuletzt Referentin in der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie. Seit November 2025 ist sie Bezirksstadträtin für Bildung, Kultur und Sport. Ihr Verhältnis zu Martin Hikel gilt als angespannt, nachdem sie einen Beitrag des Influencers Tarek Baé repostete, dem Antisemitismus vorgeworfen wird. Hikel missbilligte dieses Verhalten öffentlich.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration

Beobachter gehen davon aus, dass Wolter im Wesentlichen Hikels Kurs fortsetzen wird. Ein Unterschied zeigt sich jedoch beim Thema Clan-Kriminalität: Wolter lehnt den Begriff ab, während Hikel medienwirksame Razzien gegen Clans organisierte. In einem Interview mit der Berliner Morgenpost betonte Wolter: „Mir liegt dieser Bezirk sehr am Herzen. Wer mich kennt, weiß, dass ich anpacke und für die Menschen was erreichen möchte. Daher will ich, dass wir nicht länger nur über den Müll auf den Straßen sprechen, sondern endlich handeln. Jedes Kind soll gerechte Bildungschancen haben, Vereine und Initiativen sollen gestärkt werden, und die Menschen sollen sicher in ihren Kiezen wohnen können. Ich kenne die Strukturen in Neukölln und kann direkt da ansetzen, wo der Schuh drückt. Ich will ganz klar Verantwortung übernehmen und pragmatische Politik machen. Neukölln braucht gerade in diesen Zeiten eine Politik, die von Haltung, Herz und Verstand geprägt ist.“

Ihre persönliche Verbindung zu Neukölln: „Ich wohne hier mit meiner Familie. Teile meiner Familie wohnten auch in der Gropiusstadt, weshalb ich dort auch als Studentin zwischendurch wohnte.“

Grüne: Daniela Wannemacher – die Unbekannte

Die Neuköllner Grünen schicken mit Daniela Wannemacher eine eher unbekannte Kandidatin ins Rennen. Die 1978 im Saarland geborene Wannemacher engagiert sich seit 2016 bei den Neuköllner Grünen, unter anderem als Co-Sprecherin des Kreisvorstands. Beruflich leitet sie die Teamleitung Landnutzung beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

Warum sie kandidiert, erklärt sie so: „Neukölln liegt mir am Herzen. Ich kenne den Bezirk gut und weiß, wo die Knackpunkte sind. Wir Grüne sind sowohl in der Stadtgesellschaft als auch im Bezirk verankert und haben mit unseren Stadträt*innen die letzten 20 Jahre gezeigt: Wir packen an und sorgen für gute Lösungen, die den Menschen in Neukölln helfen. Das will ich im Neuköllner Rathaus weiterführen und dafür sorgen, dass Neukölln auch in Zukunft ein lebenswerter Bezirk für alle bleibt.“

Ihre Verankerung beschreibt sie detailliert: „Neukölln ist der Bezirk, der mich willkommen geheißen hat, als ich nach Berlin gezogen bin – und den ich seit fast 25 Jahren mit meinem Leben in dieser Stadt verbinde. Hier habe ich lange Studi-Nächte in der Weserstraße erlebt, auf dem Tempelhofer Feld gegärtnert, im Kiezladen und im Neuköllner Industriegebiet gearbeitet und unzählige Stunden im 104er – heute M43 –, im M41 und M44 verbracht. Seit zehn Jahren engagiere ich mich bei den Neuköllner Grünen, aus und für den Bezirk.“

AfD: Julian Potthast – der jüngste Kandidat

Die AfD tritt mit Julian Potthast an. Der 35-jährige Abteilungsleiter hat einen Master in internationaler Politik und ist seit 2021 Mitglied der Bezirksverordnetenversammlung sowie Fraktionsvorsitzender der AfD-Fraktion Neukölln. Er ist der jüngste der fünf Kandidaten und verheiratet.

Seine Motivation: „Für eine lebenswerte Heimat, für ein funktionierendes Berlin, für ein Neukölln mit hoher Lebensqualität.“ Seine Verbindung zum Bezirk: „Ich wohne seit 2011 in Neukölln und habe den Bezirk mit seiner Lebendigkeit, seiner kulturellen Vielfalt sowie auch seinen Schattenseiten in mein Herz geschlossen.“

Die Wahl am 20. September wird zeigen, wer von den fünf Kandidaten das Rennen macht. Die Berliner Morgenpost wird weiterhin über den Wahlkampf in Neukölln berichten.