Nach dem islamistischen Anschlag auf den Christopher Street Day (CSD) in Berlin am vergangenen Wochenende haben die Veranstalter die für Ende August geplante Technoparade „Zug der Liebe“ abgesagt. Als Gründe nannten sie zu hohe Sicherheitsauflagen, logistische und bürokratische Hürden – und vor allem die Angst, die nach der Bluttat im Tiergarten nun allgegenwärtig ist. Der Attentäter Abdul Ballout, ein deutscher Passinhaber mit sudanesischen Wurzeln, war mit einem Van in eine Besuchergruppe gefahren und hatte eine Frau getötet sowie viele Menschen schwer verletzt.
Der Gefährder aus der Mitte der Gesellschaft
Ein SPIEGEL-Team hat rekonstruiert, wie es zu der Tat kommen konnte. Abdul Ballout war kein Unbekannter: Er galt als Gefährder, stand unter Beobachtung des Verfassungsschutzes, war mehrfach polizeilich in Erscheinung getreten. Er hatte einen deutschen Pass, spielte Fußball im Kiez, besuchte bis zur zehnten Klasse eine Schule – „ein Gefährder aus der Mitte“, wie es in der Analyse heißt. „Es sieht so aus, als wäre allen bewusst gewesen, welche Gefahr von Ballout ausgeht. Viele Instrumente des Rechtsstaats waren im Einsatz, doch keines konnte die Tat verhindern“, zitiert der Newsletter die SPIEGEL-Kollegen. Die Frage, wie sich ein Mensch so weit radikalisieren kann und warum der Staat seine Bürger nicht besser schützt, bleibt unbeantwortet.
Iran-Krieg droht zum Flächenbrand zu werden
Während in Berlin die Trauer und die Sicherheitsdebatte andauern, eskaliert die Lage im Nahen Osten. Nach einer mehrtägigen Kampfpause zwischen den USA und Iran startete Teheran am Dienstag überraschend einen Angriff auf US-Ziele. Erstmals griff auch Saudi-Arabien öffentlich in den Konflikt ein: Gemeinsam mit den USA bombardierte das Königreich Stellungen im Irak. „Das Königreich war lange darum bemüht, sich aus dem Konflikt herauszuhalten“, erklärt SPIEGEL-Korrespondentin Sophie Schneider. „Nun aber ist der Krieg um eine aktive Partei gewachsen.“ Die Gefahr eines Flächenbrandes sei real, so Schneider, und die diplomatischen Bemühungen zur Deeskalation seien nahezu zum Stillstand gekommen.
Hitzewelle in Deutschland: Wie schützen wir uns?
Derweil steigen die Temperaturen in Deutschland auf bis zu 39 Grad. Der Deutsche Wetterdienst warnt vor starker Wärmebelastung. Besonders ältere Menschen sind gefährdet, da sie oft weniger Durst verspüren und durch Medikamente anfälliger für Austrocknung sind. Ein Modellprojekt in Freiburg hilft: Das „Hitzetelefon“ ruft Seniorinnen und Senioren an, erinnert ans Trinken und den Ventilator, fragt nach dem Befinden. „Angebote wie das Hitzetelefon wird es wohl in Zukunft, wenn die Sommer immer heißer werden, mehr und mehr brauchen“, meint die Autorin des Newsletters, Maria Stöhr, die aus Peking berichtet.
Christopher Nolans „Odyssee“ im Kino: Kritik und Lob
Abschließend wirft der Newsletter einen Blick auf einen Film, der hitzige Debatten auslöst: Christopher Nolans Adaption der „Odyssee“. Während Kritiker die Besetzung mit Schwarzen und trans Personen als „zu woke“ bezeichnen und Linke eine feministischere Lesart vermissen, bemängeln Althistoriker die Darstellung von Helmen und Schiffen der Bronzezeit. Dennoch – so der SPIEGEL – zeige der Film die Kraft des Kinos, zumal der Autorin nach dem Film „Troja“ ein wochenlanges Epos-Lesefieber packte.



