Parade durch St. Georg
Rund 60 Lastwagen setzten sich am Sonnabend in Hamburg-St. Georg in Richtung Innenstadt in Bewegung. Sie dienten als fahrbare Bühnen für Unternehmen, Verbände, Parteien und die evangelische Kirche. Unter den Sponsoren der Trucks befanden sich Lufthansa Technik, Vattenfall, Beiersdorf und Eurowings. Auch die SPD, die Feuerwehr, der Landesverband der Hospiz- und Palliativarbeit sowie das Universitätsklinikum Eppendorf waren mit eigenen Wagen vertreten. Ein spezieller „CSD-Inklusionstruck“ bot Rollstuhlfahrerinnen und -fahrern die Möglichkeit, an der Parade teilzunehmen. Das Spektrum der Fußgruppen reichte vom Tierschutzverein über Fetisch-Gruppen bis zum kommunalen Kindergarten-Träger Elbkinder.
Das diesjährige Motto lautete „Solidarisch queer. Haltung zeigen – für eine Zukunft ohne Angst!“ – eine direkte Reaktion auf den Anschlag vom vorherigen Wochenende in Berlin.
300.000 Menschen feiern mit
Nach Angaben von Polizei und Veranstaltern kamen rund 300.000 Menschen zu der Demonstration – rund 40.000 mehr als im Vorjahr, als etwa 260.000 Besucherinnen und Besucher gezählt wurden. Es war die 46. Auflage des Hamburger CSD. An der Spitze des Zuges liefen neben Drag Queen Olivia Jones auch Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne), Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) und SPD-Fraktionschef Matthias Miersch. Die Polizei meldete einen weitgehend ruhigen Verlauf. „Die Stimmung ist friedlich und ausgelassen“, sagte eine Sprecherin. Zu Zwischenfällen sei es nicht gekommen.
Verschärfte Sicherheitslage nach Berlin-Anschlag
Erst eine Woche zuvor hatte ein 21-Jähriger auf dem Christopher Street Day in Berlin ein Auto in die Menschenmenge gesteuert und anschließend mit einer Machete auf Personen eingeschlagen. Eine polnische Frau kam dabei ums Leben, 31 Menschen wurden verletzt. Der Angreifer war bei einem Polizeieinsatz am späten Sonntagabend erschossen worden.
Als Konsequenz hatte die Hamburger Polizei ihr Sicherheitskonzept für den CSD überarbeitet. Nach Angaben der Behörde sollten doppelt so viele Beamte im Einsatz sein wie bei der Demonstration im Jahr zuvor.
Community zeigt Zusammenhalt
„Wir als queere Community können uns in unserem Schmerz auf dem CSD gegenseitig Kraft geben“, sagte Manuel Opitz, Sprecher von Hamburg Pride. Der Berliner CSD-Verein beteiligte sich mit einem großen Lastwagen an der Hamburger Parade. Rund 100 Menschen in schwarzen T-Shirts standen darauf und schwenkten Fahnen – ein Zeichen der Trauer und Solidarität.
Bereits am Freitagabend hatte Hamburg Pride bei einem Straßenfest in der Innenstadt eine Schweigeminute für die Opfer des Anschlags abgehalten. „Das Gemeinschaftsgefühl der Community war spürbar“, erklärte Opitz.
Schura verurteilt Angriff
Die Schura, der Rat der Islamischen Gemeinschaften in Hamburg, verurteilte den Anschlag in Berlin sowie jede Form von Gewalt gegen Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder Identität. „Wenn Menschen den Islam benutzen, um Hass oder Angriffe auf andere zu rechtfertigen, missbrauchen sie unsere Religion“, hieß es in einer Mitteilung. „Der Islam gestattet keine Selbstjustiz.“
Historischer Hintergrund und queerfeindliche Gewalt
Der Christopher Street Day erinnert an die Ereignisse im Juni 1969 in New York, als nach einer Polizeirazzia in der Szenebar „Stonewall Inn“ ein Aufstand von Schwulen und Lesben ausbrach. Die anschließenden Straßenkämpfe in der Christopher Street in Greenwich Village gelten als Geburtsstunde der internationalen Pride-Bewegung.
In Hamburg bleiben queerfeindliche Übergriffe ein ernstes Problem: Im vergangenen Jahr erfasste die Polizei 166 Straftaten gegen Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität – 17 mehr als im Vorjahr. Darunter waren 37 Gewalttaten. Im Jahr 2024 waren 38 Gewalttaten registriert worden, wie der Senat mitteilte.



