Jungbauer im Allgäu kämpft für Traumhof gegen Bürokratie
Jungbauer im Allgäu kämpft für Traumhof gegen Bürokratie

Ein 24-jähriger Landwirt aus Bad Wörishofen möchte den Hof seiner Eltern übernehmen und in eine moderne, zukunftsfähige Landwirtschaft führen. Doch der Weg zum eigenen Betrieb wird für ihn zu einer Geduldsprobe: Anträge, Gutachten und Nachweise stapeln sich, während der dringend benötigte Stallbau seit Monaten auf seine Genehmigung wartet.

Der junge Mann würde lieber im Stall stehen als am Computer. Doch nach Angaben des Deutschen Bauernverbands verbringen Landwirtinnen und Landwirte in Deutschland mittlerweile rund 50 Stunden pro Monat mit bürokratischen Aufgaben. Diese Zeit fehlt für die eigentliche Arbeit – und sie kostet Nerven.

Der Traum eines eigenen Hofes ist nicht neu. Doch während die Großeltern noch weitgehend unbehelligt von Regularien wirtschaften konnten, gleicht die Betriebsübernahme heute einem Hindernislauf. Der 24-Jährige steht sinnbildlich für eine Generation, die mutig in die Landwirtschaft gehen will – und an den Behörden zu scheitern droht.

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Der lange Weg zur Baugenehmigung

Sein Vorhaben ist ein Neubau des Viehstalls, um die Haltung tierschonender und effizienter zu machen. Geplant ist eine moderne Anlage mit mehr Platz für die Tiere und einer besseren Technik. Doch dafür braucht es Unterlagen von der Flächenbilanz bis zu Schadstoffgutachten. Mehrere Ämter sind beteiligt: das Landratsamt Unterallgäu, das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, das Wasserwirtschaftsamt Kempten und nicht zuletzt die untere Naturschutzbehörde.

Mal fehlt ein Stempel, mal weist ein Gutachten Mängel auf. Der Austausch zwischen den Behörden liegt nicht in der Hand des Bauherrn, sondern ist Amtsangelegenheit. Infolgedessen vergeht Monat für Monat, ohne dass sich eine Entscheidung abzeichnet. In Deutschland dauern Stallbauverfahren im Durchschnitt mehr als zwei Jahre – der Allgäuer befindet sich dabei in Gesellschaft.

Der Jungbauer hat bereits einen Großteil seiner Ersparnisse in die Planung gesteckt. Sollte die Genehmigung scheitern, müsste er das Konzept überarbeiten – ein finanzielles Risiko, das viele Existenzgründer abschreckt.

Jedes Jahr Verzögerung kostet Geld

Der wirtschaftliche Druck ist erheblich. Der laufende Betrieb muss fortgeführt werden, während die Baukosten steigen. Kalkuliert hat der Jungbauer den Stallbau vor zwei Jahren – seither sind die Stahl- und Betonpreise deutlich angezogen. Wenn die Genehmigung endlich durch ist, wird der Bau teurer als geplant. Die Zwischenfinanzierung schlägt mit einer fünfstelligen Summe zu Buche.

Die Schreibarbeit an den Schreibtischen hat außerdem einen hohen persönlichen Preis: Manche junge Landwirte zweifeln, ob sich die Übernahme des elterlichen Hofs überhaupt noch lohnt. Andere geben auf, bevor sie begonnen haben. Es geht nicht nur um Bürokratie, sondern auch um die Frage, ob die Gesellschaft die Landwirtschaft überhaupt noch will.

Strukturwandel auch im Allgäu

Im Allgäu, das für seine grünen Wiesen und Milchwirtschaft bekannt ist, macht sich der Schwund der Betriebe bemerkbar. Immer weniger Höfe versorgen die Region mit regionalen Produkten. Der Strukturwandel trifft insbesondere die kleineren Familienbetriebe, die nicht über die Kapazitäten für große Verwaltungsabteilungen verfügen.

Landwirtschaftsverbände fordern deshalb ein Moratorium für neue bürokratische Auflagen und eine Digitalisierung der Verwaltungsprozesse. Ein Vorschlag: das Prinzip der Genehmigungsfiktion – wer nach einer bestimmten Frist keine Antwort der Behörde erhält, darf mit dem Vorhaben beginnen. Ebenso wird eine Verkürzung der Verfahren durch „One-Stop-Shop“-Lösungen diskutiert, bei denen der Landwirt nur noch einen Ansprechpartner hat.

Europa und die Normenflut

Die Regeln kommen längst nicht nur aus Berlin oder München, sondern oft aus Brüssel – genauer: aus der Gemeinsamen Agrarpolitik und den Initiativen des Green Deal. Jede neue Verordnung zur Düngung oder Tierhaltung generiert einen weiteren Papierstapel. Ein Beispiel ist die in Deutschland gesetzlich verankerte Verordnung zur Düngebedarfsermittlung, die in ihren Details selbst für erfahrene Landwirte schwer zu durchschauen ist.

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Das Ergebnis ist eine wachsende Diskrepanz zwischen Verwaltungsvorgaben und den praktischen Anforderungen auf dem Hof. Die Compliance mit den Auflagen bindet sogar in den Nebenzeiten Arbeitskraft, die für die Betreuung der Tiere oder die Pflege der Kulturen verloren geht. Der Landesbauernverband Bayern macht seit Jahren Druck und fordert einen Bürokratieverzicht für kleine und mittlere Betriebe.

Die Hoffnung lebt

Trotz aller Widrigkeiten hält der 24-Jährige an seinem Traum fest. Er investiert bereits in Beratung und Fortbildungen, um den Hof für die nächsten Jahrzehnte aufzustellen. Eine Weichenstellung erwartet er noch in diesem Halbjahr – dann soll der Bescheid eintreffen. Seine Geschichte zeigt aber exemplarisch, wie die Landwirtschaft in Deutschland unter der Last der Verwaltung ächzt. Es ist ein Kampf nicht nur gegen die Zeit, sondern auch für die Zukunft des Landes.

Es bleibt zu hoffen, dass die angekündigte „Entbürokratisierungs-Offensive“ der Bundesregierung auch bei der Landwirtschaft ankommt. Der junge Mann aus Bad Wörishofen wäre bereit. Er wartet nur noch auf die Chance.