Moabiter Geheimgänge: Honecker, Krenz und Mielke im Kriminalgericht
Moabiter Geheimgänge: Honecker, Krenz und Mielke im Kriminalgericht

Das Kriminalgericht Berlin in Moabit ist der größte Justizkomplex Europas. Ein besonderes Merkmal sind die unterirdischen Gänge, die die Untersuchungshaftanstalt mit den Verhandlungssälen verbinden. Durch diese Gänge wurden auch prominente Angeklagte wie Erich Honecker und Egon Krenz geführt.

Der jüngste Fall: Ein Arzt wegen 15-fachen Mordes verurteilt

Erst kürzlich wurde im Saal 500 des Kriminalgerichts ein 41-jähriger Mediziner wegen 15-fachen Mordes verurteilt. Er hatte schwerkranken Patienten Medikamente verabreicht, die deren Tod herbeiführten. Das Gericht verhängte die Höchststrafe: lebenslange Haft mit Feststellung der besonderen Schwere der Schuld und anschließender Sicherungsverwahrung. Der Verurteilte wird aller Voraussicht nach nicht mehr in Freiheit gelangen.

Dieser Fall ist nur einer von vielen Dramen, die in diesem Gebäudekomplex verhandelt wurden. Die Anklage lautete auf Mord, und die Tat geschah in einer Klinik, wo der Arzt das Vertrauen seiner Patienten missbrauchte.

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Die geheimen Gänge: Seufzerbrücken im Kriminalgericht

Der Komplex besteht aus mehreren ineinander verschachtelten Gebäuden und beherbergt auch die Untersuchungshaftanstalt mit knapp 900 Plätzen. Die unterirdischen Gänge ermöglichen es, Insassen in fast jeden Verhandlungssaal zu bringen, ohne dass sie über öffentlich zugängliche Wege geführt werden müssen. Besucher können diese Gänge an den brückenähnlichen Querkonstruktionen erkennen, die auch als „Seufzerbrücken“ bezeichnet werden.

Der Saal 500 ist einer der beiden großen Verhandlungssäle. Angeklagte aus der U-Haft betreten ihn über einen Gang auf der linken Seite. So wurden auch prominente Persönlichkeiten vorgeführt.

Prominente Fälle: Honecker, Krenz, Mielke und mehr

Der wohl bekannteste Insasse, der durch diese Gänge geführt wurde, war Erich Honecker, der ehemalige Staatsratsvorsitzende der DDR. Er musste sich nach dem Fall der Mauer für das DDR-Unrecht, insbesondere die Mauertoten, verantworten. Auch der letzte DDR-Chef Egon Krenz und der Geheimdienstchef Erich Mielke gelangten so in den Verhandlungssaal.

Doch auch andere historische Prozesse fanden im Saal 500 statt. Der Maler George Grosz wurde hier ab 1927 wegen Gotteslästerung angeklagt, weil er Jesus am Kreuz mit einer Gasmaske gezeichnet hatte. Er wurde freigesprochen.

Steglitzer Schülertragödie und ihre Auswirkungen

Im Jahr 1927 ereignete sich die sogenannte Steglitzer Schülertragödie, die ebenfalls im Saal 500 verhandelt wurde. Vier Jugendliche verabredeten einen Selbstmordpakt. Einer von ihnen, Paul Krantz, hielt sich nicht an die Absprache und wurde wegen Mordes angeklagt. Der Prozess beeinflusste maßgeblich die Reform des Jugendstrafrechts, da strafmündige Heranwachsende seither anders behandelt werden als Erwachsene. Krantz wurde freigesprochen und wanderte später in die USA aus, wo er unter anderem Namen Literaturprofessor wurde.

Umbauten für RAF-Prozesse und andere spektakuläre Verfahren

Für die Prozesse gegen die RAF-Terroristen wurden der Saal 500 und der Saal 700 im Stockwerk darüber umgebaut. Seitdem gibt es dort Einlassschleusen mit Metalldetektoren, die bei Bedarf aufgebaut werden. Auch die Terroristen des Anschlags auf das Maison de France am Kurfürstendamm (1983) und die Diskothek La Belle in Friedenau (1986) wurden hier verurteilt, ebenso wie der Kaufhauserpresser „Dagobert“ (1994).

Der Prozess gegen den Hauptmann von Köpenick, Wilhelm Voigt, fand übrigens nicht in Moabit statt, sondern im damaligen Landgericht II am Halleschen Ufer 29 in Kreuzberg. Heute steht dort ein Neubau, ohne Hinweis auf den historischen Ort.

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