Nirmal Purja: Netflix-Bergsteiger stirbt am Broad Peak
Nirmal Purja: Netflix-Bergsteiger stirbt am Broad Peak

Der nepalesisch-britische Alpinist Nirmal Purja, bekannt aus der Netflix-Dokumentation „14 Gipfel: Nichts ist unmöglich“, ist tot. Er starb gemeinsam mit allen neun Begleitern seiner Expedition bei einem schweren Lawinenunglück am Broad Peak im Karakorum-Gebirge in Pakistan, wie der Alpine Club Pakistan der Deutschen Presse-Agentur (dpa) mitteilte.

Die Lawine hatte die Gruppe am Donnerstag erfasst. Trotz einer sofort eingeleiteten Rettungsaktion gab es keine Überlebenden. Die Suche nach den Vermissten wurde fortgesetzt; inzwischen sind mehrere Leichen geborgen.

Lawine am Broad Peak: Keine Überlebenden

Der Broad Peak ist mit rund 8.050 Metern Höhe der zwölfthöchste Berg der Erde und zählt zu den gefährlichsten Achttausendern. Die Region im hohen Norden Pakistans zieht jedes Jahr zahlreiche internationale Expeditionen an. Nach Angaben des Alpine Club Pakistan bestand das verunglückte Team aus zehn Mitgliedern: sechs Bergsteigern aus Nepal, je einem aus Pakistan und China sowie einer Frau aus den USA und einer Frau aus Oman.

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Die Bergungsarbeiten gestalteten sich schwierig. Bereits am Freitag wurden drei Leichen geborgen, weitere vier folgten am Sonntag. Die Leiche Purjas sowie seiner Teamkollegen wurden in etwa 5.700 Metern Höhe entdeckt und von einer nepalesisch-pakistanischen Rettungsmannschaft in ein tiefer gelegenes Lager gebracht. Eine weitere Leiche wurde laut Alpin Club höher im Schnee lokalisiert.

Purjas Rekord und die Netflix-Doku

Purja, auch unter dem Namen Nimsdai Purja bekannt, wurde durch seine logistische Meisterleistung im Jahr 2019 weltberühmt: Als erster Mensch bestieg er innerhalb einer einzigen Saison alle 14 Achttausender – in nur sieben Monaten. Der bisherige Rekord lag bei sieben Jahren. Die Netflix-Dokumentation „14 Peaks: Nothing Is Impossible“ begleitete ihn bei diesem Vorhaben und machte den gelernten Elitesoldaten zum Star.

„Ich bin der Usain Bolt der Achttausender“, sagte er in der Dokumentation. „Meine größte Stärke ist: Ich habe keine Angst.“ Gleichzeitig wusste er um die tödliche Gefahr: „Ich bin Bergsteiger, um jeden Moment meines Lebens leben zu können.“ Sein einstiges Vorhaben nannte er „Project Possible“. „Als ich von dem Projekt erzählte, haben die Leute gelacht“, erinnerte er sich in einem dpa-Gespräch in Kathmandu. „Sie sagten, das wäre nicht möglich.“ Sein 2022 auf Deutsch erschienenes Buch „Jenseits des Möglichen“ dokumentiert die Rekordtour.

Tod von Laura Dahlmeier in derselben Region

Der Unfall am Broad Peak weckt Erinnerungen an den Tod der deutschen Bergführerin Laura Dahlmeier. Die 31-Jährige kam vor knapp einem Jahr, am 28. Juli 2025, ebenfalls im Karakorum-Gebirge ums Leben. Beim Abstieg vom Laila Peak – wenige Kilometer vom Broad Peak entfernt – wurde sie auf rund 5.700 Metern von einem Steinschlag getroffen. Rettungsversuche scheiterten an der anhaltenden Gefahr und den widrigen Bedingungen. Dahlmeier hatte schriftlich verfügt, dass in einem solchen Fall niemand sein Leben riskieren dürfe; ihr Körper blieb am Berg.

Internationale Trauer und Anteilnahme

Die Nachricht von Purjas Tod löste weltweit Bestürzung aus. Seine Firma schrieb auf Instagram von „tiefer Trauer und unermesslichem Kummer“. Nepals Premierminister Balendra Shah reagierte schockiert auf Facebook. Der italienische Bergsteigerlegende Reinhold Messner würdigte Purja: „Was bleibt, ist nicht nur die Trauer über seinen Tod, sondern auch die Erinnerung an ein Leben, das er in vollen Zügen gelebt hat.“ Es sei ein Privileg gewesen, ihn zu kennen.

Auch Prinz William meldete sich zu Wort: „Nims diente mit Auszeichnung bei den britischen Streitkräften, bevor er zu einem der größten Bergsteiger der Welt wurde und nepalesische Alpinisten international bekannt machte“, schrieb der britische Thronfolger auf X. Sein unermüdlicher Wille, das Unmögliche zu erreichen, gepaart mit Bescheidenheit und Selbstlosigkeit, habe ihn wahrhaft einzigartig gemacht.

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Klimawandel erhöht Gefahren am Broad Peak

Der Broad Peak war für Purja kein Neuland: Bereits 2019 hatte er im Rahmen seiner Achttausender-Tour den Gipfel erklommen. Nach der Besteigung des Gasherbrum II hatte er erst am Montag auf X mitgeteilt, dass ihm nur noch der Broad Peak fehle, um als erster Mensch alle Achttausender ohne Sauerstoffflasche doppelt bestiegen zu haben. Es sollte sein letztes großes Projekt werden.

Der pakistanische Bergsteigerexperte Irfanullah Baig wies im Gespräch darauf hin, dass der Broad Peak schon immer ein schwieriger Berg gewesen sei. Durch den Klimawandel verschärfe sich die Lage jedoch spürbar: „Die Temperaturen in den Ortschaften am Fuß der Berge steigen auf 40 Grad. Damit gibt es keine stabile Schneedecke mehr, und die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass die Schneeschmelze jederzeit Lawinen auslöst.“ Purjas Tod steht damit auch für wachsende Gefahren in Hochgebirgsregionen.