Zum Jahresschluss erlebten die Bürgerinnen und Bürger von Wertingen ein Naturschauspiel der besonderen Art: Ein Regenbogen in kräftigen Farben erschien am Himmel über der Zusamstadt. Das Spektakel dauerte nur wenige Minuten, aber genau diese Minuten sorgten für Aufsehen, Freude und zahlreiche Fotos in den sozialen Netzwerken.
Für Meteorologen ist ein Regenbogen im Winter eine Seltenheit. Denn für das optische Phänomen braucht es sowohl Sonnenlicht als auch feine Wassertropfen in der Luft. Im Sommer ist das nach einem Regen schnell gegeben. Im Dezember hingegen sind die Luftschichten meist zu trocken, und die Wintersonne steht zu tief, um Lichtbrechung in ausreichendem Maße zu erzeugen.
Wie ein Regenbogen entsteht
Klar ist: Ein Regenbogen ist keine Sache der Wetterfrösche, sondern der Physik. Das weiße Sonnenlicht wird in den winzigen Wassertropfen gebrochen und in seine Farben aufgefächert – von Rot über die bekannten Regenbogenfarben bis hin zu Violett. Die Position des Betrachters spielt dabei eine entscheidende Rolle: Wer nicht richtig steht, kann das Farbenspiel gar nicht sehen.
Um die Mittagszeit herum, als sich die Wolken kurz auflösten, war die Konstellation in Wertingen offenbar ideal. Vor dunklen Wolken wirkten die Farben besonders leuchtend. Von den erhöhten Lagen rund um die Stadt, etwa von den Hügeln bei Nordendorf, war der Bogen eindrucksvoll zu sehen. Auch aus der Innenstadt heraus hatten viele Menschen einen ungehinderten Blick auf das seltene Ereignis.
Ein Zeichen der Hoffnung?
Das Motiv Regenbogen hat in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen. Nicht nur als Symbol der vielfältigen Gesellschaft, sondern auch als Zeichen der Hoffnung in schwierigen Zeiten. In Wertingen interpretierten viele die Erscheinung passend zum Jahreswechsel als gutes Omen für das kommende Jahr. Ein Anwohner beschrieb den Moment am Abend auf einem Online-Portal als friedliches Bild am Ende eines dann doch noch versöhnlichen Jahres.
Dabei dürfte die wissenschaftliche Erklärung die Betrachter kaum weniger berühren: Das Schauspiel entsteht durch die Kombination von Regentropfen und einem tief stehenden Sonnenlicht, das die letzte warme Farbe des Tages in den Himmel zeichnet – ein Bild, das im Sommer üblich, im Winter aber eine kleine Sensation ist.
Regenbogen über der Zusam
Wertingen, das an der Zusam liegt, ist bekannt für seine schöne Lage im Naturpark Augsburgische Westliche Wälder. Ein Regenbogen über der Stadt verbindet diese Naturnähe mit einem unvergesslichen Moment. Ein solches Ereignis bleibt vielen Menschen im Gedächtnis – vor allem, weil es so unvorhersehbar ist. Wer den Moment verpasst hat, dürfte Pech gehabt haben: Einen zweiten Regenbogen gab es an diesem Tag nicht mehr. Die Wetterlage blieb bis in den Abend wechselhaft, wie es im Winter üblich ist.
Wer Glück hatte, konnte sogar eine seltene Besonderheit entdecken: Bei genauem Hinsehen war der Bogen doppelt zu sehen. Doch die Wissenschaft winkt ab – beim sogenannten Nebenbogen handelt es sich um eine Lichtbrechung zweiter Ordnung, die zwar rarer, aber keineswegs mystisch ist. Solche Details machen einen Regenbogen im Winter zu einem Ereignis, das man nicht nur fotografisch festhalten möchte, sondern auch als lehrreiche Anekdote für das nächste Familientreffen taugt.
Zum Abschluss des Jahres bleibt die Erinnerung an die Farben des Regenbogens über dem verschneiten Wertingen. Ob als Zeichen der Hoffnung oder als physikalisches Phänomen – die Bilder des Dezembertages werden viele Menschen in den ersten Tagen des neuen Jahres noch begleiten. Und vielleicht ist genau das die schönste Botschaft, die ein Naturschauspiel senden kann: dass die Natur immer wieder für Überraschungen gut ist, auch wenn man sie am wenigsten erwartet.



