Testosteron-Tests im US-Militär: Kritik an Hegseths Männlichkeitswahn
Testosteron-Tests im US-Militär: Kritik an Hegseth

Der US-amerikanische Verteidigungsminister Pete Hegseth will Soldaten künftig verpflichtend auf ihren Testosteronspiegel testen lassen. Dies berichtet der Spiegel in einem Gastbeitrag des Mediziners Edzard Ernst. Der Plan stößt auf scharfe Kritik: Er basiere auf einem fragwürdigen Männerbild und sei medizinisch nicht zu rechtfertigen.

Ein fragwürdiges Konzept von Männergesundheit

Hegseth, der sich selbst gern als „Kriegsminister“ bezeichnet, ist bekannt für sein Festhalten an einem traditionellen „Kriegerethos“ und fundamentalchristlichem Pathos. Die geplanten Tests sollen offenbar sicherstellen, dass Soldaten über ausreichend „Männlichkeit“ verfügen – gemessen am Hormonspiegel. Doch was wie eine simple Gesundheitsmaßnahme klingt, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als ideologisch aufgeladenes Projekt.

Edzard Ernst, emeritierter Professor für Komplementärmedizin an der Universität Exeter, warnt in seinem Gastbeitrag vor den Implikationen. Er argumentiert, dass die Konzentration auf Testosteron als Indikator für militärische Tauglichkeit wissenschaftlich unhaltbar sei. „Die Vorstellung, dass ein einzelner Hormonwert etwas über die Einsatzfähigkeit eines Soldaten aussagt, ist schlichtweg falsch“, so Ernst. Vielmehr handle es sich um eine politische Botschaft, die ein bestimmtes Bild von Männlichkeit zementieren solle.

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Medizinische Bedenken und ethische Fallstricke

Aus medizinischer Sicht ist ein generelles Testosteron-Screening problematisch. Der Hormonspiegel schwankt natürlicherweise im Tagesverlauf und wird von zahlreichen Faktoren beeinflusst: Schlaf, Stress, Ernährung, körperliche Aktivität. Ein einmaliger Test kann daher leicht zu Fehlinterpretationen führen. Zudem gibt es keine klaren Grenzwerte, ab wann ein Soldat als „nicht männlich genug“ gilt. Ernst betont, dass solche Tests nicht nur stigmatisierend wirken, sondern auch Soldaten unter Druck setzen könnten, ihre Werte künstlich zu beeinflussen.

Hinzu kommen ethische Bedenken: Ein verpflichtender Eingriff in die körperliche Autonomie von Soldaten ist ein schwerwiegender Schritt. „Militärangehörige haben ein Recht auf informationelle Selbstbestimmung“, schreibt Ernst. Die Erhebung sensibler Gesundheitsdaten ohne medizinische Notwendigkeit verstoße gegen grundlegende Prinzipien der Medizinethik. Zudem sei unklar, wie die Ergebnisse verwendet würden – etwa für Beförderungen oder den Einsatz in bestimmten Einheiten.

Ein Rückschritt für die Gleichstellung

Die Initiative von Hegseth wird auch als Angriff auf die Gleichstellung der Geschlechter gewertet. Indem sie Männlichkeit mit Testosteron gleichsetzt, degradiert sie Frauen im Militär implizit zu „weniger tauglichen“ Kämpfern. Dabei zeigen Studien, dass körperliche Leistungsfähigkeit und psychische Belastbarkeit nicht vom Geschlecht abhängen. „Die militärische Führung sollte sich auf messbare Fähigkeiten konzentrieren, nicht auf Hormone“, fordert Ernst.

Kritiker befürchten zudem, dass die Tests als Vorwand dienen könnten, um unliebsame Soldaten loszuwerden oder ein Klima der Überwachung zu schaffen. In einer Armee, die auf Vertrauen und Zusammenhalt angewiesen ist, wirke ein solches Misstrauensvotum kontraproduktiv.

Reaktionen und Ausblick

Bislang hat sich das US-Verteidigungsministerium nicht offiziell zu den Plänen geäußert. Allerdings deuten Leaks an, dass die Tests bereits in Pilotprojekten erprobt werden. Sollten sie flächendeckend eingeführt werden, wäre dies ein Präzedenzfall mit internationaler Strahlkraft. Auch andere Armeen könnten dem Beispiel folgen und ähnliche Screenings einführen.

Der Gastbeitrag von Edzard Ernst endet mit einem Appell an die Vernunft: „Wir müssen aufhören, Männlichkeit über Hormone zu definieren. Was einen guten Soldaten ausmacht, ist Mut, Disziplin und Kameradschaft – nicht sein Testosteronspiegel.“

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