BDI warnt vor China-Schock 2.0: Industrie massiv unter Druck
BDI: China-Schock 2.0 belastet deutsche Industrie stark

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) schlägt Alarm: Angesichts der wachsenden Konkurrenz aus China gerät die deutsche Industrie nach Ansicht des Verbands in eine immer bedrohlichere Lage. „Wir erleben einen China-Schock 2.0“, sagte BDI-Hauptgeschäftsführerin Tanja Gönner der Deutschen Presse-Agentur. Der wirtschaftliche Druck komme dabei von außen wie von innen – ein harter Stresstest für die gesamte Wirtschaft.

China-Schock 2.0: Das sind die Belastungsfaktoren

Gönner beschrieb die Belastungen für die Industrie in der Breite: „Er trifft nicht nur einzelne Branchen, sondern massiv die Industrie in der Breite: durch Abhängigkeiten bei kritischen Rohstoffen, eine deutlich unterbewertete Währung, staatlich induzierte Überkapazitäten, die wegen eines schwachen Binnenmarkts in China und Marktabschottung insbesondere in den USA ungebremst den EU-Binnenmarkt fluten.“ Dazu komme Chinas Anspruch, in Schlüsseltechnologien Weltmarktführer zu werden.

Diese Kombination aus strukturellen Nachteilen und aggressiver Exportstrategie setze deutsche Unternehmen unter Druck, warnte die BDI-Hauptgeschäftsführerin. Die Abhängigkeit von chinesischen Rohstoffen und die preislichen Vorteile chinesischer Hersteller verschärften den Wettbewerbsdruck erheblich.

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Europas Optionen: Handelsabkommen und WTO

Doch Gönner gibt sich nicht pessimistisch: „Aber Europa hat Optionen“, sagte sie. Rund 60 Prozent des Welthandels würden weiter nach Regeln der Welthandelsorganisation WTO abgewickelt, viele Partner wollten regelbasierten Handel. „Dass die EU jetzt Handelsabkommen abschließt, die über Jahre feststeckten, ist ein wichtiges Signal.“

So war Anfang Mai das Mercosur-Handelsabkommen zwischen der Europäischen Union und den Mercosur-Ländern Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay vorläufig in Kraft getreten. Durch den schrittweisen Abbau von Handelsbarrieren und Zöllen soll es den Austausch von Waren und Dienstleistungen ankurbeln. Dieses Abkommen gelte als Beispiel dafür, dass Europa durchaus in der Lage sei, seine Handelsinteressen aktiv zu vertreten.

BDI fordert neue Formen der Zusammenarbeit

Europa brauche mehr Durchsetzungskraft gegenüber China, aber keine komplette Abschottung, sagte Gönner. „Wir sollten versuchen, an vielen Stellen die regelbasierte Ordnung hochzuhalten und zugleich überlegen, wie wir uns zur Wehr setzen können. Europa muss schneller reagieren und dafür braucht es neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Politik und Wirtschaft.“

Widerstandsfähigkeit soll zum Fokus werden. Bereits Anfang 2019 hatte sich der BDI in einem Grundsatzpapier für eine Neuausrichtung der deutschen China-Politik ausgesprochen. Die Marktwirtschaft müsse „widerstandsfähiger“ gemacht werden, hieß es. China wurde als Partner, aber auch zunehmend als systemischer Wettbewerber beschrieben. In der China-Strategie der Bundesregierung 2023 wurde China als Partner, Wettbewerber und systemischer Rivale bezeichnet.

Als erster China-Schock wird die Lage nach Chinas Beitritt zur Welthandelsorganisation 2001 beschrieben, als billige Produkte aus der Volksrepublik in großem Stil auf die Weltmärkte kamen. Der wirtschaftliche Aufstieg Chinas geriet für die deutsche Industrie zunächst zu einem großen Boom, weil Chinesen in großem Umfang deutsche Autos und Maschinen kauften. Inzwischen haben deutsche Autobauer jedoch zunehmend Probleme auf dem chinesischen Markt. In vielen Branchen drängen staatlich subventionierte chinesische Hersteller mit Billigpreisen auf europäische Märkte.

Wirtschaftskrise stresst Arbeitnehmer in der Industrie

Der Druck kommt aber nicht nur von außen: Die seit Jahren anhaltende Krise in großen Teilen der deutschen Industrie und deren Folgen belasten viele Arbeitnehmer seelisch oder körperlich. In einer Yougov-Umfrage unter 1.153 Beschäftigten berichteten 44 Prozent über gestiegene geistige oder körperliche Belastung in der Arbeit. Weitere 29 Prozent meldeten zumindest teilweise höheren Stress.

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„Wirtschaft und Politik sollten das als Weckruf aus der Mitte der industriellen Realität verstehen“, sagte der IG-BCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis. Die Umfrage förderte einen großen Unterschied zwischen den Mitarbeitern in der Produktion und denjenigen in Verwaltung und sonstigen Bürofunktionen zutage: Diese spüren den Druck offenkundig weniger ausgeprägt, lediglich 37 Prozent bejahten die Frage nach der Mehrbelastung. In der Produktion dagegen waren es 59 Prozent.

Büro versus Produktion: Ungleiche Belastung

Dass das Ende der Fahnenstange bereits erreicht sei, glaubt mehr als die Hälfte demnach nicht: Mehr als jeder Zweite (54 Prozent) erwartet steigende Anforderungen an persönliche Flexibilität und Belastbarkeit, ein weiteres Drittel (33 Prozent) geht von in Teilen steigenden Anforderungen aus. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Umfrage arbeiten in den von der IG BCE vertretenen Industriebereichen, darunter Chemie, Energie, Pharma und Bergbau.

Die absolute Mehrheit stelle sich auf noch härtere Zeiten ein, kommentierte Swiss Life-Deutschlandchef Dirk von der Crone. Angesichts dieser Zahlen wird deutlich: Die deutsche Industrie steht nicht nur im Wettbewerb mit China unter Druck, sondern auch intern vor großen Herausforderungen. Die Kombination aus externem Wettbewerbsdruck und steigender Belastung der Beschäftigten könnte die Wettbewerbsfähigkeit weiter beeinträchtigen, wenn nicht gegengesteuert wird.